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Ostkreis Nur zwei Könige pilgern zur Lindaukapelle
Landkreis Ostkreis Nur zwei Könige pilgern zur Lindaukapelle
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12:00 24.12.2021
Norbert Heiland hat einige alte Krippenfiguren renoviert, die nun in der Burgruine zu sehen sind.
Norbert Heiland hat einige alte Krippenfiguren renoviert, die nun in der Burgruine zu sehen sind. Quelle: Florian Lerchbacher
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Amöneburg

Ein Hauch von Amöneburg weht im Jubiläumsjahr der Stadt durch die Krippe, die Mitglieder des Heimat- und Verkehrsvereins im Keller der Burgruine aufgestellt haben. Zu sehen ist eigentlich das typische Weihnachtsbild – doch wer genau hinschaut, kann unmittelbar hinter der Heiligen Familie ein Bild des Amöneburger Marktplatzes entdecken.

Das Bild des Berges im Hintergrund ist derweil kaum zu übersehen. Außerdem haben die Vereinsmitglieder auf die andere Seite ihrer Krippe neuerdings auch noch die Kreuzigung dargestellt, die sie in einem Modell der Lindaukapelle untergebracht haben. So sei das Bild eigentlich erst richtig rund, sagt Vorsitzender Günter Graff: „Es reicht nun von der Geburt bis zur Kreuzigung.“

Norbert Heiland, Theo Jüngst und Edgar Lotz haben die Krippe im Keller der Ruine eingerichtet – Unterstützung bekamen sie dieses Mal von Freddy Greib von „Amöneburg 13Hundert“. Der Jubiläumsverein soll sich in Zukunft um die gute alte Tradition kümmern, verrät Graff und erklärt diesen Schritt lachend: „Wir können das irgendwann nicht mehr machen, wir sind schließlich alles uralte Männer.“

Doch diese „uralten Männer“ haben in diesem Jahr noch einmal dafür gesorgt, dass das Krippenbild eine Erweiterung erfährt. In einem Keller des Johanneshauses sei eine alte Krippe aus dem ehemaligen Schwesternhaus der Vinzentinerinnen aufgetaucht, berichtet Heiland. Der Küster habe ihn darauf aufmerksam gemacht – und da es sich um „wunderschöne Figuren“ handele, habe er sich ans Restaurieren gemacht. Manche brauchten nur etwas neue Farbe, manche mussten aber auch neue Hände oder Nasen aus Gips bekommen – kein Problem für einen Künstler wie Norbert Heiland, der sich beispielsweise auch schon um die Erstellung der Urkunden für Ehrenbürger oder die Gestaltung der Telekomkästen anlässlich des Stadtjubiläums gekümmert hatte. Unterstützung bekam er von Theo Jüngst, der vor Jahren den Stall gebaut hatte und dieses Mal das Modell der Lindaukapelle zurechtmachte – ebenfalls ein historisches Stück, da es anlässlich des 1250-jährigen Bestehens der Stadt gebaut worden war und dann in einer Scheune sein Dasein fristete.

Einer der Weisen ist verschwunden

Allerdings: Unter den neu hinzugefügten Figuren finden sich statt drei nur zwei der Könige, die durch den Stern von Bethlehem zu Jesus geführt wurden. Das liegt nicht etwa daran, dass die Amöneburger die Geschichte umschreiben wollen. Nein, einer der Weisen aus dem Morgenland war einfach nicht mehr aufzufinden. „Damit müssen wir leben“, nimmt Heiland es gelassen.

Die Krippe im Burgkeller ist bis zum 2. Februar 2022 zu sehen – also bis „Mariä Lichtmess“. Spätestens dann werden gemäß der Traditionen die Christbäume aus Kirchen und Stuben geräumt. Dieser christliche Feiertag ist das letzte Fest der Weihnachtszeit – und gleichzeitig auch ein Neubeginn, denn dann werden oftmals noch Kerzen in Lichterprozessionen für das neue Jahr geweiht.

Hintergrund ist ein jüdischer Brauch: Nach den Vorschriften des Alten Testaments galt eine Frau 40 Tage nach der Geburt eines Kindes als unrein. Danach musste sie ein Reinigungsopfer darbringen – und das machte eben einst auch Maria. Ein gesetzlicher Feiertag ist „Mariä Lichtmess“ allerdings schon lange nicht mehr. Die Bayern waren die letzten, die ihn abschafften – und das war bereits im Jahr 1912.

Von Florian Lerchbacher