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Ostkreis Mühle erzählt ihre Geschichte
Landkreis Ostkreis Mühle erzählt ihre Geschichte
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11:58 31.03.2021
Sabine Walter (rechts) erklärt Barbara Wolff die Feinheiten der Mühlentechnik.
Sabine Walter (rechts) erklärt Barbara Wolff die Feinheiten der Mühlentechnik. Quelle: Fotos: Florian Lerchbacher
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Amöneburg

Die Brücker Mühle ist jetzt ein Museum – das Gäste nun auch ohne Begleitung erkunden können. Wobei das auch nicht ganz stimmt: Moderne Technik sorgt dafür, dass die Besucher gut informiert sind. Hinzu kommen Schautafeln und die Möglichkeit, eines der ältesten Handwerke der Welt zu fühlen, zu riechen und zu schmecken – wobei Letzteres erst wieder möglich ist, wenn sich die Menschen aus den Fängen der Corona-Pandemie befreit haben.

Rund 2 500 Stunden ehrenamtlichen Engagements haben die Mitglieder des Brücker Vereins in das Projekt gesteckt, allen voran Vorsitzender Reiner Nau, der entsprechend stolz die Neuerungen präsentierte. Zunächst erinnerte er daran, wie Dipl. Agraringenieurin Sabine Walter – die gemeinsam mit ihrem Ehemann, Müllermeister Thomas Kleinschmidt, die Mühle betreibt – ihm im Jahr 2018 die Idee unterbreitete, aus der Mühle ein noch aktives Museum zu machen. Ein Jahr später sei überraschend grünes Licht gekommen: Das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft fördert über „LandKULTUR“ innovative Projekte, „die kulturelle Aktivitäten und kulturelle Teilhabe im ländlichen Räumen erhalten und weiterentwickeln“. 700 Projekte waren eingereicht worden, die Mühle mit dem Konzept „Vom Korn zum Brot“ ist eines von 266, die den Zuschlag bekamen – und gehört zu den ersten, die mit der Umsetzung der Ideen bereits fertig sind.

Entstanden sind drei multimediale Führungen, in deren Genuss Menschen beim Gang durch das Kultur- und Industriedenkmal entweder mit ihren Smartphones, ihren Tablets oder Leihgeräten kommen können. „Also wie im Louvre?“, fragte Bürgermeister Michael Plettenberg – und erntete ein zustimmendes Nicken von Nau, der natürlich keine Einwände gegen den Vergleich der Amöneburger Neuerung mit dem renommierten Pariser Museum hatte. Fest installierte Touchscreens seien allerdings nicht infrage gekommen, sagte er – das sei angesichts der Tatsache, dass die Mühle noch arbeitet und dabei natürlich Mehl aufgewirbelt wird, nicht praktikabel umsetzbar gewesen.

Ein paar Bildschirme gibt es aber doch: Dort können sich die Gäste Filme und Fotos ansehen oder sich andere Informationen geben lassen – was aber natürlich auch über die portablen Geräte möglich ist. Drei Führungen gibt es: Eine führt an acht ausgewählten Stationen vorbei, an denen insgesamt 22 unterschiedliche Infodateien warten. Sie dauert insgesamt rund 100 Minuten. Die zweite Führung ist speziell auf „Technik-Freaks“ ausgerichtet, wie Nau herausstellt. Sie wartet mit zahlreichen Details zur Funktionsweise, den Bestandteilen und einem Diorama der Mühle auf. Führung drei soll barrierefrei sein und ist virtueller Natur, da die verschiedenen Stockwerke der Mühle nicht erkundbar sind, ohne Treppenstufen zu erklimmen oder zwischenzeitlich den Kopf einzuziehen. Diese virtuelle, von Profis gemachte und moderierte Führung lässt sich beispielsweise via Beamer und Leinwand in der umgestalteten Mühlenscheune schauen. Dies könnten auch Familien nutzen, die lieber auf einen großen als auf viele kleine Bildschirme schauen wollen, so Nau.

Stilecht möchte Kleinschmidt vor die Bildschirme Mehlsäcke als Sitzgelegenheiten stellen – und vielleicht auch noch Säcke unterschiedlichen Gewichts aufstellen, damit die Besucher ausprobieren können, was so ein Müllermeister durch seine Mühle schleppen muss. Inzwischen sind die Säcke meist 25 Kilo schwer – früher seien aber auch 50 oder gar 75 Kilo üblich gewesen. Junge Besucher dürfen sich an Fünf-Kilo-Exemplaren versuchen. Er denkt auch darüber nach, in die unterschiedlichen Silos noch Ausstellungsgegenstände zu stellen. Licht ist bereits installiert, freut er sich und kündigt zudem noch eine Rallye durch die Mühle für Kinder an. Insgesamt zeigt er sich überglücklich, dass er die Einrichtung der Technik des 21. Jahrhunderts entsprechend den Menschen präsentieren kann. „Es gibt aber noch viele Geschichten, die unsere Mühle erzählen kann“, betont er – die Weiterentwicklung des Kultur- und Industriedenkmals sei also noch nicht abgeschlossen.

Rund 82 000 Euro hat das Projekt gekostet. Veranschlagt waren rund 100 000 Euro, doch die Mitglieder des Brücker Vereins sorgten durch ihre Eigenleistungen für riesige Einsparungen – und das, obwohl die Gelder aus Fördermitteln kamen. Wahrscheinlich können Gäste in Kleinstgruppen das neue Angebot ab dem 18. April (nach vorheriger Anmeldung) nutzen – das ist aber von der weiteren Entwicklung der Corona-Pandemie abhängig.

Weitere Informationen und Anmeldung via E-Mail an info@brueckerverein.de

Von Florian Lerchbacher

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