Menü
Oberhessische Presse | Ihre Zeitung aus Oberhessen
Anmelden
Ostkreis Mit vielen Aufgaben in die Zwangspause
Landkreis Ostkreis Mit vielen Aufgaben in die Zwangspause
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
12:58 18.03.2020
So sonst das Leben tobt, ist es dieser Tage merklich still: auf dem Gelände der Alfred-Wegener-Schule. Quelle: Foto: Michael Rinde
Anzeige
Kirchhain

Sehr viele, aber beileibe nicht alle Schüler versammelten sich am Montagmorgen in und teilweise auch vor der Alfred-Wegener-Schule. Schulleiter Matthias Bosse hatte eigentlich ein gewisses Durcheinander erwartet. Doch dazu kam es nicht. Alles sei sehr geordnet abgelaufen und gegen 10.30 Uhr habe auch der letzte Schüler die AWS wieder verlassen, berichtet Bosse im Gespräch mit der OP.

Bei diesem letzten Zusammentreffen vor mindestens fünf Wochen Schulausfall und Osterferien war es vor allem darum gegangen, die unterrichtsfreie Zeit zu planen, sprich, Kindern und Jugendlichen Material und Aufgaben an die Hand zu geben. All das musste an der Schule mit insgesamt rund 1600 Schülern und etwa 150 Lehrern und Referendaren innerhalb eines Wochenendes organisiert werden. Bosse selbst erfuhr vom Erlass zuerst aus dem Fernsehen, ein Novum, das aber die gesamte Dynamik der Corona-Krise zeigt.

Anzeige

Selbstständiges Lernen kommt zum Tragen

Selbstständiges Lernen ist Teil vieler Schulkonzepte. Jetzt kommt es in noch nicht gekannter Weise zum Tragen. „Wir gehen jetzt auf einen Schlag in die Digitalisierung“, sagt Bosse. Am Montag stimmten Schüler und Lehrer vor allem miteinander ab, wie sie in Kontakt bleiben werden: per E-Mail, auf eigenen Plattformen oder eben per Telefon zum Beispiel. „Einen Computer hat nicht jeder Schüler greifbar, ein Handy aber in aller Regel schon“, erklärt Bosse, warum es so wichtig sein wird, verschiedene Kanäle zu nutzen, um Verbindung zu halten.

Auch nicht jeder Lehrer wolle auf Computer, Internet und Co. setzen, sondern telefonisch Verbindung halten. Kontakt halten, ohne direkten Kontakt von Angesicht zu Angesicht zu haben, lautet sinngemäß die Devise. Wichtig wird das besonders bei jüngeren Schülern sein. Die werden neue Aufgaben brauchen, werden den Dialog mit ihren Lehrern benötigen, vielleicht auch nur, um wie im Unterricht um Hilfe zu bitten. Gesundheit und Sicherheit kämen zuerst, gleich danach folge jetzt die Betreuung der Schüler. Eines lässt sich aber nicht leisten: Die Schüler bekommen keine Noten für die erledigten Aufgaben, eine Leistungsbewertung erfolgt nicht. Sie ist bei diesen neuen Wegen des Lernens und Arbeitens „auf Abstand“ weder möglich noch sinnvoll aus Bosses Sicht.

100 Schüler starten Donnerstag ins Abitur

Etwa 100 Abiturienten beginnen jetzt mit ihren schriftlichen Prüfungen. Morgen fangen sie an. Bosse ist sich sicher, dass sich die Klausuren wie geplant schreiben lassen. „Ich habe jetzt auch Platz und Lehrer genug, um die Abstände zwischen den Schülern so groß wie möglich zu gestalten“, sagt der Leiter der größten Schule im Landkreis. Gleich darauf, nach den Ferien, stehen Abschlussprüfungen für andere Schulzweige an. Die mündlichen Abiturprüfungen sind in Kirchhain dann vom 15. bis 19. Juni vorgesehen.

Zur Betreuung ihrer Schüler aus der Ferne kommen für die Lehrer noch weitere Aufgaben, die jetzt abgearbeitet werden, natürlich immer unter Beachtung aller Empfehlungen zum Schutz vor Ansteckung. So muss etwa der Auszug aus dem Oberstufengebäude organisiert werden, das saniert wird. Oder es gibt Arbeit in der Halle Süd, wo es eine Baustelle gab. Langeweile gibt es, so ist es bei Matthias Bosse deutlich rauszuhören, beileibe nicht in diesen Tagen. Dienstversammlungen oder Konferenzen gibt es natürlich nicht. Es geht jetzt auch per Telefon oder E-Mail. „Alles mit Abstand eben“, formuliert es Bosse.

Der Schulleiter appelliert allerdings auch an die Schüler, vernünftig zu bleiben, sich eben nicht in großen Gruppen zu treffen und damit Ansteckungsgefahren unnötig zu erhöhen.

Von Michael Rinde

17.03.2020
16.03.2020
15.03.2020