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Ostkreis Wer braucht schon Picasso?
Landkreis Ostkreis Wer braucht schon Picasso?
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12:59 26.06.2022
Große Kunst erfordert hohe Konzentration – vor allem, wenn man den Junker-Hansen-Turm mit all seinen Details zeichnet. 
Große Kunst erfordert hohe Konzentration – vor allem, wenn man den Junker-Hansen-Turm mit all seinen Details zeichnet.  Quelle: Florian Lerchbacher
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Neustadt

„Der Kopf des Junkers als Turm. Das ist ja fabelhaft. Auf so Ideen kommen auch nur Kinder. Herrlich!“ Die Verzückung war groß, als Hans Schohl die Bilder betrachtete, die rund 25 Neustädter Kinder für sein Kunstprojekt gezeichnet hatten. Der Anzefahrer Künstler will eine Skulptur für das neue Kultur- und Bürgerhaus erstellen (die OP berichtete). Er plant, aus 20 Millimeter dickem Stahl 1 bis 1,80 Meter große Figuren auszuschneiden beziehungsweise von Profis ausschneiden zu lassen. Genauer gesagt: Das Kunstwerk soll in Anlehnung an eine Sage den Junker Hans zeigen, wie er auf einem Ziegenbock anstatt am Junker-Hansen-Turm das Kultur- und Bürgerzentrum hochreitet und dabei von einer Menschenmenge samt einiger Tiere beobachtet wird.

Die Vorlagen sollen Kinder liefern, die dafür auf einer speziellen Folie die verschiedenen Motive zeichneten – und weil die Bilder darauf auch ertastbar sind, ließ Schohl die Jungen und Mädchen (und auch mehrere neugierige Eltern sowie Bürgermeister Thomas Groll) zwischenzeitlich sogar mit verbundenen Augen malen. Letzteres kam im Gegensatz zum Gesamtprojekt bei den kleinen Künstlerinnen und Künstlern nicht so richtig gut an: Kimberly rümpfte darauf angesprochen nur die Nase – und auch Frieda war nicht wirklich erfreut. „Das ist doof. Dann passiert das hier“, ärgerte sie sich und zeigte auf die Spitze ihres zweiten Junker-Hansen-Turms, die schräg auf dem Bauwerk sitzt. „Ich wollte doch nicht den Schiefen Turm von Pisa malen“, sagte sie – hatte aber gleichzeitig riesigen Spaß daran, Papa Stefan Dippel zu beobachten, wie er mit verbundenen Augen einen Ziegenbock malte.

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Kinder können Stadt mitgestalten

„Ich finde es schön, dass ein solches Projekt angeboten wird“, lobte der Momberger. Es sei gut, dass die Kinder so quasi in die Entwicklung ihrer Stadt eingebunden werden beziehungsweise teilhaben dürfen: „Es ist dann ihr Kunstwerk, dass die Identifikation mit der Kunst und dem Gebäude steigert.“ Gleichzeitig sei es aber auch nicht als „Kinderkunst“ zu bezeichnen, sondern eher als durch Kinder inspirierte Kunst, da Schohl ja noch eine Auswahl der Motive treffen und Kleinigkeiten überarbeiten werde.

Ähnlich begeistert ist Roswitha Trümpert, die auch Vorsitzende des Arbeitskreises ist, der die beliebten Straßenmalerfestivals ausrichtet: „Das ist etwas Besonderes, etwas Einzigartiges – das schön verknüpft wird mit der Geschichte der Stadt. Ich finde das Projekt sehr gut“, lobte sie – und berichtete, sich auch am Malen mit verbundenen Augen versucht zu haben: „Man malt so ein bisschen wie ein Kind – aber wenn man beide Hände nutzt und die Linien ertastet, dann kriegt man es sogar hin.“

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Wer nun neugierig geworden ist: Am 1. und 2. Juli sind weitere Zeichenaktionen geplant. Eigentlich sind Kinder im Alter von drei bis zwölf Jahren aufgerufen, dann im Familienzentrum im Kultur- und Bürgerzentrum ihre Version des Junkers auf dem Ziegenbock und der zuschauenden Menschen und Tiere zu zeichnen – aber auch alle anderen Interessierten dürfen sich daran versuchen.

Danach ist dann Schohl an der Reihe: Er muss Zeichnungen auswählen und so übertragen und modifizieren, dass sie sich aus Stahl ausschneiden lassen – und danach auch stabil sind, um eine gewisse Windlast (oder auch Rütteln) auszuhalten. Eine Aufgabe, der er mit einem lachenden und einem weinenden Auge entgegenblickt, schließlich kann er aus all den schönen Vorlagen ja nur einen Junker und einen Ziegenbock auswählen. Bei den anderen Motiven wird die Qual der Wahl aber zum Glück geringer sein.

Von Florian Lerchbacher

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