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Ostkreis A-49-Erde füllt alten Baggersee
Landkreis Ostkreis A-49-Erde füllt alten Baggersee
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15:58 13.01.2021
Der stillgelegte Kies-Tagebau bei Niederwald wird verfüllt – mit Erde, die einige Kilometer entfernt beim Bau der A 49 anfällt. Quelle: Foto: Tobias Hirsch
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Niederwald

Das Besondere daran: Das Erdreich stammt von einer der ersten A 49-Baustellen in der Region. Und es erfüllt sich ein Wunsch für viele Niederwälder Bürger, wie Gerhard Wiegand, der stellvertretende Ortsvorsteher, gegenüber der OP noch einmal deutlich machte.

Bisher läuft die Verfüllung der kleinen Seenfläche, die rechts der Kreisstraße aus Richtung Kirchhain liegt, offenbar problem- und wohl auch geräuschlos. „Ich muss halt mal hinter einem Lastwagen herfahren“, so eine Niederwälderin gegenüber der OP. Ansonsten habe man bisher keine Störungen erlebt.

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Ähnliches berichtet auch Wiegand, der es unter anderem begrüßt, dass keine Lastwagen mit Erdaushub durch den Ort fahren. Sie kommen über die Bundes- und die Kreisstraße auf das Gelände. Wobei ab Weihnachten und „zwischen den Jahren“ pausiert wurde. Das Verfüllen ist immer abhängig von der Witterung. Das teilte Birgit Kümmel, Pressesprecherin des Baukonzerns Strabag, der OP auf Anfrage mit.

Sollte sich das Wetter verschlechtern und zum Beispiel stärkerer Frost und starker Schneefall einsetzen, so hat das Einfluss auf Aushub und Abkippen.

Aktuell stammt die Erde, mit dem die frühere Kiesabbaufläche verfüllt wird, von einer der begonnenen Autobahnbaustellen im Landkreis. Sie liegt zwischen Neustadt und Momberg. Dort läuft derzeit der Erdaushub für „Bauwerk 120“, so die Strabag-Sprecherin. Hinter der Zahl verbirgt sich das Kreuzungsbauwerk der Autobahn mit der Kreisstraße 17. Im Moment wird dort zunächst nur Erdreich bewegt.

Im November hatte die Stadt Kirchhain ihre Gremien über die geplanten Verfüllungen informiert. Ganz neu war das Thema zu diesem Zeitpunkt ohnehin schon nicht mehr. Schon 2019, als noch nicht klar war, welches Unternehmen wie bei der öffentlich-privaten Partnerschaft zum Zuge kommt, waren solche Überlegungen bekannt geworden (die OP berichtete). Konkret ist geplant, bis zum Jahr 2022 täglich bis zu 2 000 Tonnen Boden in das große Wasserloch zu kippen. Bei den ersten Überlegungen im Jahr 2019 war sogar noch von deutlich größeren Erdmengen die Rede gewesen, nämlich von bis zu 3 000 Tonnen Boden.

Ob die jetzt angepeilte Zahl von täglich 2 000 Tonnen wirklich immer erreicht wird, hängt allerdings auch stets von der Witterung insbesondere während der Wintermonate ab. Darauf weist Strabag-Sprecherin Kümmel gegenüber der OP hin.

Ein Punkt hatte Kirchhainer Stadtverordnete seinerzeit besonders in Sorge versetzt, die Frage, ob möglicherweise belasteter Boden aus Zeiten der Allendorfer Sprengstoffproduktion auch im Baggersee landen könnte. In diesem Punkt beruhigt Birgit Kümmel auf Anfrage: Dieser angesprochene Boden werde dort nicht verfüllt.

Jeder Boden, der in den See geschüttet werden wird, soll vorher beprobt und freigegeben werden, versichert Strabag. Das gilt auch für das Erdreich, das derzeit von der Baustelle bei Neustadt herantransportiert wird.

Gerhard Wiegand verweist gegenüber dieser Zeitung klar auf schon lange bestehende Wünsche in seinem Ort: „Die Verfüllung von Seen haben wir schon immer gefordert.“ Das hatten die Bürger auch im Jahr 2014 in einer Fragebogenaktion des damaligen Ortsbeirates deutlich gemacht.

Seinerzeit ging es um Erweiterungspläne des Kieswerkes Herrmann. „Und eine Verfüllung ist eben nur mit Lkw möglich, Hauptsache, es passiert etwas“, sagt der stellvertretende Niederwälder Ortsvorsteher.

Beschwerden im Ort habe es bisher auch nur ganz wenige gegeben, die sich auf Dreck auf Fahrbahnen bezogen hätten. Strabag erklärt dazu, dass die Fahrbahn permanent gereinigt werde, dafür halte man zwei Kehrsaugwagen vor, nicht nur am See, sondern auch im Umfeld der Baustelle nahe Neustadt kämen die zum Einsatz.

Noch etwas gefällt Wiegand. Derzeit werde nahe eines Weges mit einem steilen Ufer verfüllt, das erhöhe die Sicherheit insbesondere für Kinder und sei auch ein klarer Wunsch des Ortsbeirates. „Das Ufer wird flacher und damit sicherer“, sagt Wiegand.

Von Michael Rinde