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Ostkreis Neues Gutachten und alte Sorgen
Landkreis Ostkreis Neues Gutachten und alte Sorgen
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21:06 29.09.2020
Der ZMW will seine neue Verbindungsleitung, hier ein Archivfoto von den Bauarbeiten auf Bundeswehrgelände, in den nächsten Wochen in Betrieb nehmen. Quelle: Foto: Thorsten Richter
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Stadtallendorf

Alles in Ordnung in Sachen EU-Wasserrahmenrichtlinie und den Planungen für die A 49 zwischen Stadtallendorf und Gemünden (Felda). Zu diesem Ergebnis kommt ein nachträglich erstellter „Fachbeitrag zur Wasserrahmenrichtlinie“. Das Gutachten stammt vom Aachener Büro „ahu“, das die Begebenheiten im Raum Stadtallendorf kennt und unter anderem auch schon die Altlastensanierer der HIM GmbH und den Zweckverband Mittelhessische Wasserwerke (ZMW) in der Vergangenheit beriet. Auftraggeber ist die Bund-Länder-Gesellschaft Deges. Sie bereitet den A-49-Weiterbau von Schwalmstadt bis Gemünden vor.

Rein rechtlich gesehen ist das Ergebnis dieses Gutachtens von keinem Belang mehr. Letztlich ist es eine freiwillige Leistung, die das Land Hessen in Auftrag gegeben hatte. Das Land hatte das Gutachten zugesagt, nachdem das Bundesverwaltungsgericht in Leipzig festgestellt hatte, dass es bei aktuelleren Planungen zwingend erforderlich ist. Die Vorgabe für ein solches Fachgutachten existiert seit fünf Jahren, das Baurecht für die A 49 besteht schon länger. Seinerzeit berücksichtigte die Planung, der zahlreiche Fachgutachten auch rund um den Grundwasserschutz zugrunde lagen, dass 2012 gültige Wasserrecht. Gerade die Angst um die großen mittelhessischen Trinkwasservorkommen treibt Autobahngegner um, aber auch den hiesigen Wasserversorger ZMW.

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Laut Deges und dem knapp 80-seitigen Gutachten sind alle Vorgaben der sehr weitreichenden EU-Wasserrahmenrichtlinie erfüllt. Das gelte sowohl für die Bauzeit, die bis zum Jahr 2024 dauern soll, als auch für den späteren Betrieb und den Schutz von Grundwasser und Trinkwasser, betont Deges in einer Pressemitteilung.

Den jetzt vorliegenden Fachbeitrag zur EU-Wasserrahmenrichtlinie und A 49 kennt Karl-Heinz Schäfer, Geschäftsführer des ZMW, noch nicht. Deshalb will er ihn inhaltlich auch nicht bewerten. Er verweist im Gespräch mit der OP allerdings darauf, dass das Gutachterbüro die Begebenheiten rund um Wasserversorgung und Grundwassersituation bereits seit Längerem kenne.

Zweckverband schaut sehr genau auf Bauarbeiten

Der ZMW, der rund eine halbe Million Menschen in der Region mit Trinkwasser versorgt, hatte die jetzige A-49-Trasse als Wasserversorger stets kritisch gesehen. „Wir halten sie aus unserer Sicht nicht für die Beste“, sagt Schäfer immer noch. Aber als kommunaler Verband respektiere der ZMW natürlich die demokratischen Spielregeln, die Beschlüsse des Bundestags ebenso wie die Urteile des Bundesverwaltungsgerichts. „Wir machen das Beste aus dieser Situation“, betont Schäfer.

Er sieht den Zweckverband inzwischen gut vorbereitet auf den bald beginnenden Bau der A 49. Im Planfeststellungsbeschluss (dem Baurecht) stünden zahlreiche, sehr weitgehende Auflagen allein für den Bau. „Und Deges hat ihrem Auftragnehmer, dem privaten Partner, zahlreiche weitergehende vom ZMW geforderte Vorgaben in den Vertrag geschrieben. Wir werden als Verband sehr, sehr genau hinschauen, dass das auch alles eingehalten wird“, sagt Schäfer.

Im Notfall auch zur Klage bereit

Die Bund-Länder-Gesellschaft Deges ist für die Bauvorbereitung bei der A 49 verantwortlich und hat auch den privaten Partner, eine Tochtergesellschaft des Baukonzerns Strabag, nach einer Ausschreibung ausgewählt. Die Autobahn 49 wird im Zuge einer öffentlich-privaten Partnerschaft weitergebaut.

Auch auf Notfälle sieht sich der Geschäftsführer den ZMW im Rahmen des Möglichen vorbereitet. Zwei neue Brunnen wurden bereits fertiggestellt, ein weiterer geht in diesen Wochen ans Netz. Sie sind ein Puffer für den Fall der Fälle, nämlich, wenn es doch Probleme in den Grundwasserleitern gibt. Etwa, wenn Brückenbauarbeiten doch empfindliche Grundwasserverläufe berühren und stören. „Wir haben ausdrücklich alles getan, um die Trinkwasserversorgung zu schützen und zu sichern“, betont Schäfer gleich mehrfach. Der Verband hat neben den Arbeiten an den neuen Brunnen und der Sanierung vorhandener Brunnen auch die Verbindungsleitung zwischen allen Brunnen im Neubau, der in den nächsten Wochen fertiggestellt werden soll, so der ZMW. Den Bau dieser Leitung hatte dieser Verband vorgezogen, Deges beteiligt sich an den Kosten (die OP berichtete mehrfach).

Und dennoch bleibt bei ZMW-Geschäftsführer Schäfer Unruhe. Er vergleicht die anstehenden A-49-Bauarbeiten mit einer offenen Wunde, einer „Operation am offenen Herzen“. Die Grundwasservorkommen lägen in unterschiedlichen Tiefen. „Und selbst Fachleute können nicht mit letzter Sicherheit vorhersagen, was passiert, sollte ein solcher Grundwasserstock während der Bauarbeiten getroffen werden“, erklärt der ZMW-Chef sein Bild der offenen Wunde genauer. Der ZMW werde sich auch nicht scheuen, gerichtlich gegen den A-49-Bau vorzugehen, sollte es durch Bauarbeiten doch zu Problemen beim Grundwasser kommen. „Dann werden wir im Notfall alles tun, um den Bau zu stoppen“, verspricht Schäfer.

Von Michael Rinde