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Ostkreis Ein Leben im Dienste der Mitmenschen
Landkreis Ostkreis Ein Leben im Dienste der Mitmenschen
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15:57 13.05.2020
Heinrich Röder, ehemaliger Bürgermeister von Kirchhain, lebt nicht mehr. Quelle: Katja Peters
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Kirchhain

Sein intensives, gewinnendes Lächeln war auch im hohen Alter etwas, das Heinrich Röder zu einem besonderen Gesprächspartner machte. Und Kirchhains Altbürgermeister war immer für einen Plausch zu haben, wenn er denn gerade die Zeit dafür hatte.

Zeitlebens stand er für Selbstdisziplin, auch und gerade, was die Zeiteinteilung anging. Und die war wichtig, angesichts der Fülle an Aufgaben, die er sich selbst zu eigen gemacht hatte, die ihm als Stadtoberhaupt zufielen oder die auf eines seiner zahllosen Ehrenämter zurückgingen. Einsatz für andere und seine Stadt Kirchhain waren ihm immer das größte Anliegen.

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Am 4. Mai ist der Kirchhainer Ehrenbürger im Alter von 92 Jahren gestorben. Geboren wurde Röder am 5. Juli 1927 in Burgholz, 1952 zog er nach Kirchhain. Ein Jahr vorher hatte er Erika Linker geheiratet. Über Jahrzehnte waren Heinrich Röder und die Stadtverwaltung untrennbar miteinander verbunden.

Er war ein richtiger Verwaltungschef

Dort ist er beruflich groß geworden, bevor er schließlich vom Stadtparlament am 17. März 1978 zum Kirchhainer Bürgermeister gewählt wurde. Zweimal wurde Röder vom Parlament wiedergewählt. Am 31. Juli 1992 trat er im 65. Lebensjahr auf eigenen Wunsch in den Ruhestand. Mehr als 14 Jahre lang war der Sozialdemokrat Rathauschef.

Dabei war er ein Bürgermeister im klassischen Sinne, einer, der das Innenleben der Verwaltung kannte wie kaum ein anderer. Ein Verwaltungschef. Am 1. April 1944 hatte ihn die Stadt nach erfolgreicher Abschlussprüfung als Verwaltungsangestellten übernommen. Vor seiner Ernennung zum Bürgermeister war er büroleitender Beamter im Rathaus. Wie gesagt: Er kannte das Geschäft.

Sein Vermächtnis wirkt noch nach

Aber Heinrich Röder war kein bloßer Sachwalter, im Gegenteil, er war ein Gestalter. Röder nutzte die Möglichkeiten seines Amtes, um für Kirchhain etwas zu bewegen. In seine Amtszeit fallen zahllose Bauprojekte: In den Stadtteilen entstanden dank entsprechender Landesförderungen Bürgerhäuser. Schließlich ging es auch darum, die Folgen der Gebietsreform weiter zu bewältigen und zwölf Stadtteile in die Stadt Kirchhain zu integrieren.

Es fällt schwer, eine Auswahl unter den Projekten zu treffen, die Röder vorantrieb. Ein markantes Beispiel: 1980 entstand aus der Bahnhofstraße die Fußgängerzone, ein Herzstück der Handelsstadt Kirchhain. Auch die Stadtsanierung, ein Förderprogramm des Landes, ist untrennbar mit Röders Wirken verbunden. Das Programm wirkte noch nach, als Röder bereits im Ruhestand war, etwa bei der Marktplatzsanierung und vielen weiteren Projekten zur Aufwertung Kirchhains.

Engagement in mehreren Verbänden

Heinrich Röder war immer auch ein Mensch des Ehrenamtes, ein engagierter Christ in der evangelischen Kirchengemeinde, Vorsitzender von Vereinen und aktiv in Verbänden. Und auch dort profitierten viele Menschen von der großen Einsatzbereitschaft und der Disziplin des Kirchhainer Ehrenbürgers.

Röder war unter anderem in der Landessynode der evangelischen Kirche von Kurhessen-Waldeck, bei der Awo, dem VdK oder dem Verkehrsverein Kirchhain sowie beim Kirchhainer Ortsverein des DRK aktiv. Bei letzterem war Röder beispielsweise von 1984 an Vorsitzender.

Auch, als er im höheren Alter langsam aufhörte, sich ehrenamtlich zu engagieren, war der Kirchhainer Ehrenbürger präsent. Er wollte selbst sehen, wie es lief, wie er einmal am Rande einer Veranstaltung zum Autor des Nachrufes gesagt hat. Und er sei eben immer gerne unter Leuten.

Zahlreiche Ehrungen

Für sein Wirken ist Heinrich Röder vielfach ausgezeichnet worden. Die Ehrenbürgerschaft bekam er im Juli 1992 von der Stadt verliehen. Er erhielt unter anderem auch das Bundesverdienstkreuz am Bande, Stadtsiegel und Ehrenmedaille der Stadt Kirchhain in Gold und zahlreiche Auszeichnungen von Verbänden und Vereinen. Im Jahr 2012 erhielt Röder die Elisabeth-Medaille als höchste Auszeichnung der evangelischen Kirche für einen Laien.

Die Stadt an Ohm und Wohra hat in Heinrich Röder einen ganz besonderen Menschen verloren, einen Menschen, für den Allgemeinwohl immer Vorrang vor eigenen Befindlichkeiten hatte, einen Menschen, der seinen Glauben täglich lebte und sich für andere einsetzte, der aber auch immer eine eigene Haltung einnahm und bereit war, für sie einzutreten.

Von Michael Rinde

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