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Ostkreis Kureta: "Ausgepresst und abgewickelt"
Landkreis Ostkreis Kureta: "Ausgepresst und abgewickelt"
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15:00 23.11.2019
Die Verwaltung von Kureta in Stadtallendorf: Das Werk soll kommenden Juni geschlossen werden. Die Mitarbeiter hoffen, dass bis dahin nicht weitere Maschinen abgebaut werden. Quelle: Tobias Hirsch
Stadtallendorf

Am Mittwoch, 20. November, informierte der Betriebsrat gemeinsam mit Astrid Rasner, Gewerkschaftssekretärin der IGBCE, die Belegschaft über die Situation, nachdem der Mutterkonzern FoamPartner nicht nur angekündigt hatte, dass das Stadtallendorfer Werk kommenden Juni geschlossen wird – sondern auch in einer Nacht- und Nebelaktion rechtswidrig zwei Maschinen abgebaut hatte.

Im Gespräch mit der OP sind die Kureta-Mitarbeiter nicht nur verunsichert, „sondern auch zutiefst enttäuscht“, wie eine Frau zusammenfasst. „Wir halten der Firma seit vielen Jahrzehnten die Treue – und jetzt sind wir einfach überflüssig. Das macht uns extrem traurig und wütend“, sagt sie.

Die Entscheidung, dass der Betrieb nun abgewickelt werde, könne niemand verstehen, denn: „Die Auftragsbücher sind voll. Und jetzt, wo uns zwei Maschinen fehlen, können wir die kaum abarbeiten“, sagt ein anderer Mitarbeiter.

"Das ist der Hammer"

Ein Betriebsratsmitglied ist auch vom Verhalten der Geschäftsleitung enttäuscht: „Wir hatten am Donnerstag noch unser Monatsgespräch – da hat man nichts gemerkt. Dann haben wir Schluss gemacht, denn es hieß, dass nachmittags der Strom abgestellt wird.“ Angeblich wegen Arbeiten am Nachbarhaus.

„Am nächsten Tag kamen wir zurück – und erfahren von der Schließung. Das ist ein Hammer.“ Seit Monaten würden Überstunden gemacht, „ich komme seit Jahren jeden Samstag“, sagt eine Mitarbeiterin. Doch nun entstehe der Eindruck, man habe die Mitarbeiter ausgepresst, um den Betrieb jetzt abzuwickeln.

Für Astrid Rasner ist klar: „Egal, wie sich die Mitarbeiter angestrengt haben, um das Werk aufrechtzuerhalten – es war alles umsonst. Dass das Werk geschlossen wird, das ist einfach unmenschlich.“ Sie wolle den Kontakt zu weiteren Industriebetrieben in der Region suchen, um die Mitarbeiter unterzukriegen.

Juristisches Nachspiel wegen Abbau der Maschinen?

Doch einige sagen im Gespräch mit der OP, dass sie in einem Alter seien, wo es schwer wird, etwas Neues zu finden. „Ich werde nächste Woche 60“, sagt eine Mitarbeiterin – und zuckt nur resigniert mit den Schultern.

Mitte Dezember werde das Werk zwei Wochen lang geschlossen – wie jedes Jahr. „Wir hoffen nur, dass dann keine weiteren Maschinen abgebaut werden“, so die Mitarbeiter. „Denn jetzt trauen wir der Geschäftsleitung alles zu.“

Wird denn der schon erfolgte Abbau der Maschinen noch ein juristisches Nachspiel haben? „Das prüfen unsere Juristen gerade, die Entscheidung steht noch aus“, sagt Rasner.
Sie hat einen wichtigen Rat für die Mitarbeiter: „Sie sollten nichts unterschreiben, was ihnen vorgelegt wird – sondern erst mit uns sprechen.“ Bisher habe es aber noch kein Angebot von Aufhebungsverträgen gegeben.

von Andreas Schmidt