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Ostkreis Gemeinsam geht es auf den Weg
Landkreis Ostkreis Gemeinsam geht es auf den Weg
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12:00 30.12.2021
Die Stiftskirche Amöneburg wird die Pfarrkirche der Gemeinde St. Bonifatius Amöneburger Land.
Die Stiftskirche Amöneburg wird die Pfarrkirche der Gemeinde St. Bonifatius Amöneburger Land. Quelle: Michael Rinde
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Ostkreis

Am 1. Januar geschieht etwas, was Teil der regionalen Kirchengeschichte sein wird: 13 katholische Kirchengemeinden, überwiegend aus dem Ostkreis, hören auf zu existieren. Ein Einschnitt, denn die Mehrzahl dieser Gemeinden ist Jahrhunderte alt.

Es entsteht etwas Neues, die Pfarrei St. Bonifatius Amöneburger Land, zu der dann rund 8 800 katholische Christen gehören werden. Diese 13 Gemeinden sind dabei: Amöneburg, Anzefahr, Bauerbach, Erfurtshausen, Ginseldorf, Himmelsberg, Kirchhain, Mardorf, Roßdorf, Rüdigheim, Schröck, Sindersfeld und Stausebach.

Rein formal geht damit ein Weg zu Ende, der vor mehr als zweieinhalb Jahren begann. Damals entschlossen sich alle Pfarrgemeinderäte einstimmig, diesen Weg der Pfarreiwerdung einzuschlagen und zusammenzugehen. Es gründeten sich eine Steuerungsgruppe und eine Finanzgruppe (die OP berichtete).

Auf dem Weg zur Pfarrei lief sicherlich Vieles Hand in Hand, aber es gab auch Hindernisse zu überwinden. „Es mussten Ängste abgebaut werden“, sagt Pfarrer Marcus Vogler. Er ist künftig der vom Bistum benannte leitende Pfarrer der Gemeinde St. Bonifatius Amöneburger Land und damit ein zentraler Teil des gesamten Seelsorgeteams. Es besteht neben Vogler aus drei mitarbeitenden Priestern, drei Diakonen und zwei Gemeindereferenten.

Konstanten bei den Gottesdiensten

Zentrale Pfarrkirche wird die Stiftskirche in Amöneburg, was aber nicht bedeutet, dass sich das kirchliche Leben damit ausschließlich auf „den Berg“ ausrichtet, nein, ganz im Gegenteil. Der Gottesdienstplan ist gestaltet worden, dass es in jedem der künftig 13 Kirchenorte einmal in der Woche mindestens eine heilige Messe geben wird. In Kirchhain, Amöneburg und Bauerbach findet an jedem Wochenende zu festen Zeiten ein Gottesdienst statt. Das schafft Konstanten für die Gemeindemitglieder. „So ist sichergestellt, dass man am Wochenende je nach Kirchort nur vier bis fünf Kilometer bis zur nächsten Kirche mit Gottesdienst zurücklegen muss, sollte im eigenen Ort keine Messe stattfinden“, sagt Vogler. Tauf- oder Hochzeitsgottesdienste finden weiterhin im Kirchort statt, ebenso wie Beisetzungen. Niemand wolle sich aus der Fläche zurückziehen, unterstreicht der künftige leitende Pfarrer.

Natürlich gab es auch Stolpersteine zu überwinden. Etwa bei den Finanzen. Künftig gibt es ein zentrales Budget für alle, doch die wirtschaftliche Situation der bisher selbstständigen Pfarreien differiert voneinander. Manche Gemeinden hatten bisher einen riesigen Einzeletat, da sie einen kirchlichen Kindergarten zu verwalten haben zum Beispiel. Andere verwalten „nur“ das Budget zum Erhalt ihrer Kirche. Auch da seien Ängste abzubauen gewesen und es habe auch manches schwierige Gespräch gegeben, so Pfarrer Vogler.

Eine „Handbremse“wird gelöst

Einen „Meilenstein“ gab es, als das Bistum Fulda genehmigte, dass jeder der 13 Kirchorte gleichberechtigt einen Sitz und eine Stimme im künftigen Verwaltungsrat bekommt, was vorher rechtlich so nicht möglich war. „Damit ist eine Handbremse gelöst worden“, hebt Vogler hervor. Alle Kirchorte haben in ihrem gemeinsamen Gremium die gleichen Rechte, eine wichtige Basis für die Arbeit in der neuen Pfarrei.

Doch dem künftigen leitenden Pfarrer ist klar, dass der Weg hin zu der gemeinsamen Pfarrei noch lang werden wird – und das sehr viel davon abhängen wird, was in den einzelnen Kirchorten nun geschieht. Deshalb soll auch in jedem Ort ein Kirchenteam mit ehrenamtlichen Mitgliedern entstehen. Sie sollen dem kirchlichen Leben Impulse geben – natürlich im Zusammenspiel mit dem Seelsorgeteam. Pfarrer Vogler möchte, dass die Anstöße aus den Orten selbst heraus entstehen. „Natürlich helfen wir als Seelsorger, wo immer wir gefragt sind“, sagt er dabei auch. Doch in der neuen Pfarrei soll der Gedanke verankert werden, dass das kirchliche Leben eben nicht allein von den Aktivitäten und Anstößen allein des Pfarrers abhängt.

Termine: Gefeiert werden soll diese historische Zäsur für viele katholische Christen natürlich auch. Allerdings schränkt die Pandemie die Möglichkeiten derzeit ein. Am 22. Januar gibt es zunächst den Gründungsgottesdienst mit Weihbischof Karlheinz Diez um 17 Uhr in der Stiftskirche Amöneburg. Das Gründungsfest ist für den 5. Juni in Amöneburg geplant.

Kontakt und Erreichbarkeit

Die Hauptverwaltung der Pfarrei St. Bonifatius befindet sich ab Januar im zentralen Pfarrbüro in Amöneburg, das über deutlich erweiterte Öffnungszeiten verfügen wird.

Ein wichtiges Anliegen. Zugleich gibt es Kontaktstellen in Kirchhain, Anzefahr, Bauerbach, Mardorf und Schröck mit festen Uhrzeiten. Eine neue Telefonanlage ermöglicht es, dass Anrufer künftig immer jemanden unter der zentralen Rufnummer erreichen, etwa, um dort Anmeldungen vorzunehmen, einen Taufschein zu bestellen oder eben auch Termine mit einem Seelsorger abzustimmen.

Das Pfarrbüro kann veranlassen, dass Dokumente dann beispielsweise später vor Ort abgeholt werden können. Somit muss nicht jeder für alles extra nach Amöneburg fahren.

Die Öffnungszeiten des zentralen Pfarrbüros sind: Montag bis Mittwoch von 9 bis 16 Uhr, Donnerstag von 9 bis 18 Uhr und Freitag von 9 bis 13 Uhr. E-Mail: pfarrei.amoeneburg@bistum-fulda.de

Von Michael Rinde

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