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Ostkreis Neue Ideen für Neustadts Straßen
Landkreis Ostkreis Neue Ideen für Neustadts Straßen
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15:00 29.03.2022
Der Verkehr in der Marktstraße kam zur Sprache – insbesondere in Bezug auf Abkürzungen.
Der Verkehr in der Marktstraße kam zur Sprache – insbesondere in Bezug auf Abkürzungen. Quelle: Florian Lerchbacher
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Neustadt

Einen bunten Strauß an Ideen brachten die Teilnehmer des Workshops „Bessere Mobilität für Neustadt“ zur Sprache. Die Stadt hatte das virtuelle Treffen in Zusammenarbeit mit dem Planungsbüro Via aus Köln und der Mociety Consult GmbH aus Wiesbaden initiiert, denn Ziel ist es, über das Städtebauförderungskonzept „Sozialer Zusammenhalt“ eine Verkehrsstudie für die Innenstadt zu erstellen. Gleichzeitig sind die beiden Büros beauftragt, einen „Nahmobilitätscheck“ für die Kernstadt und die Stadtteile auf den Weg zu bringen, bei dem Rad- und Fußgängerverkehr im Vordergrund stehen.

Alle der rund 30 Workshop-Teilnehmer wünschten sich während einer kurzen Befragung eine Verbesserungen der Bedingungen für Radfahrer im Stadtgebiet und knapp die Hälfte eine Verbesserung der Bus- und Bahn-Anbindung. Zudem gab Thomas Ernst (Mociety) einen Überblick über im Vorfeld geäußerte Kritik: Unter anderem seien die Radwege teilweise abenteuerlich, der Schwerverkehr „tobe“ insbesondere in der Innenstadt rund um die Marktstraße und die Bus-Anbindung sei nur rudimentär. Des Weiteren sei die Ausgestaltung des Stadtraums dort, wo „Attraktivität gegeben ist“, ausbaufähig und es fehlten in der Kernstadt Gastronomie und Geschäfte.

Ergebnisse sollen 2030 vorliegen

Protest gab es, als Herbert Eidam (Via) mitteilte, Planungsergebnisse sollten bis 2030 vorliegen. Karsten Gehmlich monierte, es sei für Kinder derzeit kaum möglich, vernünftig zu Fuß oder mit dem Rad zur Schule zu kommen. „Das muss schneller gehen“, kritisierte er, woraufhin Eidam beschwichtigte: „Kleinere“ Projekte ließen sich natürlich früher umsetzen, aber größere, bei denen verschiedene Behörden einbezogen werden müssen, dauerten eben länger. Es werde eine Prioritätenliste geben, versprach er.

Dann ging’s an die Anregungen: Peter Schmittdiel ärgerte sich, die Kernstadt sei „auto-, aber nicht menschengerecht“ gestaltet. Die Schulwegsicherheit sei ein Problem, die Zuführung zur Waldschule und der Zustand von Bürgersteigen vielerorts schlecht und das Parkverhalten teils chaotisch, weil oft auf Gehwegen geparkt werde. Er regte an, das Tempolimit zu verschärfen. Joachim Rausch fügte hinzu, dass auch in den Stadtteilen die Schulwege-Sicherheit verbessert werden müsse. Er wünschte sich mehr Querungshilfen über die Straßen – insbesondere jene, die auf Schulwegen liegen.

Merve Hamel forderte Verbesserungen der Möglichkeiten für Radfahrer – insbesondere solche, die mit Kinderanhänger oder Lastenrad unterwegs sind. Eidam freute sich über diesen Hinweis: Es sei sinnvoll, sich von Betroffenen kritische Stellen zeigen lassen. Er könne sich gut vorstellen, dass insbesondere auch Menschen angesprochen werden, die mit Rollatoren unterwegs sind. Später schlug die Neustädterin noch eine „Umverteilung“ des Platzes auf den Straßen vor, um das Radfahrern attraktiver zu machen. Einbahnstraßen seien eine Möglichkeit, sagte sie. Schmittdiel schlug Schutzstreifen für Radfahrer vor. Craig Walton hätte gerne einen „schnellen“ Radweg zum Kaufpark.

Lastenrad-Sharing und schnelle Busverbindung

Anke Stark sprach sich für eine Attraktivierung des Marktplatzes durch einladende Sitzgelegenheiten aus, Karsten Gehmlich für Lastenrad-Sharing und einen E-Scooter Verleih. Eric Freialdenhoven wünscht sich eine schnellere Busverbindung nach Alsfeld – vielleicht lasse sich der Schnellbus von Stadtallendorf nach Alsfeld über Neustadt einbinden, so Eidam.

Peter Schreiner sprach noch den Abkürzungsverkehr durch die Straße „Am Schalkert“ und die Ringstraße an. Diese Strecken sollten für Auswärtige durch „verkehrliche Maßnahmen“ unattraktiv gemacht werden. „Das ist schon Thema“, sicherte ihm Ernst zu.

Bürgermeister Thomas Groll zeigte sich mit dem Verlauf des Verkehrsforums sehr zufrieden. Es gelte nun unter anderem, die Vorschläge einzusortieren, wie beim Skispringen die Extreme zu streichen und auch zu prüfen, was rechtlich machbar und auch finanzierbar ist. Allerdings warb auch er um etwas Geduld: „Das ist eine Langstrecke, kein Sprint.“

Wer das Forum verpasst hat, kann im Internet unter www.mobilität-neustadt.de weiterhin Vorschläge zur Verbesserung im Neustädter Verkehrsnetz machen.

Von Florian Lerchbacher