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Ostkreis Trauer um einen Kirchhainer Menschenfreund
Landkreis Ostkreis Trauer um einen Kirchhainer Menschenfreund
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21:00 22.01.2022
Trauer um Kirchhains früheren Bürgermeister Klaus Hesse.
Trauer um Kirchhains früheren Bürgermeister Klaus Hesse. Quelle: Privatfoto
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Kirchhain

Große Trauer in Kirchhain. Der vergangene Mittwoch sei in doppelter Hinsicht ein Schock gewesen, sagt Bürgermeister Olaf Hausmann. An jenem Tag traf neben der Nachricht vom Tod der Landrätin Kirsten Fründt auch die Mitteilung ein, dass Altbürgermeister Klaus Hesse an diesem Tag verstorben ist. Hesse führte das Amt von 1992 bis 2004, also 12 Jahre lang. Im Jahr 1998 war er der erste direkt gewählte Bürgermeister der Stadt. Hesse verstarb im Alter von 72 Jahren nach kurzer, schwerer Krankheit.

Von Altbürgermeister Klaus Hesse bleibt etwas in Kirchhain, das immer mit ihm verbunden sein wird: die Sanierung des historischen Rathauses und des „Blauen Löwen“ im Zuge der Stadterneuerung etwa, gleich zwei herausragende Bauprojekte. Doch da ist noch weit mehr. So fiel es in Hesses Amtszeit, dass sich die Heilpädagogische Gemeinschaft in Kirchhain ansiedelte. Dieser Einrichtung blieb Hesse als Bürgermeister wie auch in all den Jahren danach innig verbunden. Denn sein Augenmerk als Mensch und auch als Stadtoberhaupt von „seinem“ Kirchhain galt Schwächeren, galt aber ebenso auch dem Nachwuchs, der Kinderbetreuung. Deshalb setzte sich der Sozialdemokrat seinerzeit auch so energisch und nachhaltig für die Schaffung einer Krabbelgruppe in der Alsfelder Straße ein. Denn er sah den Bedarf für eine Betreuung von Kindern unter drei Jahren.

Manchen Konflikt ausgehalten 

Klaus Hesse war schon lange vor seiner Zeit als Kirchhainer Bürgermeister politisch aktiv in seiner Heimatstadt. Er war sieben Jahre Stadtverordneter, bevor er ab 1981 als Stadtrat ehrenamtlich politisch weiterarbeitete und dann ab 1987 erster Stadtrat wurde, damals also der Stellvertreter von Heinrich Röder. So vorbereitet stellte sich der studierte Pädagoge dann auch dem Amt des Kirchhainer Bürgermeisters. Hesse hatte Germanistik und evangelische Theologie auf Lehramt studiert und war vor seiner Bürgermeisterzeit an der Lahntalschule in Biedenkopf tätig.

In seiner Zeit als Kommunalpolitiker musste Hesse auch manchen Konflikt aushalten und bewältigen. Zum Beispiel die Diskussion und das letztliche Scheitern der Ansiedlungspläne für einen „Globus“-Markt im Gewerbegebiet Kirchhain, dort, wo heute der Herkules-Markt steht. In solchen Konfliktsituationen setzte Hesse, seinem Naturell folgend, vor allem auf Moderation, auf Dialoge und auf das Ausloten von für alle Seiten tragbare Kompromisse. Es war eine seiner Fähigkeiten, auf Menschen zuzugehen und sie anzusprechen, sie und ihre Anliegen immer ernst zu nehmen, ohne ihnen zu nahe zu kommen.

„Für mich war er nicht nur Altbürgermeister, sondern ein Freund, der mir mit Rat und Tat in vieler Hinsicht zur Seite gestanden hat“, sagt Amtsinhaber Olaf Hausmann über ihn. Mit Klaus Hesse verbinde er einen wichtigen Satz: „Das Amt des Bürgermeisters ist nicht nur Beruf, es ist Berufung“.

Engagement im Kreistag

Seine Abwahl war für Klaus Hesse ein Einschnitt in seinem Leben und Wirken. Aber er stellte sich neu auf, er setzte darauf, anderen seine Erfahrungen weiterzugeben und ihnen zu helfen, ihren Weg an der Spitze einer Verwaltung zu finden oder in einem Unternehmen Fuß zu fassen. Er war auch Referent beim Städte- und Gemeindebund. Politisch engagierte er sich für die SPD fortan im Kreistag.

Am Leben in Kirchhain nahm er dennoch weiterhin Anteil, wenn auch nicht mehr im politischen Tagesgeschäft. Er war präsent, wenn es in Kirchhains Gesellschaft „um etwas ging“. Sei es bei der Verlegung von Stolpersteinen, bei besonderen Anlässen in der Stadt, aber auch bei einfachen Vereinsveranstaltungen etwa oder am Stand des Heimat- und Geschichtsvereins beim Martinsmarkt.

In diesen Verein steckte er Herzblut und Leidenschaft; er war einer der Gründungsmitglieder im Jahr 1991. Seit 2007 war er dessen zweiter Vorsitzender. Hesses Name bleibt dabei mit den Stadtkalendern und den Bildern verbunden, die er selbst gemacht hatte. „Ich habe einen Förderer und Freund mit ihm verloren“, sagt Kerstin Ebert, die Vorsitzende des Vereins.

Klaus Hesse hinterlässt eine Frau, zwei Töchter und zwei Enkelkinder.

Die Trauerfeier findet am 29. Januar ab 14 Uhr in der Martin-Luther-Kirche in Kirchhain statt.

Von Michael Rinde