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Ostkreis Profimaler arbeiten auch bei Regen weiter
Landkreis Ostkreis Profimaler arbeiten auch bei Regen weiter
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13:58 30.08.2021
Susanne Dieper malte eine nachdenkliche junge Frau und einen sich auflösenden Vogel.
Susanne Dieper malte eine nachdenkliche junge Frau und einen sich auflösenden Vogel. Quelle: Foto: Michael Rinde
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Neustadt

Sie haben sich nicht vom Dauerregen entmutigen lassen, weder die gekommenen sieben professionellen Straßenmaler noch der Neustädter Arbeitskreis Straßenmalerfestival. In der Allee am Rande des Neustädter Bürgerparks malten die Künstler unentwegt am Samstag wie am Sonntag an ihren ganz unterschiedlichen, durchweg sehr kreativen Bildern. Gestern war das nur unter dem Schutz von Pavillons und kleinen Zelten noch möglich. „Aber die Bilder bleiben ja noch eine Weile, sie werden ja am Schluss fixiert“, sagt die Duisburger Straßenmalerin Marion Ruthardt. Sie malt auf der ganzen Welt. Sei es in Florida, sei es in Moskau oder Bangkok oder eben im hessischen Neustadt.

Angelika Richter ließ einen kleinen Koalabären die anscheinend glühende Weltkugel umarmen. So manifestierte sie die Folgen des Klimawandels sehr eindringlich.

Versteigerung für einen guten Zweck

So hält es auch der Italiener Michele Buscio, ein Weltenbummler, der im Odenwald lebt. Er arbeitete an diesem Wochenende zweidimensional, schuf einen Eisberg. „Wer weiß, vielleicht ist das der letzte, den manche von uns sehen“, sagt er nachdenklich. Biodiversität, Klima, Umweltschutz. Das waren die Oberbegriffe bei diesem zwölften Straßenmalerfestival, das nach einem Jahr Corona-Zwangspause wieder stattfand, wenn auch anders als in den Vorjahren. Der Arbeitskreis hatte mit Blick auf die Pandemie und die Auflagen für Veranstaltungen rein auf Profimaler gesetzt und den Ort gewechselt (die OP berichtete).

„Der Besuch war natürlich nur sehr gering angesichts des Wetters“, sagt Arbeitskreis-Vorsitzende Roswitha Trümpert. Doch der Arbeitskreis und die Künstler hätten das Straßenmalerfestival in jedem Fall veranstalten und nicht aufgeben wollen. „Natürlich haben wir wieder einiges dazugelernt, schließlich hatten wir solche Wetterbedingungen auch noch nicht“, ergänzt Trümpert.

Die Stimmung unter dem Festivalteam war trotzdem gut. Immer wieder blieben auch einzelne Besucher an einem Pavillon und bei den weiterhin malenden und teils dick angezogenen Straßenmalern stehen und ließen sich die Werke erklären.

Susanne Dieper stammt ebenso wie Teilnehmer Stefan Pollack aus Neustadt. Dieper malte eine sehr nachdenkliche junge, strahlende Frau fast in Neofarben. Auf dem Finger der Frau sitzt ein kleiner Vogel, der bewusst unfertig aussieht, so, als ob er sich auflöst. „Mir geht es darum zu zeigen, dass wir das wohl bald so nicht mehr erleben werden“, sagt Dieper.

Gleich neben ihr arbeitet Pollack. Er nennt sein Bild „Naturkatastrophe“, zwei „Menschen“ kämpfen in einem Boot mit den Wellen. Pollack sammelte während des Wochenendes Spenden für die Flutopfer im Ahrtal.

Das Straßenmalerfestival läuft virtuell noch weiter, zumindest ein Teil davon. Alle fertigen Bilder werden fotografiert und dann für einen guten Zweck versteigert, wie Trümpert erläutert.

Die Versteigerung läuft jetzt noch bis nächsten Sonntag über die Internetseite www.strassenmaler-neustadt.de. Alle Einnahmen aus der Spendenaktion gehen an das Kinderhospiz Gießen-Marburg. Es gab bereits Anfragen von Interessierten, die mitsteigern werden. Alle Bilder werden auf Leinwand gezogen.

Die Idee, Kinder und Jugendliche virtuell über die Internetseite in das Festival einzubinden, hat sich leider nicht verwirklichen lassen. Lediglich ein großes Bild aus der Klinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie (Station A) wurde hochgeladen. Ihnen hatte Trümpert noch die nötige Ausstattung nach Marburg gebracht. „Für viele Kinder war wohl die fehlende Ausstattung ein Problem“, merkt die Arbeitskreisvorsitzende an.

Bei den teilnehmenden Künstlern war gestern schon bei vielen klar, dass sie im nächsten Jahr wieder dabei sein werden. Der Arbeitskreis plant schon intensiv an der Neuauflage 2022.

Von Michael Rinde

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