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Ostkreis Neuer Imam will den Austausch fördern
Landkreis Ostkreis Neuer Imam will den Austausch fördern
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10:58 18.04.2021
Feyzullah Tasci ist Stadtallendorfs neuer Imam.
Feyzullah Tasci ist Stadtallendorfs neuer Imam. Quelle: Florian Lerchbacher
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Stadtallendorf

„Er hat eine tolle Stimme“, schwärmt Erkan Erdogan, Vorstandsmitglied des Stadtallendorfer Moschee-Vereins, während Feyzullah Tasci – der neue Imam – in der Fatih-Moschee den Gebetsruf singt. Tasci stammt aus Mardin in der Türkei. Stadtallendorf erinnere ihn ein wenig an seine Heimatstadt in Südostanatolien, die nicht weit von Syrien und dem Irak entfernt liegt, denn dort lebten Menschen dreier unterschiedlicher Religionen und es werden sieben verschiedene Sprachen gesprochen.

Die Gemeinsamkeiten mit der Multikulti-Stadt Stadtallendorf seien also unverkennbar, lässt Tasci wissen: „Es ist ein bisschen wie zu Hause.“ Der 35-Jährige hatte einst in der Türkei studiert: Er absolvierte ein Studium, das speziell für Menschen ausgelegt ist, die Imam werden wollen – und das bald auch in Deutschland angeboten werden soll, wie er erklärt. Anschließend war er im Jahr 2015 für kurze Zeit in Kazan – einer Stadtgemeinde in der Provinz Ankara – als Imam tätig. Von 2017 bis 2019 folgte eine Zeit in Duisburg, danach ging es nach Wächtersbach und nun eben nach Stadtallendorf, wo er dreieinhalb Jahre tätig sein wird – und dabei auch noch seinen Master macht.

Wie der Vater und der Großvater

Sein beruflicher Werdegang sei durchaus familiär vorgeprägt, gibt er zu: Vater, Großvater – alles Imame, berichtet er, stellt aber gleichzeitig heraus, dass er mit seiner Ausbildung auch als Lehrer oder an einer Universität tätig sein könnte.

„Ich bin mit meiner Religion aufgewachsen und habe mich damit immer wohlgefühlt. Imam zu sein, bedeutet für mich, einen Beruf zu haben, aber gleichzeitig auch meine Religion zu leben“, erklärt Tasci – der übrigens das coronabedingte Einlass- beziehungsweise Registrierungskonzept für die Moschee aus Wächtersbach mitbrachte (die OP berichtete).

Pandemie macht es schwerer

Apropos Corona: Die Pandemie mache es ihm schwer, Stadtallendorfs Moslems besser kennenzulernen. Gemeinschaft beziehungsweise Geselligkeit seien ein wichtiger Teil des islamischen Glaubens: Besonders beim Freitagsgebet gehöre es eigentlich dazu, zusammenzukommen und nicht nur gemeinsam zu beten, sondern sich auszutauschen und das Gefühl der Zusammengehörigkeit zu pflegen.

Doch Corona mache eben genau diesem Punkt an vielen Stellen einen Strich durch die Rechnung. Trotzdem fühle er sich in der Stadt und im Umgang mit den Gläubigen bereits sehr wohl.

Zusammenarbeit mit der Stadt

Außerdem lobt der neue Imam die Nähe zur Stadt beziehungsweise ihrer Verwaltung. Als Ziele gibt er aus, nicht nur dafür zu sorgen, dass die Gemeinde wieder näher zusammenrückt, sondern insbesondere islamische Kinder und Jugendliche den Kontakt zu Andersgläubigen ihres Alters pflegen und sich mit ihnen austauschen. Das sei schließlich insbesondere in einer Multikulti-Stadt wie Stadtallendorf wichtig – und habe bereits in Wächtersbach einen zentralen Aspekt seiner Arbeit als Imam ausgemacht.

Aus diesem Grund liege ihm viel an einer Zusammenarbeit zum einen mit der Stadt an sich, zum anderen aber auch mit dem Verein Jumpers, der in der ehemaligen Herrenwaldkirche das Kinder- und Familienzentrum „ConAct“ betreibt. Tasci selber ist verheiratet und hat zwei Kinder.

Von Florian Lerchbacher