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Ostkreis Schnell zum nächsten „Meilenstein“
Landkreis Ostkreis Schnell zum nächsten „Meilenstein“
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14:00 23.03.2022
Ein Güterzug mit Schotter aus Ober-Ofleiden passiert Amöneburg auf der einstigen Ohmtalbahn-Trasse.
Ein Güterzug mit Schotter aus Ober-Ofleiden passiert Amöneburg auf der einstigen Ohmtalbahn-Trasse. Quelle: Foto: Michael Rinde
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Ostkreis

In Sachen Wiederbelebung der Ohmtalbahn geht es in großen Schritten voran – schneller, als im vergangenen November noch zu erwarten war. In der nächsten Kreistagssitzung am 1. April berät das Gremium über die Beteiligung an einer großen Machbarkeitsstudie – im Verbund mit Überlegungen für eine attraktivere und ausgebaute Vogelsbergbahn. Jene Studie ist die entscheidende technische und wirtschaftliche Hürde. Dort ermitteln dann Experten das exakte Kosten- und Nutzen-Verhältnis für die Reaktivierung.

Zeitgleich beraten in diesen Wochen die Gremien der Städte Amöneburg, Stadtallendorf und Kirchhain über die Reaktivierung. In Vorlagen aus Stadtallendorf und Amöneburg geht es um die klare Unterstützung aller Bemühungen pro Ohmtalbahn.

Wenn der Kreistag am 1. April der Vorlage aus dem Kreisausschuss folgt, dann steht eine „Mammut-Studie“, möglicherweise auf verschiedene Aspekte aufgeteilt, an. Denn die bisherigen Untersuchungen haben klar aufgezeigt, dass eine Ohmtalbahn mit Personenverkehr nur Sinn machen kann, wenn sie im Zusammenspiel mit der Vogelsbergbahn erfolgt. Es geht um das „Hessen-Y“.

Das „Hessen-Y“

Ohne eine attraktivere Vogelsbergbahn wäre eine zukünftige Ohmtalbahn nicht wirtschaftlich überlebensfähig. So die klare Aussage aus der Vorstudie, die im vergangenen November so viel Mut gemacht hat. Es geht um eine attraktive Ost-West-Verbindung von Marburg nach Fulda oder eben von Gießen nach Fulda. Wichtiges Detail: Die Ohmtalbahn verkehrte bei diesen Überlegungen durchgängig bis nach Marburg – es wäre kein Umstieg in Kirchhain notwendig.

Die jetzige Vogelsbergbahn verläuft von Gießen nach Fulda, ist 105 Kilometer lang und eingleisig. Seit Langem gibt es Überlegungen und Planungen, sie attraktiver zu gestalten und in diese Strecke zu investieren.

Deshalb sieht die Vorlage für den Kreistag auch vor, dass der Kreis Marburg-Biedenkopf auch der „Arbeitsgemeinschaft Vogelsbergbahn“ beitritt. Sie befasst sich seit Langem mit der Attraktivierung der Strecke. Vom Kreis kommt dazu die Aussage in der Vorlage, dass eine Investition von rund 100 Millionen Euro in die Strecke im Raum stünde. Es stehen jetzt Voruntersuchungen an.

Bei der Ohmtalbahn verfährt der Landkreis genauso wie beim Auftakt für die Machbarkeitsstudie für die Salzbödetalbahn im Hinterland, auch dort hatte der Kreistag einen entsprechenden Beschluss gefasst, obwohl das formal eigentlich nicht nötig wäre. Denn: Der Kostenanteil des Landkreises an jener Studie wird bei geschätzten rund 20 000 Euro liegen, heißt es in der Vorlage. Für die komplexe Studie erwartet der Kreis aktuell Gesamtausgaben zwischen 150 000 und 200 000 Euro, verteilt auf mehrere Schultern.

„Der Beschluss ist sicherlich ein Meilenstein“, kommentiert Vize-Landrat Marian Zachow diesen weiteren Schritt gegenüber der OP. Dass dieser Meilenstein jetzt so schnell komme, sei auch der Tatsache zu verdanken, dass es eine derartige Zustimmung in der Region für die Ohmtalbahn gebe. Doch Zachow macht auch klar, dass es noch dauern wird, bis das Ergebnis einer solchen Studie einmal vorliegen könnte.

Ein „Ölzweig“

Ein glückliches Zusammentreffen besteht für ihn auch in der Tatsache, dass die Diskussion über die Ohmtalbahn mit den schon weiter gediehenen Überlegungen für die Vogelsbergbahn zusammenfallen. Bei der Ohmtalbahn wären der Verkehrsverbund RMV, der Vogelsbergkreis über seinen Zweckverband Oberhessische Versorgungsbetriebe und eben die Anliegerkommunen mit im Boot. Ausdrücklich betont der Vizelandrat, dass Reaktivierung der Ohmtalbahn im Zusammenspiel mit den Städten und Gemeinden an der Trasse erfolgen müsse.

Deshalb soll die entscheidende Machbarkeitsstudie auch solche Themen wie Lärmschutz, aber auch Radverkehr und Tourismus umfassen. Ein wichtiges Stichwort ist dabei der Radverkehr, denn Homberg (Ohm) plant eine Radwegeverbindung auf der einstigen Trasse und hat bereits in die Planungen investiert. Deshalb ist ein Satz in der Antragsbegründung für den heimischen Kreistag wohl ein wenig als „Ölzweig“ in Richtung Homberg zu verstehen. Dort wird nämlich betont, dass ein Interessengegensatz zwischen den Verkehrsträgern Fahrrad und Schiene im Sinne der Verkehrswende vermieden werden solle.

Die drei Ostkreis-Kommunen werden in ihren Stellungnahmen zum künftigen Regionalplan jedenfalls fordern, die komplette Trasse der Ohmtalbahn landesplanerisch zu sichern. Die Trasse ist insgesamt 20,1 Kilometer lang, 12 Kilometer davon werden für den Güterverkehr weiterhin genutzt. In der Vorstudie sind Kosten von rund 26 Millionen Euro für die Reaktivierung vorausberechnet worden – plus Ausgaben für Brückenerneuerungen und Sanierungen.

Von Michael Rinde

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