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Ostkreis Niederklein wäre zehn Monate abgetrennt
Landkreis Ostkreis Niederklein wäre zehn Monate abgetrennt
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09:40 01.03.2021
Das „Weiße Kreuz“ bei Niederklein wurde 1903 aufgestellt. Bei der Planung für ein Rückhaltebecken wurde es möglicherweise vergessen. 
Das „Weiße Kreuz“ bei Niederklein wurde 1903 aufgestellt. Bei der Planung für ein Rückhaltebecken wurde es möglicherweise vergessen.  Quelle: Michael Rinde
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Stadtallendorf

Mit Blick auf die mit schnellen Schritten näherkommenden Großbauprojekte A 49 und dem letzten Ausbauabschnitt der Bundesstraße 454 ist sich Bürgermeister Christian Somogyi (SPD) in einem Punkt ganz sicher: „Wir werden es nicht schaffen, dass am Ende alle zufrieden sein werden.“ Das gilt vor allem bei den drohenden Einschränkungen und Belastungen für die Stadtallendorfer in den nächsten Jahren. Auch wenn Somogyi erneut betont, dass die Stadt seit langem mit allen Beteiligten an beiden Projekten in engem Austausch steht.

Am Montagabend (22. Februar) informierte die Verwaltung gemeinsam mit Vertretern des Bauherrn und Betreibers, der A 49 Autobahngesellschaft, Magistrat und Stadtparlament über aktuelle Entwicklungen rund um den Autobahnbau – und über offene Fragen und Probleme. Somogyi gab einen Überblick aus Sicht der Stadt.

Somogyis Überblick aus Sicht der Stadt

Wegen eines Brückenbauwerkes, des Bauwerkes 7a, zwischen Niederklein und Stadtallendorf ist offenbar eine zehnmonatige Vollsperrung der Landesstraße 3290 in Planung. Genehmigen müsste das die Straßenbauverwaltung, also Hessen Mobil. Dort hat die Stadt inzwischen massive Bedenken angemeldet, vor allem was Feuerwehr und Rettungsdienst angeht.

In der Stellungnahme an die Behörde unterstreicht die Stadt, dass die Verbindung zu den beiden größten Stadtteilen für die Feuerwehr nicht gekappt werden darf. Einzige Option aus Sicht Stadtallendorfs: ein Feldweg aus Richtung Donaustraße bis zur Anschlussstelle an der Bundesstraße 62 bei Niederklein. Der Weg müsste dafür hergerichtet werden, was Breite und Kurvenbereich anginge.

Außerdem verweist Stadtallendorf auf die grundlegende Bedeutung dieser Verkehrsverbindung für Pendler. Pro Tag befahren laut einer von der Stadt in Auftrag gegebenen Verkehrsuntersuchung immerhin 7 650 Pkw und 890 Lastwagen das betroffene Gebiet. Das unterstreicht aus Sicht der Stadt, was eine lange Vollsperrung für Auswirkungen hätte. Abgeschnitten wäre damit auch der Pendlerverkehr aus dem Vogelsbergkreis. Pendler nach Stadtallendorf müssen sich auf weiträumige Umleitungen einstellen, wenn es denn so kommt, wie es jetzt im Raum steht.

Das „Weiße Kreuz“

Das historische Wegkreuz am Rande der L 3290 ist von gefällten Bäumen umgeben. Das „Weiße Kreuz“ stammt aus dem Jahr 1903, einst gestiftet von Pfarrer Nikolas Lammer. Auf ihm standen gestern wie so häufig zahlreiche Kerzen, das Wegkreuz ist in der Region von historischer Bedeutung. Nun liegt es offenbar genau im Gebiet eines geplanten und genehmigten Regenrückhaltebeckens, für das die Baumfällarbeiten in den vergangenen Monaten ebenfalls erfolgt sind.

„Offenbar ist dieses Wegkreuz bei der Planfeststellung vergessen worden“, hieß es in der Versammlung am Montagabend. Klar ist, dass das Wegkreuz nicht einfach abgerissen werden wird. Bürgermeister Somogyi berichtet von Gesprächen mit der Autobahngesellschaft und der katholischen Kirche. „Möglicherweise muss es versetzt werden“, so Somogyi. Ob sich die Planungen für das Rückhaltebecken noch anpassen ließen, ist vollkommen offen. Juergen Driebe, einer der Geschäftsführer der Strabag Infrastrukturprojekt GmbH, hielt dies am Montag für schwierig. Waldbesetzer hatten das Wegkreuz bei Niederklein während ihres Widerstandes den „Jesus Point“ genannt.

Auch eine positive Entwicklung

Es gibt aber auch positive Entwicklungen, nicht nur Probleme und Konflikte. Juergen Driebe und seine Kollegen berichteten am Montag (22. Februar) auch von Überlegungen, zusätzlichen Sichtschutz durch Erdwälle zu schaffen, und zwar an zwei Stellen: zum einen beim Gewerbegebiet Nordost in Nähe der vorgesehenen Autobahnauffahrt und schließlich auch autobahnnahe im Raum Erksdorf. Die Erdwälle haben für die Autobahngesellschaft natürlich den Vorteil, dass ausgehobene Erde nicht weiträumig abtransportiert werden muss. Für Anwohner entstünde zusätzlicher Sichtschutz. Somogyi verwendete die Formulierung „Win-win-Situation“ bei der etwa anderthalbstündigen Versammlung. Diese nichtöffentlichen Versammlungen für die Parlamentarier sollen eine feste Einrichtung bleiben. Die jüngste fand offenbar Anfang Dezember statt.

Kommt Betonwerk ins Zwischenlager?

Was wird mit dem geplanten mobilen Betonwerk? Beim BUND, Kreisverband Vogelsberg, wächst nach Hinweisen aus der Bevölkerung die Sorge, dass auf einer städtischen Fläche am Rande der geplanten Trasse schnell Tatsachen geschaffen werden sollen. Noch vor einigen Wochen hatte Bürgermeister Somogyi betont, dass es Anfragen, aber keine Fakten dazu gegeben habe. Am Montag erklärte er in der Versammlung, dass er auf Neuigkeiten warte und dass sich die Stadt mit einer Fläche für das Betonwerk beworben habe. Die Fläche befindet sich im früheren TNT-Zwischenlager an der Niederrheinischen Straße, wie die OP erfuhr. Der Kreis als Baubehörde bestätigte gestern der OP, dass es inzwischen eine Rodungsgenehmigung für eine Baustelleneinrichtung für die A 49 gibt. Bürgermeister Somogyi erneuerte gestern aber seine Aussage: „Es gibt von uns eine Absichtserklärung, aber noch keine schriftliche Rückmeldung darauf seitens der Bau-Arbeitsgemeinschaft für die A 49.“

Der BUND fürchtet konkret, dass artenschutzrechtliche Probleme an diesem Standort nicht korrekt abgearbeitet werden können. Außerdem hält der Umweltschutzverband eine solche Baustelleneinrichtung außerhalb des planfestgestellten Gebietes für die A 49 für nicht genehmigungsfähig. Alle Vorhaben, die im Zusammenhang mit der A 49 stehen, müssten gesammelt („konzentriert“) betrachtet und auf ihrer Auswirkungen geprüft werden, so die Botschaft des BUND.

Von Michael Rinde

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