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Ostkreis Besetzer geben ihren Protest nicht auf
Landkreis Ostkreis Besetzer geben ihren Protest nicht auf
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19:12 04.01.2021
Mit diesem Schriftzug machen A-49-Gegner deutlich, dass der Protest weitergehen wird. Quelle: Michael Rinde
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Niederklein

Unweit der Kirschbrücke zwischen Niederklein und Lehrbach geht es etwas steiler in den Herrenwald hinein. Dort überbrückt seit einigen Tagen eine neue Traverse die A-49-Trasse. Schon von Weitem ist der „Danni lebt“-Schriftzug sichtbar. Gleich darunter, direkt am Waldrand und an aufgeschichtetem Astwerk, stehen einige Zelte. Die seien um den 31. Dezember herum hinzugekommen, berichtete am Montag, 4. Januar, „Muffin“. Sie ist eine der Bewohner des neuen Camps „Liv“. Das ist seit dem 31. Dezember entstanden.

Auf dem Weg zum Camp stehen mehrere Barrikaden auf den Wegen und Rückegassen. Die seien am Montagmorgen mit einer Waldmaschine beseitigt worden. „Und in wenigen Stunden waren sie wieder da“, berichtet A-49-Gegner Jürgen.

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Um ein kleines Lagerfeuer herum hockten am Montag mehrere Camp-Bewohner, um sich zu wärmen. Zwei Plattformen nahe der Traverse sind entstanden, überdacht von Zelten. Am Boden verteilen sich die kleinen Zelte bis in die aufgeschichteten Bäume und Asthaufen. Die haben die Autobahngegner teilweise auch als Material für ihre Barrikaden benutzt. Und auch als Brennholz.

Im neuen Camp „Liv“ geht es international zu. Eine Gruppe Umweltaktivisten aus Spanien unterstützt die Waldbewohner. Nur wenige von ihnen seien schon bei Besetzung und Räumung des Dannenröder Forstes, also des „Danni“, dabei gewesen, berichtet die junge „Muffin“. „Nach zweieinhalb Monaten brauchten die auch die Pause“, so ihr Statement. Aber es gebe genügend, die weiter Widerstand gegen die A49 leisten wollten. Das werde auch bis 2024 so bleiben. Im Oktober soll, so die derzeitige Planung, die Neubaustrecke von Schwalmstadt bis Gemünden (Felda) an der A5 für den Verkehr freigegeben werden.

Einiges erinnerte am 4. Januar an die großen Camps im Dannenröder Forst und vereinzelt auch im Herrenwald vor der Räumung. Bis hin zu den an der Luft gemeinsam gesungenen Liedern. „Power to the people“, ein Song, der während der Waldbesetzung ständig zu hören war.

Polizei findet zwei Nagelbretter

Ihnen sei bewusst, dass die Polizei nicht lange warten werde mit einer Räumung, so Muffin und Jürgen. Das hätten ihnen auch einige der Beamten der Polizei schon zu verstehen gegeben bei ihren täglichen Besuchen im Camp. Darauf hätten sie sich alle eingestellt. Für diesen Fall stellte Muffin am Montagvormittag bereits klar, dass es andere Stellen im Herrenwald gebe, an denen die Besetzer Camps aufbauen wollten zu gegebener Zeit.

Schon am Nachmittag des 4. Januar gab es eine Art Vorspiel. Polizeibeamte kamen und nahmen ein Zelt mit. Wie die Polizei berichtet, wurden auch Kochgeschirr und Übernachtungsutensilien beschlagnahmt. Außerdem fand die Polizei nach Angaben von Sprecher Jörg Reinemer einen unbekannten Brandsatz. Man sei sicher, dass es sich um einen Molotowcocktail handele, schrieb Reinemer in einer Pressemitteilung. Die Untersuchungen dauerten an. Auf dem Weg zu dem Camp stellte die Polizei außerdem zwei in den Boden eingelassene Nagelbretter sicher. Zum Glück sei niemand hineingetreten.

Was die beiden neuen Plattformen angeht, will die Polizei aber zunächst auf Gespräche setzen. „Wir werden das Geschehen dort genau beobachten“, erklärt Jörg Reinemer, Sprecher des Polizeipräsidiums Mittelhessen. Er kündigte jedoch auch an, dass die Polizei konsequent gegen Störungen vorgehen werde.

Warum rückt der Herrenwald jetzt wieder in den Fokus der Waldbesetzer? Sie hätten sich bei der Planung ganz bewusst für den Herrenwald entschieden. Im Dannenröder Wald sei ein großer Teil der freigeräumten Trasse eingezäunt und mit Nato-Draht gesichert. Man wolle weder den Zaun beschädigen, noch sich verletzen, erklärt Muffin im Gespräch mit der OP.

Im Logistikzentrum am Rande von Dannenrod sind nach wie vor Polizeikräfte vor Ort. Nach Ende der Räumung im Dannenröder Forst hatte die Polizei die Zahl der Beamten naturgemäß drastisch reduziert. In der Hochphase der Rodungsphase waren täglich bis zu 2000 Beamte im Einsatz.

Worum geht es den Ausbaugegnern mit ihrer neuerlichen Aktion? „Wir wollen vor allem zeigen, dass der Protest weitergeht“, antwortet Muffin ohne langes Überlegen. Das freue auch andere Teile des A-49-Widerstands etwa auch in den Dörfern. „Und es kommen viele neue Menschen hierher“, so die Umweltaktivistin. Nicht geändert haben sich die Ziele: Verkehrswende und Grundwasserschutz vor einer Autobahn mit ihren Risiken aus Sicht der A-49-Gegner.

Von Michael Rinde

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