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Ostkreis Neue Pläne für die „Hoppe-Villa“
Landkreis Ostkreis Neue Pläne für die „Hoppe-Villa“
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12:58 23.06.2021
Dr. Dominik Reinhardt (links) und Frank Müller im Garten der Villa Hoppe in Stadtallendorf. Gemeinsam mit zwei weiteren Partnern wollen sie dem Gebäude mit betreutem Seniorenwohnen wieder Leben einhauchen.
Dr. Dominik Reinhardt (links) und Frank Müller im Garten der Villa Hoppe in Stadtallendorf. Gemeinsam mit zwei weiteren Partnern wollen sie dem Gebäude mit betreutem Seniorenwohnen wieder Leben einhauchen. Quelle: Foto: Andreas Schmidt
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Stadtallendorf

Mitten im Stadtallendorfer DAG-Gebiet, umgeben von Wald und Natur, liegt die „Hoppe-Villa“. Noch bis vor Kurzem waren weder Gelände noch Gebäude zugänglich – dann eröffnete in der Villa ein Schnelltest-Center (die OP berichtete). Bald schon soll das imposante Haus umgebaut werden: Neun Senioren-Appartements für betreutes Wohnen sind geplant, mit entsprechender Hilfe für die Bewohner „ganz nach deren Bedarf“, wie Investor Frank Müller erläutert. Gemeinsam mit seinen Geschäftspartnern Dr. Dominik Reinhardt und Thorsten Junk, der derzeit schon das Test-Center in der Villa betreibt, wird das Projekt entstehen.

„Viele Jahre konnten meine Frau und ich das Gebäude nur vom Zaun aus ansehen, und ich habe lange mit Wolf Hoppe verhandelt, bis er mir die Villa verkauft hat“, erzählt Frank Müller. Eigentlich, so sein Plan, hätte dort die „Intensivpflege 2“ entstehen sollen. Denn gemeinsam mit Partnern hatte Müller bereits die Intensivpflege in der Wetzlarer Straße entwickelt. „Für die Projektpartner war die Intensivpflege 2 zu weit weg von den Kliniken“, erzählt Müller. Die „Hoppe-Villa“ war also frei für neue Pläne. Ein Boarding-House schwebte Müller vor – doch dann reifte „der finale Entschluss: Wir machen aus der Hoppe-Villa eine Einheit mit Betreutem Wohnen und Wohnen mit Service“, erläutert der Unternehmer.

Ende der 70er-Jahre wurde die „Hoppe-Villa“ erbaut, „sie ist schon seit Mitte der 80er nicht mehr bewohnt, wurde aber weiterhin von den Angestellten gepflegt“, erzählt Frank Müller. Entsprechend schön ist auch der Zustand des Gebäudes – man könnte direkt einziehen. Eine geschwungene, breite Treppe führt ins Obergeschoss, das Treppenhaus ist in Marmor gehalten. Im Erdgeschoss: Eine Gaggenau-Küche, wie sie nach dem Bau der Villa topmodern war – und mit ihren orangenen Kacheln auch heute wieder Retro-Chic versprühen könnte. „Fehlen nur noch die Pril-Blumen, um sich wie in der Kindheit zu fühlen“, sagt Frank Müller. Das Parkett in den übrigen Räumen ist auf Hochglanz gebracht. Und das Obergeschoss wartet mit einer absoluten Besonderheit auf: Neben einer Sauna und einer – damals absolut luxuriösen – begehbaren Dusche gibt es einen riesigen Pool. Warum nicht im Erdgeschoss? „Weil wegen des Naturschutzes nicht ins Erdreich gebaut werden durfte“, weiß Müller.

Für das betreute Wohnen sind neun Wohneinheiten mit gehobenem Ausstattungsstandard geplant – mit Größen zwischen 50 und 80 Quadratmetern. „Das ist größer dimensioniert, als normalerweise üblich“, sagt Dominik Reinhardt. Schon bald soll es mit den Arbeiten losgehen.

Zunächst steht die energetische Sanierung „im großen Stil“ an, wie Frank Müller erläutert. Fenster, Heizung, Stromleitungen – alles wird neu gemacht. Für die Barrierefreiheit wird ein Aufzug eingebaut, außerdem bekommen alle Wohneinheiten „neben dem Schlaf- und Wohnraum auch eine eigene Küche und ein barrierefreies Duschbad“, so Müller. „Außerdem kommen auf jede Wohnung noch etwa 1 500 Quadratmeter Garten“, sagt der Unternehmer lachend. Denn die Villa steht auf einem knapp 15 000 Quadratmeter großen Grundstück mit herrlichem, alten Baumbestand, zudem liegt das Areal am Waldrand. Daher sei auch ein Rundweg geplant, „mit Sinnesgarten“.

Nach dem Umbau werden den Bewohnern auf zwei Etagen rund 920 Quadratmeter Wohn- und Nutzfläche zur Verfügung stehen. Dort, wo sich heute der Carport befindet, wird ein großzügiger, verglaster Eingangsbereich entstehen – wo auch der Concierge-Service künftig seinen Platz hat. „Dort können die Bewohner beispielsweise Dienstleistungen, die sie wünschen, in Auftrag geben.“ Fahrservice, Einkaufsservice oder Wäscheservice sind gewünscht? Oder Hilfe im Haushalt oder beim Putzen?

Kein Problem: All das soll ermöglicht werden. „Jeder soll genau die Hilfe bekommen, die er benötigt“, verdeutlicht Reinhardt. Und zwar unabhängig von einem „Schubladensystem“, wie es vom Betreuungssystem in Deutschland eigentlich vorgesehen sei, wie er betont.

Das Thema Senioren ist den Geschäftspartnern nicht fremd, denn sie haben unter anderem ein Seniorenheim in Grebenhain im Vogelsberg übernommen. Entstanden ist die „Seniorenresidenz Vogelsberg“, „wir haben alles komplett erneuert, innen wie außen“, sagt Reinhardt. Das betreute Wohnen in der „Villa Hoppe“ füge sich perfekt in das Konzept ein.

Und auch in der Seniorenresidenz wolle man das Pflegesystem aufbrechen, „der Mensch braucht ja mehr als das Schubladendenken – der Mensch ist der Mensch mit seinen Einzelbedürfnissen“. Reinhardt ist auch Geschäftsführer des Pflegeheims. Er weiß: „Alle sollen so lange wie möglich eigenständig und selbstverantwortlich das Leben bestreiten und sich dann das raussuchen, was sie im Laufe der Jahre benötigen.“

Daher komme zunächst der Concierge-Service zum Einsatz, „und wenn die Bewohner dann pflegerische Hilfe benötigen, kommt die Kompetenz der Seniorenresidenz zum Einsatz“. Das könne so weit gehen, dass die Bewohner der Hoppe-Villa bei stärkerem Pflegebedarf in die Seniorenresidenz wechseln könnten.

Spätestens im August sollen die Arbeiten des Millionen-Projekts beginnen, „im Frühjahr oder spätestens Sommer kommenden Jahres soll die feierliche Eröffnung sein“, sagt Frank Müller.

Von Andreas Schmidt

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