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Ostkreis Kein Mittagessen mehr für die Schüler
Landkreis Ostkreis Kein Mittagessen mehr für die Schüler
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20:21 06.10.2020
Der Container an der Nordschule war einst für die Nachmittagsbetreuung gedacht, fungiert aber nun als Klassenraum. Als Essenssaal kommt er laut Kreis nicht mehr in Frage. Quelle: Florian Lerchbacher
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Stadtallendorf

Das eine Problem ist vom Tisch, schon steht das nächste vor der Tür: Erneut gibt es Unfrieden an der Stadtallendorfer Nordschule. Unmittelbar vor Beginn des neuen Schulkreises hatte der Landkreis Marburg-Biedenkopf beschlossen, das eigentlich für die Nachmittagsbetreuung gedachte Fertigbau-Modul (das viele Eltern an einen Container erinnert) zum Klassenraum umzufunktionieren und dort die dritte erste Klasse unterzubringen. Plan war, den Raum vormittags als Klassenraum und nachmittags für die Betreuung zu nutzen – allerdings müsse dann das eigentlich angebotene Mittagessen ausfallen, weil dort in Corona-Zeiten eine koordinierte Essenausgabe für alle Kinder nicht möglich sei, teilte der Kreis damals mit und bat Eltern, ihren Kindern Verpflegung mitzugeben.

Das jedoch bringt einen Vater auf die Palme, der seitdem versucht, ein Umdenken beim Kreis herbeizuführen: „Ich finde die Entscheidung fatal. Das ist eine bodenlose Frechheit. Ein Brot kann doch ein warmes Essen nicht ersetzen“, ärgert sich Mario Repka und ergänzt, die Begründung für das ausfallende Essen sei erstunken und erlogen. Die Leiterin der Betreuung habe ihm gegenüber gesagt, sie könne problemlos eine koordinierte Essensausgabe für die Grundschüler auf die Beine zu stellen (eine entsprechende Nachfrage dieser Zeitung beantwortete sie nicht, sondern verwies auf die Pressestelle des Kreises). Noch dazu gebe es im Obergeschoss der Betreuungseinrichtung ungenutzte Räume, die sich – wenn es im Fertigbau-Modul schon nicht möglich sei – für ein Mittagessen anböten, sagt Repka, der betont, dass ein gemeinsames Mittagessen große Bedeutung habe: Eine vernünftige Ernährung an einer Ganztagsschule sei unumgänglich. Noch dazu wolle er seinem Kind die Bedeutung der Gepflogenheiten eines gemeinsamen Mittagessens vorleben – und ein Brot könne ein warmes Essen nicht ersetzen.

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Außerdem könne er nicht nachvollziehen, wo in Sachen Corona-Schutz der Unterschied sei, wenn Kinder nebeneinander säßen und ein Brot oder eben ein warmes Essen zu sich nehmen. Vor allem nicht, wenn er sehe, dass die Kinder ohnehin den Tag über gemeinsam unterwegs seien oder spielten. Und auch an der Ankündigung des Landkreises, dem Kauf eines weiteren Fertigbau-Moduls als Essensraum, zweifelt er an. Er habe gehört, das solle bis Dezember geschehen – eine Sachbearbeiterin habe ihm gegenüber gesagt, dass sie an der Einhaltung dieses Zeitrahmens zweifele und eher mit längerer Wartezeit rechne.

Hygienevorgaben lassen ein Hin und Her nicht zu

Auf Nachfrage dieser Zeitung teilt der Kreis mit, dass eine Nutzung als Klassenraum (18 Kinder) und später als Essensraum nicht möglich sei. Das Modul sei als Klassenraum ausgestattet, in dem auch die Unterrichtsmaterialien der Kinder aufbewahrt werden. Noch dazu „befindet sich die Ausgabeküche in einem anderen Gebäude. Geschirr und Essen müssten also stetig hin- und her transportiert werden. Das aber lassen weder der organisatorische Ablauf noch die allgemeinen Hygieneregeln zu“, erklärt Pressesprecher Sascha Hörmann und ergänzt: „Hinzu kommen die aufgrund der Corona-Pandemie notwendigen, weitergehenden Hygienevorgaben. So etwa in Bezug zur Einhaltung der Abstände bei der Essensausgabe und dem Essen selbst, die aber in der aktuellen Einrichtung des Moduls so nicht einzuhalten wären.“ Auf den Unterschied zwischen dem Essen einer warmen Mahlzeit und eines Brotes geht der Landkreis nicht noch einmal ein, sondern erinnert noch einmal daran, dass ein Mittagessen nicht möglich sei: „Mit der aktuellen Ausstattung des Raumes lassen sich die notwendigen Abstände bei der Essensausgabe und dem Essen selbst nicht einhalten.“

Auf die Frage, ob ein gemeinsames Essen überhaupt ein zusätzliches Risiko darstelle, wenn doch – wie Repka sagt – 40 Kinder in der Betreuung zusammenkommen und teilweise auch ohne Abstand gemeinsam spielen, antwortet der Kreis: „Grundsätzlich ist jedes mögliche Risiko einer Infektion mit dem Corona-Virus zu vermeiden. Deshalb tragen die Kinder auch beim gemeinsamen Spielen eine Mund-Nasen-Bedeckung. Die Ausgabe des Essens und das gemeinsame Essen selbst erfordert die Einhaltung von Abständen, die im Klassenraum nicht eingehalten werden könnten.“

Eine weitere Aussage des Vaters wird indes vom Kreis unter- statt durchgestrichen: Der Dezember sei während des Vor-Ort-Termins sehr wohl als Termin für die Aufstellung eines weiteren Moduls genannt worden, sagt Hörmann: „Allerdings hat der Hersteller aufgrund der aktuellen Nachfrage derzeit Lieferzeiten von bis zu 20 Wochen. Daher ist aktuell davon auszugehen, dass eine Lieferung voraussichtlich erst im Januar/Februar 2021 erfolgen kann.“ Ob die drei Räume im Obergeschoss der „Betreuung“, also dem ehemaligen Forsthaus, zur Entlastung der Situation beitragen könnten, werde derzeit geprüft.

von Florian Lerchbacher