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Ostkreis Sechs Laufbahnen sind nun denkbar
Landkreis Ostkreis Sechs Laufbahnen sind nun denkbar
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15:01 08.04.2019
Für sechs Laufbahnen müssen Flutlichtmasten und Stehtribüne versetzt werden. Quelle: Michael Rinde
Stadtallendorf

Was sich in der Sitzung des Ausschusses für Grundsatzangelegenheiten abzeichnete, ist am Donnerstagabend eingetreten: Das Parlament folgte einem SPD-Antrag mit klarer Mehrheit. Die Verwaltung wird gemeinsam mit dem Planungsbüro bis zum Herbst die nötigen Genehmigungen einholen, um in den nächsten Jahren die Laufbahnen im Herrenwaldstadion zu erneuern. Dabei gehen die Planungen von sechs statt wie bisher vier Laufbahnen aus. Diese „große“ Variante verteuerte nach heutigem Stand die Stadionmodernisierung um rund 500 000 Euro.

Allerdings wird das Parlament wohl im Herbst ein zweites Mal abstimmen. Sollten angesichts von Auflagen beispielsweise die Kosten erheblich steigen, so wäre ein Umschwenken auf doch nur vier Bahnen vorgesehen.

Dann müsste der Bauantrag allerdings noch einmal angepasst werden. Das soll nach grober Kalkulation von Planer Michael Dorlar allerdings nur minimale Zusatzkosten von unter 10 000 Euro verursachen.

Bleibt alles so wie jetzt beschlossen, so schlüge der „Masterplan Herrenwaldstadion“ mit rund 5,5 Millionen Euro in den nächsten Jahren zu Buche. Wie die OP berichtete, hatte die SPD-Fraktion einen Änderungsantrag auf den Weg gebracht. Magistrat und Verwaltung hatten sich nicht auf eine Version festgelegt, um dem Parlament freie Hand zu lassen. Bei der Sitzung des Fachausschusses am Dienstag war noch nicht klar, wie sich die größte Fraktion, die CDU, entscheidet. Am Ende ­haben sich die Christ­demokraten enthalten. Innerhalb der Fraktion hatte es im Vorfeld Widerstände gegen den SPD-Antrag gegeben, vor allem angesichts der Vorfestlegung auf die größere Variante. In der Debatte im Stadtparlament machte SPD-Fraktionsvorsitzender Werner Hesse noch einmal klar, dass die Stadionmodernisierung seit Jahrzehnten die Stadt beschäftigt und es nun seit 2016 ein abgestimmtes Gesamtkonzept (den „Masterplan“) gebe.

CDU will sich nicht festlegen

Hesse machte keinen Hehl daraus, dass die SPD die Sechs-Bahnen-Lösung aus vielen Gründen heraus favorisiert – nicht nur wegen der Chance auf überregionale Wettkämpfe. „Wir schaffen mit einer solchen Anlage auch zusätzliche Motivation für Leichtathleten und Sportler. „Dieser Antrag macht alles möglich und verhindert nichts“, so sein Fazit. Hans-Georg Lang, Fraktionsvorsitzender der CDU, erinnerte zunächst daran, dass sämtliche Bauvorhaben am Stadion an der Kassenlage der Stadt in den nächsten Jahren hängen werden. Das Gesamtkonzept sieht die CDU nach wie vor als „einen Riesenschritt für die Sportstadt Stadtallendorf“. Aber seine Fraktion wolle frei sein in ihrer Entscheidung im Herbst. Intern hatte man sich auf Enthaltung verständigt. Der Parlamentssitzung gingen offenbar intensive Diskussionen in den Fraktionen voraus, die Sitzung begann mit gut 20 Minuten Verspätung.

Hintergrund

Mögliche Zuschüsse

Am Donnerstag führte Bürgermeister Christian Somogyi (SPD) Informationsgespräche in Wiesbaden, unter anderem mit Staatssekretär Dr. Stefan Heck (CDU) zum Thema mögliche Zuschüsse.
Angesichts der Gesamtbausumme von rund 5,5 Millionen Euro spielen Zuschüsse eine große Rolle bei den weiteren Überlegungen. Rund 400 000 Euro stehen für die neuen Parkplätze im Stadion im Raum. Dieses Geld könnte aus dem Programm Soziale Stadt kommen. Der Parkplatz wird zugleich Veranstaltungsfläche. Dieser als erstes anstehende Teil des Gesamtprojektes wird vom Land allerdings nicht gefördert, wie der Bürgermeister am Donnerstag im Stadtparlament erläuterte. Aus Wiesbaden brachte Somogyi die Aussage mit, dass einzelne Stadion-Bauabschnitte aus einem Förderprogramm mit jeweils 50 000 Euro gefördert werden könnten. Möglicherweise gibt es einen weiteren Fördertopf aus einem Programm für überregional bedeutende Sportstätten. Erste Gespräche mit dem Kreis hat es auch gegeben. Schuldezernent Marian Zachow zeigt sich offen für ein Engagement.
Allerdings will der Kreis den Bauantrag abwarten. Nutzungsentgelte wären für den Schuldezernenten eine Möglichkeit, wobei die Sportstätten im Stadion von den Schulen dann langfristig genutzt werden müssten.

„Schauen sie mal, was für einen Leuchtturm wir wiederherstellen“, erinnerte Winand Koch, Fraktionsvorsitzender der FDP. Das gilt mit Blick auf das Gesamtkonzept für das Stadion. Koch mahnte, bei allen Entscheidungen die Folgekosten im Blick zu behalten. Manfred Thierau, Bürgerunion Stadtallendorf (BUS), betonte, dass der jetzige Weg keinerlei Risiko bedeute. Einzig die beiden Parlamentarier von Bündnis 90/Die Grünen bezogen eine gänzlich andere Position. Sie sprachen sich für eine Festlegung auf vier Laufbahnen und zwar aus finanziellen Gründen aus. „Bei uns wird immer wieder ein Ausgabenproblem hervorgehoben. Doch wenn es gilt, entscheidet man sich dann doch für die größere Variante“, kritisierte Fraktionsvorsitzender Michael Feldpausch. Die Zeiten, wo die Stadt habe aus dem Vollen schöpfen können, seien längst vorbei. Bei Enthaltung der CDU stimmten SPD, BUS und FDP für die Sechs-Bahnen-Variante mit Ausstiegsoption, die Grünen sagten Nein.

Im nächsten Schritt wird nun der Bauantrag vorbereitet und gestellt.

von Michael Rinde