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Ostkreis Neue Sicherheitstechnik für altes Stellwerk
Landkreis Ostkreis Neue Sicherheitstechnik für altes Stellwerk
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00:17 18.01.2019
Das Stellwerk „Stadtallendorf Af“ im Bahnhof bekommt zusätz­liche Sicherheitstechnik. Foto: Michael Rinde
Das Stellwerk „Stadtallendorf Af“ im Bahnhof bekommt zusätz­liche Sicherheitstechnik. Quelle: Michael Rinde
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Stadtallendorf

Moderne Technik soll zukünftig verhindern, dass Züge auf Bahnhofsgleisen einfahren, auf denen ­bereits Züge stehen. Das hat ­bereits zu schweren Unglücken geführt, beispielsweise in Meerbusch in Nordrhein-Westfalen im Dezember 2017. Dort prallte ein Regionalzug auf einen stehenden Güterzug, es gab zahlreiche Verletzte.

In Bad Aibling lenkte ein mit dem Handy spielender Fahrdienstleiter einen Zug auf ein bereits belegtes Gleis. Mit verheerenden Folgen. Allein bei diesem Unglück starben zwölf Menschen im Jahr 2016.

Mit der neuen Technik soll jetzt genau so etwas verhindert werden. 600 Stellwerke will die Bahn in dennächsten vier Jahren damit nachrüsten. Bei zwei Stellwerken wird die Technik bereits eingebaut. Die Stellwerke in Kerken-Nieukerk an der Strecke Köln-Kleve und im oberbayerischen Utting gehen in Kürze mit den neuen Gleisfreimeldeanlagen in Betrieb. An ihnen will die Bahn zunächst den Praxistest vornehmen.

Zeitplan für Umbau noch nicht bekannt

Die Anlagen registrieren, wenn auf einem vom Fahrdienstleiter zugewiesenen Gleis noch ein Zug steht oder fährt – und stoppen den anderen Zug im Notfall. Noch in diesem Jahr sollen, so berichtet die Deutsche Presseagentur (dpa), bundesweit 50 weitere Stellwerke nachgerüstet werden.

Darunter befindet sich auch das Stellwerk im Stadtallendorfer Bahnhof, wie ein Bahnsprecher auf Anfrage der OP am Freitag bestätigte. Das Stellwerk werde zu den ersten gehören, die umgerüstet werden, so der Sprecher gegenüber dieser Zeitung.

Zu den Details der Planungen für Stadtallendorf will sich die Bahn äußern, wenn die ­Pilotanlagen in Kleve und ­Utting in Betrieb sind. Direkt im Anschluss solle die Projektierung beginnen, so eine weitere Bahnsprecherin gegenüber dieser Zeitung. Dann dürfte auch klar sein, ob und wann es möglicherweise zu Bauarbeiten mit Einschränkungen für den Bahnverkehr kommt.

Altes Allendorfer Stellwerk funktioniert rein mechanisch

Das Stellwerk „Stadtallendorf Af“ stammt im Ursprung noch aus Zeiten des Zweiten Weltkrieges, als der Bahnhof Allendorf für die beiden Sprengstoffwerke der DAG und Wasag ausgebaut wurde. Es ist ein rein mechanisch betriebenes Stellwerk, wie die Pressestelle der Deutschen Bahn gegenüber der OP erläuterte.

Dort arbeiten aktuell jeweils ein Fahrdienstleiter und ein Weichenwärter in einer Schicht.  Sie prüfen vor Weichenstellungen auf Sicht, ob Gleise frei ­befahrbar sind. Die Bahnmitarbeiter haben die Kontrolle über vier Haupt- und einige­ ­Nebengleise. Dazu gehören ­allein 13 Weichen.

90 Millionen Euro will die Bahn bis zum Jahr 2023 in die Aufrüstung der rund 600 Stellwerke bundesweit investieren.­ Welche Nachrüstung dabei welchen Betrag kostet, ist noch nicht bekannt.

Nach früheren Bahnangaben halten im Bahnhof Stadtallendorf in der Woche (und wenn es keine Einschränkungen durch Gleisbaustellen gibt) 375 Züge.­ Seit Ende 2016 gehören dazu­ auch Fernzüge auf der Linie Stralsund-Karlsruhe.

von Michael Rinde