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Ostkreis Mountainbiker zerstören junge Bäume
Landkreis Ostkreis Mountainbiker zerstören junge Bäume
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13:55 16.06.2020
Mitten durch den Wald werden die sogenannten Trails illegal angelegt, mit fatalen Folgen für die Natur. Quelle: Mattias Sandrock
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Wolferode

„Wir wollen keine Konfrontation, wir wollen Kommunikation“, sagt Revierförster Mattias Sandrock gleich als erstes beim OP-Besuch. Denn nach dem schweren Unfall mit einem Mountainbiker einen Tag vor Himmelfahrt sieht das Forstamt Kirchhain Handlungsbedarf.

Immer mehr illegale Wege, sogenannte Trails, gibt es mittlerweile im Wolferoder Forst. Und das mitten durchs Unterholz, mitten durch die Naturverjüngung, mitten durch die Kinderstuben der Wildtiere. Und es werden jedes Jahr mehr. „Aber gerade jetzt während der Corona-Pandemie nimmt es echt Überhand“, hat Mattias Sandrock festgestellt. Jungen Bäumen werden einfach die Äste abgeschnitten. Steht der Baum im Weg, wird er nicht selten sogar abgesägt. Es werden illegale Rampen und Sprungschanzen gebaut, an denen sich die Wildtiere verletzen können. Nicht selten führen die sogenannten Trails auch durch Gebiete mit sehr sensiblen Pflanzen, wie beispielsweise Orchideen oder aber es wird die gewollte Naturverjüngung einfach platt gefahren.

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Wildtiere erschrecken sich

„Durch die hohe Geschwindigkeit erschrecken sich die Wildtiere“, weiß der Revierförster um die gefährlichen Auswirkungen gerade jetzt in der Brut- und Setzzeit. „Manche Vögel sind so sensibel, die verlassen ihr Nest und kehren nicht wieder zurück“, erklärt Mattias Sandrock und ergänzt: „Wenn sich Spaziergänger langsam nähern und dabei normal miteinander reden, dann können Tiere das viel besser erkennen und einschätzen. Wenn aber so ein Radfahrer in hoher Geschwindigkeit wie aus dem Nichts an ihnen vorbeirauscht, dann ist der Schreck groß. Zumal es ja meist nicht bei einem Radfahrer bleibt.“ Denn oft treffen sich die Mountainbiker in Gruppen und das in jeder Altersklasse. Über Apps auf dem Smartphone wird für die Routen sogar Werbung betrieben, so dass auch Auswärtige die Trails abfahren können. Denn neue Strecken sind immer herausfordernder, als bereits bekannte. Diese Erfahrung hat das Forstamt mit den fest ausgewiesenen Trails in Burgholz und Marburg gemacht. „Anfangs wurden sie gut angenommen, mittlerweile sind sie wohl langweilig geworden“, so Forstamtsleiter Bernd Wegener auf OP-Nachfrage.

Doch nicht nur die Pflanzen- und Tierwelt leidet unter den Mountainbikern. Auch Fußgänger, die auf den öffentlichen Wegen unterwegs sind, werden von den Radfahrern überrascht, weil deren illegale Strecken oft diese Wege kreuzen. Ebenso haben sich einige Jagdpächter schon beschwert, dass sie ihre Jagd aufgrund der Mountainbiker abbrechen mussten. Manche haben lange Anfahrtswege, außerdem müssen die Abschusszahlen erreicht werden.

Der Spaß einiger hat somit große Auswirkungen auf viele. „Wir haben nichts gegen diesen Trendsport im Wald“, betont Bernd Wegener vom Forstamt. Wenn er auf den ausgewiesenen befestigten Wegen stattfinde, „und nicht auf Matschwegen oder gar selbst angelegten“. Er wünscht sich Gespräche mit den Sportlern, um mit ihnen die Wegführung möglicher Trails im Vorfeld zu besprechen, damit der illegale Eingriff in die Natur ein Ende hat. „Das Waldökosystem ist sensibel und das Sicherheitsrisiko enorm hoch. Da sind solche Rennen und Touren einfach zu gefährlich. Nicht nur für die Fahrer sondern auch für alle anderen Waldnutzer“, appelliert Bernd Wegener an die Sportler.

Die illegalen Bauwerke werden übrigens sofort vom Forstbetrieb eingerissen, wegen der Verkehrssicherungspflicht. Das Hessische Waldgesetz sieht eine Strafe von bis zu 1000 Euro bei Verstößen gegen die Waldregeln vor. Und das Absägen von Bäumen oder deren Ästen sowie das anlegen von illegalen Bauwerken ist eine Ordnungswidrigkeit im Sinne dieses Gesetzes. „Aber soweit wollen wir gar nicht gehen“, betont Mattias Sandrock noch einmal, der auch auf Gespräche hofft.

Von Katja Peters

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