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Ostkreis Wer Bücher leiht, muss weiter zahlen
Landkreis Ostkreis Wer Bücher leiht, muss weiter zahlen
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16:00 20.05.2022
Die Stadtbücherei Stadtallendorf genießt einen hervorragenden Ruf, aktuell gibt es dort 20.000 Medien zum Ausleihen.
Die Stadtbücherei Stadtallendorf genießt einen hervorragenden Ruf, aktuell gibt es dort 20.000 Medien zum Ausleihen. Quelle: Michael Rinde
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Stadtallendorf

Wer in Stadtallendorf in die Stadtbücherei am Marktplatz geht, zahlt weiterhin einmal im Jahr zehn Euro, zumindest als Erwachsener. Das Stadtparlament lehnte in seiner jüngsten Sitzung den Antrag der SPD mit breiter Mehrheit ab, diese Gebühr komplett abzuschaffen. Für Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren ist die Benutzung der Stadtbücherei Stadtallendorf ohnehin gebührenfrei.

Für die SPD kam es mit ihrem Antrag darauf an, dass alle Bürger einen möglichst niedrigschwelligen Zugang zu Medien bekommen. Statt einer jährlichen Gebühr sollte es lediglich noch eine einmalige Zahlung für die Ausstellung des Benutzerausweises geben. „Bildung ist wichtig, wir müssen den Bürgern es so einfach wie möglich machen“, betonte SPD-Fraktionsvorsitzender Werner Hesse beim Auftakt der Debatte. Den Ausfall der Zahlungen könne die Stadt finanziell verkraften. Wesentlich ist für ihn auch das breite und wachsende Angebot der Stadtbücherei bei den Online-Medien, also herunterladbaren Titeln für E-Reader oder auch bei Hörbüchern.

Stadtallendorfs Stadtbücherei

Die Stadtallendorfer Stadtbücherei hat aktuell rund 5000 Nutzer, jährlich kommen 300 hinzu. In der Stadtbücherei selbst sind 20 000 Medien zur Ausleihe verfügbar. Außerdem gehört die Stadtallendorfer Stadtbücherei einem Onleihe-Verbund an, der aktuell etwa 321 000 elektronische Medien führt. Die Leitung hat Elke Hahn.

Öffnungszeiten: dienstags von 9 bis 11.30 Uhr und von 15 bis 18 Uhr, donnerstags von 15 bis 18 Uhr und freitags von 9.30 bis 11.30 Uhr und von 15 Uhr bis 18 Uhr.

Telefon: 06428/707-270.

Die Debatte fiel am Ende eindeutig aus, CDU, FDP und Bürgerunion Stadtallendorf teilten die SPD-Argumentation in dieser Form nicht. Berthold Littich (CDU) lobte zunächst die Qualität der Stadtbücherei Stadtallendorf. „Wir haben eine Stadtbücherei, die diesen Namen auch verdient, ein Drittel der Nutzer kommt dabei aus dem Umland“, sagte er. Seine Fraktion sehe überhaupt keinen Anlass, dem Vorstoß der SPD zuzustimmen.

Das sah auch Thomas Seinsoth (FDP) so. Er warnte: „Was nichts kostet, ist aus Sicht vieler auch nichts wert“. Manfred Thierau (Bürgerunion) meinte, dass sich jeder den Betrag von jährlich zehn Euro leisten könne. Die Stadt solle die Erlöse aus dieser Nutzungsgebühr weiterhin für den Kauf neuer Medien nutzen.

Unterstützung bekamen die Sozialdemokraten dann aber immerhin von Bündnis 90/Die Grünen. „Zehn Euro sind für manchen Menschen sehr viel Geld“, sagte Fraktionsvorsitzender Michael Goetz. Diese Gebühr bilde für manchen Menschen eine Hürde, weshalb die Grünen die SPD unterstützten. Die Abstimmung endete mit 20 Nein-Stimmen zu 16 Ja-Stimmen. In Sachen Nutzungsgebühren bleibt in Stadtallendorf also alles wie gewohnt.

Wiedergutmachung gelungen

In der Stadtparlamentssitzung im vergangenen Dezember ging in Stadtallendorf die Wahl eines Ortsschöffens komplett daneben. Drei Bewerber hatte es für die Position im Ortsgericht I gegeben (die OP berichtete). Auch nach einem dritten Wahlgang hatte keiner der Kandidaten die nötige Mehrheit erreicht. Der Vorgang gilt als eine absolute Ausnahme, zumal dem Amt keinerlei politische Funktion zukommt. In seiner jüngsten Sitzung nahm das Stadtparlament nun einen neuen Anlauf in diesem Punkt. Stefan Rhein (CDU) stellte sich ein weiteres Mal zur Wahl, außerdem kandidierte auf SPD-Vorschlag Philipp-Thomas Kania. Bereits nach dem ersten geheimen Wahlgang war die Sache klar, Rhein setzte sich mit 21 Stimmen durch. Er wird nun Andrea Hülshorst, der Direktorin am zuständigen Amtsgericht Kirchhain, vorgeschlagen.

Und noch eine Wahl in Sachen Ortsgericht I funktionierte an diesem Abend im Stadtparlament reibungslos. Die Position des Ortsgerichtsvorstehers oder Ortsgerichtsvorsteherin war zu besetzen. Es kandidierte Emel Agca, die SPD-Stadtverordnete hatte im Dezember bei der danebengegangenen Wahl bereits für die Position als Ortsgerichtsschöffin vergeblich zur Wahl gestanden. Außerdem hatte sich Otto Kotke jr. auf das Amt beworben. Agca erhielt die erforderlichen 21 Stimmen und wird nun von der Amtsgerichtsdirektorin ebenfalls vorgeschlagen. „Schön, dass du durchgehalten hast“, sagte SPD-Fraktionsvorsitzender Werner Hesse, als er ihr gratulierte.

Von Michael Rinde