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Ostkreis Nach dem Blitzer in Bracht treten viele gleich wieder aufs Gas
Landkreis Ostkreis Nach dem Blitzer in Bracht treten viele gleich wieder aufs Gas
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19:58 13.05.2021
Anwohner Reiner Leinbach hat schon selbst zusätzliche Warnschilder an den Zäunen angebracht, damit Autofahrer auf der Schönstädter Straße auch nach dem Blitzer bremsen und aufmerksam sind.
Anwohner Reiner Leinbach hat schon selbst zusätzliche Warnschilder an den Zäunen angebracht, damit Autofahrer auf der Schönstädter Straße auch nach dem Blitzer bremsen und aufmerksam sind. Quelle: Michael Rinde
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Bracht

Ein Lastzug fährt auf den Blitzer an der Grundschule Bracht zu. Der Fahrer drückt augenscheinlich auf die Bremse, um dann, wenige Meter weiter, gleich zu beschleunigen. Seine Geschwindigkeit lässt sich natürlich nicht genau ermitteln, aber sie dürfte am Ende klar über den erlaubten 30 Stundenkilometern liegen. Dabei hätte der Lastzug dort gar nicht sein dürfen, denn es gilt schon lange ein Lkw-Fahrverbot auf der Schönstädter Straße, der Kreisstraße 3. Das ist kein Einzelfall an diesem Nachmittag. Und es gibt auch immer wieder Autofahrer, die am Blitzer ordentlich abbremsen, um dann gleich genauso sehr wieder Gas zu geben, wenn sie Richtung Schönstadt fahren, ist dieser Effekt besonders ausgeprägt.

Anwohner Reiner Leinbach verfolgt das Geschehen gemeinsam mit der OP von seinem Küchenfenster aus. Er sorgt sich gemeinsam mit seiner Familie sehr um alle Kinder, die dort langgehen und natürlich gerade auch um seine Enkel, die auch in der Schönstädter Straße leben. Vor rund 30 Jahren hat er mit seiner Frau Gisela an dieser Stelle gebaut, seit 15 Jahren beobachten beide, dass der Verkehr immer größere Ausmaße annimmt und seit etwa 2017 interveniert Leinbach immer wieder bei Behörden. „Hier muss etwas geschehen“, so seine klare Botschaft. Leinbach hat Autos gezählt, vor allem auch Lkw. Die Geschwindigkeitsmessanlage, den Blitzer, sieht er nach all seinen Beobachtungen und Erlebnissen dabei zwiespältig. Klar, der zwinge zum Bremsen. „Aber leider danach auch wieder zum Gas geben“, sagt er nach all seinen Erfahrungen.

Der Anwohner hat sich einige Gedanken gemacht, er hat an seinem Grundstück auch selbst Schilder mit der Aufschrift „Spielende Kinder“ angebracht. Seine Ideen: Wie wäre es etwa mit einem Zebrastreifen, etwa in Höhe der Schule? Oder wie steht es mit mobilen Geschwindigkeitskontrollen? Überhaupt Kontrollen: Warum lasse sich das Durchfahrverbot für Lastwagen an dieser Stelle nicht durchsetzen, fragt er?

Das bringt die Frage nach der möglichen Umwidmung der Kreisstraße 3 ins Gespräch. Freute er sich, wenn es denn so weit käme? „Sicherlich, aber das dauert alles noch viel zu lange, wenn es denn kommt“, antwortet Reiner Leinbach. Und er weiß, dass die vom Landkreis angestoßene Umwidmung zum Radweg in Bracht nicht unumstritten ist. „Es muss jetzt etwas passieren, damit hier nichts passiert“, so sein Fazit. Im Blick hat er auch zahlreiche ältere Brachter, die je nachdem Probleme hätten, über die Fahrbahn zu kommen.

Leinbach hatte in der Vergangenheit unter anderem mit der Straßenbaubehörde wie auch mit Rauschenbergs Bürgermeister Michael Emmerich Kontakt. Zuletzt schrieb er auch an Vizelandrat Marian Zachow zwei Mails mit Schilderungen und Anstößen. Auf die Antwort dieser Mails wartet er aber.

Bürgermeister Emmerich sieht die Punkte, die Reiner Leinbach anspricht, durchaus, wie er im Gespräch mit der OP betont. Insbesondere die Probleme rund um das Lkw-Durchfahrverbot und Verstöße dagegen sind für ihn auch ein Thema. Doch Emmerich bekennt ganz klar: „Uns fehlt das Personal, um das selbst kontrollieren zu können.“ Zumal er bei diesem Problem auch eher Polizei und auch Landkreis gefordert sähe. Für einen Zebrastreifen sieht Rauschenbergs Stadtoberhaupt nach derzeitiger Rechtslage auch keine Chance. „Wir haben keine Grundlage dafür“, sagt Michael Emmerich. Eine Verbesserung erhofft sich Emmerich aber von der Fertigstellung der Bundesstraße 252 neu. „Dann dürfte der Verkehr in jedem Fall abnehmen“, so seine Einschätzung.

Schnelle Lösung gibt es nicht

Wie stünde es um eine andere Lösung, um Autofahrer rund um die Grundschule in der Schönstädter Straße dazu zu bringen, auf der Bremse zu bleiben? Leinbach hat sich umgesehen. Vor der Grundschule Wohra ist die Straße verengt, Blumenkübel machen jede schnelle Fahrt zu einem Risiko für die Autofahrer.

Doch an dieser Stelle wird das angelaufene Verfahren rund um eine Umwidmung der Kreisstraße 3 zum Faktor. „Zum jetzigen Zeitpunkt wird da baulich nichts passieren, weil wir noch nicht wissen, wie das Verfahren am Ende ausgeht“, erklärt dazu Bürgermeister Emmerich.

Marian Zachow sieht die Probleme, die am Ortseingang Bracht bestehen. Aber er macht gegenüber der OP klar, dass es wohl keine schnelle Lösung geben kann. „Die Situation an den Ortseingängen von Bracht und Schönstadt war neben den Sanierungskosten ein wichtiger Grund dafür, warum wir auf die Umwidmung der K3 setzen“, sagt Zachow. Derzeit prüften Kreis und betroffene Kommunen, wie sie zumindest auf der freien Strecke der Kreisstraße 3 mehr Sicherheit erreichen könnten. An den Ortseingängen werde sich aber erst bei einer Umwidmung zu Rad- oder Wirtschaftsweg wirklich etwas tun können.

Von Michael Rinde