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Ostkreis Kirchhain will die Ohmtalbahn
Landkreis Ostkreis Kirchhain will die Ohmtalbahn
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18:17 27.04.2022
Diese Brücke bei Homberg (Ohm) ist ein Symbol für die frühere Ohmtalbahn, deren Wiederbelebung jetzt im Raum steht.
Diese Brücke bei Homberg (Ohm) ist ein Symbol für die frühere Ohmtalbahn, deren Wiederbelebung jetzt im Raum steht. Quelle: Michael Rinde
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Kirchhain

Als dritte Stadt im Bunde stellt sich nun auch Kirchhain hinter die Pläne für die Reaktivierung der Ohmtalbahn. Das Stadtparlament fasste am Montagabend einen vergleichbaren Solidaritätsbeschluss wie die Parlamente in Stadtallendorf und Amöneburg. Kirchhain wie auch die genannten anderen beiden Städte liegen an der Ohmtalbahntrasse – allerdings an dem Teil, der auch jetzt noch weiter für den Güterverkehr genutzt wird. Bis 2024 will die Bahn diese Bahnstrecke auch komplett saniert haben.

Der Kreistag hatte in seiner jüngsten Sitzung den Beschluss gefasst, dass sich der Landkreis im Verbund mit dem Nachbarkreis und dem Rhein-Main-Verkehrsverbund an einer Machbarkeitsstudie samt Kosten- und Nutzenanalyse beteiligt. Ein Auftrag dafür soll in der zweiten Jahreshälfte erfolgen. Dabei geht es um ein komplexes Paket. Ausgangspunkt ist eine Aufwertung der Vogelsbergbahn, die Reaktivierung der Ohmtalbahn ist also nur ein Aspekt unter mehreren in diesem Paket. Dass die Vogelsbergbahn aufgewertet wird, scheint bereits sicher, die Zukunft der Ohmtalbahn keineswegs.

In der Stadt Kirchhain haben die Befürworter dieses Großprojektes, das noch Jahrzehnte dauern könnte (wenn es überhaupt dazu kommt) jedenfalls weiterhin einen starken Partner, wie in der Parlamentssitzung deutlich wurde.

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Ausführliche Informationen zur Reaktivierung der Ohmtalbahn gibt es in unserem Themenspecial.

Entschiedenes Werben für die nächsten Schritte kam erwartungsgemäß von Reinhard Heck (Die Linke), der sich seit Jahren auf mehreren Ebenen für die Wiederbelebung der Bahnstrecke einsetzt. Er sei froh, dass das Parlament heute diesen Beschluss fassen werde. Heck machte deutlich, dass es in weiteren Schritten darauf ankommen werde, das Interesse der Bevölkerung an der Ohmtalbahn zu steigern. Darum plant die Arbeitsgemeinschaft für die Förderung des Schienenverkehrs auch eine Sonderfahrt bis Ober-Ofleiden, unter anderem mit Triebwagen und Dampflokomotive im Laufe dieses Jahres. „Die Bürgermeister aller Städte an der Strecke haben ihre Unterstützung dafür zugesagt“, freute sich Heck.

Nach Gesprächen in Homberg (Ohm), unter anderem mit der Bürgermeisterin, registriere er auch dort ein Umdenken in Sachen Ohmtalbahn. Heck machte auch deutlich, dass es bei dem gesamten Vorhaben nicht darauf ankomme, „Bahn und Auto gegeneinander auszuspielen“.

Unterstützung für den Antrag des Magistrates pro Ohmtalbahn kam auch von Holger Lesch (CDU) für seine Fraktion. Es komme jetzt darauf an, Weichen zu stellen, sagte der Eisenbahner. „Ich bin sicher, alle Anstrengungen werden sich lohnen“, so seine Überzeugung. Das ganze Vorhaben sei zwar eine große Herausforderung, aber auch eine Chance.

Thies: „Das wird ein Millionengrab“

Deutliche Worte gegen jeden weiteren Schritt für eine mögliche Reaktivierung gab es hingegen von Micha André Thies, dem Fraktionsvorsitzenden der FDP. Im Kreistag wie auch im Stadtallendorfer Stadtparlament hatten sich die Liberalen bereits klar gegen das Projekt positioniert. Schon vor 40 Jahren sei die Strecke unwirtschaftlich gewesen, auch jetzt verfehlt die Strecke den Wirtschaftlichkeitsgrad knapp, so das Ergebnis der Vorstudie. „Knapp daneben ist auch vorbei“, kommentierte Thies. Allerdings hält die Vorstudie eine Reaktivierung im Verbund mit der Vogelsbergbahn für wirtschaftlich abbildbar. „Das wird ein Millionengrab“, ist Thies überzeugt.

Bernd Bierwirth von B90/Die Grünen unterstrich hingegen die Bedeutung, die die Ohmtalbahn für die Stadt Kirchhain und ihre Entwicklung haben könnte, so sie denn wieder für den Personenverkehr genutzt wird.

Das Parlament billigte den Beschlussantrag bei zwei Nein-Stimmen der FDP-Stadtverordneten. Damit wird sich auch Kirchhain für die Reaktivierung beim Land und bei Verkehrsverbünden engagieren und das Projekt unterstützen.

Von Michael Rinde

13:08 Uhr
25.04.2022