Menü
Oberhessische Presse | Ihre Zeitung aus Oberhessen
Anmelden
Ostkreis Schwierige Suche am Wohra-Ufer
Landkreis Ostkreis Schwierige Suche am Wohra-Ufer
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
18:00 15.01.2021
An der Mühlenwohra in Kirchhain sucht ein Spezialunternehmen auch mit dem Bagger nach früherer Wehrmachtsmunition.
An der Mühlenwohra in Kirchhain sucht ein Spezialunternehmen auch mit dem Bagger nach früherer Wehrmachtsmunition. Quelle: Michael Rinde
Anzeige
Kirchhain

Seit einigen Wochen sucht eine Fachfirma nach einer historischen Hinterlassenschaft von Wehrmachtssoldaten auf Flächen an der Mühlenwohra in Kirchhain ( die OP berichtete im Dezember ).

Es geht vor allem um Wehrmachtsmunition für Gewehre und Pistolen. Teilweise hatten die Experten für Kampfmittel dort große Mengen gefunden, zeitweise bis zu 60 Kilogramm allein an einem einzigen Tag, wie Bürgermeister Olaf Hausmann der OP berichtete.

Der Fundort liegt in direkter Nachbarschaft zur Papiermühle. Seinerzeit hatte ein Spaziergänger dort Verdächtiges entdeckt und die Stadt informiert.

Inzwischen sei etwa die Hälfte des an der Mühlenwohra liegenden Geländes abgesucht worden und frei von Munition, sagt Hausmann. Zwar werden inzwischen deutlich weniger Geschosse gefunden, dafür aber mittlerweile auch Waffen wie zum Beispiel einzelne Gewehre aus Wehrmachtszeiten.

Eine Gefahr gehe von diesen Funden nicht aus, versichert Hausmann erneut. In der OP-Redaktion hatte sich ein Kirchhainer gemeldet, der Sorge wegen der Munitionsreste geäußert hatte. Ob denn bei brisanten Funden nicht auch angrenzende Häuser vorsichtshalber geräumt werden müssten, will der Kirchhainer wissen.

Fachfirma trifft Sicherheitsvorkehrungen

Im Rathaus habe es bisher nur sehr wenige Nachfragen wegen der Erdarbeiten und der Munitionsbergung gegeben, sagt Bürgermeister Hausmann. Er betont: „Es geht da nicht um die Suche nach scharfen Bomben oder Granaten, die haben wir dort auch bisher nicht gefunden. Die Fachfirma trifft die nötigen Sicherheitsvorkehrungen.“

Wie genau die insgesamt doch größeren Munitionsfunde an die Mühlenwohra gelangt sind, wird sich wohl kaum mehr klären lassen. Es gibt die Vermutung, dass sich zurückziehende Wehrmachtssoldaten sich Ende März 1945 ihrer Munition und dann eben auch ihrer Waffen dort entledigt haben könnten.

Doch Belege dafür gibt es bisher keine. Am 29. März 1945 war es in Kirchhain zu schweren Kämpfen zwischen versprengten Wehrmachtssoldaten und anrückenden US-Truppen gekommen. In Kirchhain starben, so schreibt es die Kirchhainer Chronik, bei diesen Gefechten allein 40 deutsche Soldaten.

Stadt muss Bergung vorfinanzieren

In der Chronik gibt es allerdings für das Jahr 1946 auch den Hinweis auf größere Munitionssammlungen nach Kriegsende. Ob es sich bei dem jetzigen Fund, den die Stadt Kirchhain entsorgen lassen muss, um die Ergebnisse einer solchen Munitionssammlung handelt, wird wohl auch offenbleiben. Was sich aufgrund der Lage der Funde wohl vermuten lässt: Anscheinend wurde die Munition dort vor Jahrzehnten regelrecht abgekippt.

Ein Fund in dieser Größenordnung nach so vielen Jahrzehnten ist auch für die Kampfmittelexperten der Fachfirma aus Darmstadt eine Seltenheit. Die Sucharbeiten gehen derzeit bereits direkt an den Uferrand heran. Mit einem Bagger wird vorsichtig Erde aus dem Boden geholt, die anschließend durchsiebt und in Augenschein genommen wird. Alle Funde werden gleich entsorgt.

Wird die Stelle trockengelegt?

Die Stadt muss die Bergung und Entsorgung für den Bund vorfinanzieren. Derzeit geht Hausmann von Kosten in Höhe von etwa 90.000 Euro aus, Stand Ende Dezember. Bisher habe sich der Betrag noch nicht verändert, so der Kirchhainer Kämmerer.

In naher Zukunft wird noch entschieden werden müssen, ob die Mühlenwohra an der Fundstelle trockengelegt werden muss, um dort nach weiterer Munition und Waffen zu suchen. Das bedeute dann noch einmal erheblichen Zusatzaufwand und neue Kosten, für die zunächst die Stadt Kirchhain wird einstehen müssen. Andererseits muss dieser mögliche Gefahrenherd natürlich komplett beseitigt werden.

Von Michael Rinde

14.01.2021