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Ostkreis Neustädter gründen Stamm der Himmelsreiter
Landkreis Ostkreis Neustädter gründen Stamm der Himmelsreiter
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18:00 14.09.2020
Merve Hamel (rechts) begrüßt während der Gründungsveranstaltung der Pfadfindergruppe „Himmelsreiter“ in Neustadt die Gäste. Quelle: Thorsten Richter
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Neustadt

Ist das Hobby „Pfadfinder“ in einer schnelllebigen Zeit wie dieser überhaupt noch interessant für Kinder und Jugendliche? In Neustadt kann diese Frage mit einem eindeutigen „Ja“ beantwortet werden. Seit rund einem Jahr gibt es dort als Teil des Bürgervereins eine eigene Ortsgruppe der Freien Pfadfinderschaft Kreuzritter – und diese erfreut sich immer größerer Beliebtheit.

Inzwischen machen mehr als 40 Kinder und Jugendliche mit. Es gibt vier Gruppen: Zwei für Wölflinge (also Sieben- bis Elfjährige) sowie jeweils eine Mädchen- und eine Jungen-„Sippe“ für Jugendliche im Alter von elf bis 17 Jahren. Mit so vielen Mitgliedern habe sie so schnell nicht gerechnet, gibt „Stammesfeldmeisterin“ (also sozusagen Neustadts höchste Pfadfinderin) Merve Hamel zu.

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Die Besonderheit: Dadurch, dass die Neustädter inzwischen Gruppen für unterschiedliche Altersstufen anbieten können, dürfen sie ihren eigenen Stamm gründen, der auch eine eigene Fahne hat. Eine feierliche Zeremonie auf dem Gelände des Schäferhundevereins, an der mehr als 120 Gäste teilnahmen – natürlich stets unter Einhaltung der Corona-Sicherheitsrichtlinien.

Die Neustädter entschieden sich, ihren Stamm „Himmelsreiter“ zu nennen. Auf ihrer Fahne ist ein Reiter zu sehen, der unter (in Form des Junker-Hansen-Turms angeordneten) Sternen auf seinem Pferd hinweggaloppiert. „Die Sterne sind uns wichtig“, sagt Hamel und erklärt: „Sie wecken die Sehnsucht. Außerdem drehen sich viele unserer Lieder um Sterne, beispielsweise um das Wandern oder das Zelten unter dem Sternenhimmel.“ Dazu passt auch einer der Leitsprüche, an denen sich die Pfadfinder in Neustadt orientieren: „Ideale sind wie Sterne: Man kann sie nicht erreichen, aber man kann sich an ihnen orientieren.“ Und auch das Stammeslied, ein umgedichtetes Pfadfinderlied, dreht sich ums Thema: Es heißt „Ritt der Himmelsreiter“.

Die Gründungszeremonie war eine interne Veranstaltung der „Himmelsreiter“, die dazu die Ortsgruppen aus Marburg und Frankfurt eingeladen hatten. Auf der Nellenburg entzündeten sie dafür ein Feuer, entrollten die Fahnen und nahmen sogleich noch drei Pfadfinder und acht Wölflinge im Stamm auf – allesamt junge Neustädter, die von Anfang an in Neustadt dabei sind.

Der Kontakt zur Natur steht bei den Pfadfindern im Mittelpunkt. Die Pfadfinderpädagogik ist, so betonen die Neustädter, Grundlage der modernen Erlebnispädagogik: Sie nutzt Gruppen-Erfahrungen in der Natur, um die Persönlichkeit der Kinder und Jugendlichen und ihre sozialen Kompetenzen zu entwickeln.

Dabei werden auch praktische, pfadfindertechnische Fähigkeiten vermittelt, wie der Aufbau von Zelten, das Knoten von Seilen, das Feuermachen und vieles mehr. „Es geht uns um die Verbundenheit zur Natur. Man lernt bei uns sehr, sehr viel, denn es ist wichtig, schon früh die Natur zu schützen und wertzuschätzen“, sagt Hamel und ergänzt: „Wir bieten einen Kontrast zur Überflussgesellschaft und lernen, dass man etwas selber machen muss, damit es funktioniert.“

Es sei einfach, sich Essen von den Eltern vorsetzen zu lassen – aber eben viel aufwendiger, es selber zu machen. Ohne moderne Küche gelte es beispielsweise, zunächst Material für ein Feuer zu sammeln, dieses zu entfachen und dann erst die vorbereiteten Nahrungsmittel zuzubereiten. Außerdem sei es interessant, auch nur mit wenig klarzukommen: beispielsweise nur mit dem, was in den Rucksack passt. „So lernt man das, was man zu Hause hat, erst richtig zu schätzen“, betont Hamel und freut sich: „Aber es funktioniert. Die Kinder sind glücklich.“

Nach der internen Veranstaltung fand noch ein offizieller Festakt mit rund 120 Gästen statt, um dessen Ausrichtung sich vornehmlich die Pfadfinder kümmerten. Auch die Wölflinge hätten mit angepackt, berichtet Hamel und erzählt, dass so mancher Elternteil verwundert dreingeschaut habe, wie selbstständig und engagiert das eigene Kind bei den Vorbereitungen mitgeholfen habe: „Ich glaube, so mancher wünschte sich, dass sein Kind auch zu Hause so fleißig hilft“, sagte Hamel lachend.

Diese Zeremonie beinhaltete Reden von Bürgermeister Thomas Groll, Bürgervereinsvorsitzendem Dieter Trümpert, Hamel selbst und Bundesfeldmeister „Kuhman“ Sebastian Gentili, der unter anderem erklärte, was er als Pfadfinder für sein späteres Leben gelernt habe: Organisationsfähigkeit, Disziplin, aber auch modernes Management und Führungsfähigkeiten. Bei den Pfadfindern sollen die Jugendlichen schließlich nicht nur teilnehmen, sondern selber auch organisieren. So gibt es neben den Gruppenführern Jasmin „Raupe“ Ziegler und Leonard Böttcher, die ebenso wie Hamel aus Marburg nach Neustadt wechselten, noch Sarah Ebermann und Jonathan Kuhn: zwei Gründungsmitglieder, die sich sozusagen zu „Kornetts“ ausbilden lassen und für die Gruppenstunden ihrer Altersstufe ebenfalls bereits Aktionen zu bestimmten Themen vorbereiten.

Gentili bezeichnete die Gründung der „Himmelsreiter“ als einen Meilenstein der Pfadfindergeschichte. Die erst relativ junge Ortsgruppe sei in so kurzer Zeit bereits größer als die schon lange bestehenden Ortsgruppen in Frankfurt und Marburg, stellte er heraus.

Die Wölflinge treffen sich freitags von 15.30 bis 17 Uhr, die Pfadfinder von 17.15 bis 19 Uhr. Insbesondere in der Jugendgruppe sind noch Plätze frei.

Kontakt

Weitere Informationen erteilt Merve Hamel unter Telefon 01 52 / 33 76 64 82 oder per E-Mail an merve@fpkreuzritter.de. Zudem stellen sich die „Himmelsreiter“ vor auf der Homepage des Bürgerverein Neustadt.  

Von Florian Lerchbacher