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Ostkreis Al-Wazir rät zu schnellen Prüfungen
Landkreis Ostkreis Al-Wazir rät zu schnellen Prüfungen
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20:00 29.11.2021
Das Bild zeigt einen fabrikneuen Triebwagen der Schönbuchbahn in Baden-Württemberg, die 1996 erfolgreich reaktiviert wurde.
Das Bild zeigt einen fabrikneuen Triebwagen der Schönbuchbahn in Baden-Württemberg, die 1996 erfolgreich reaktiviert wurde. Quelle: Landkreis Böblingen
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In Sachen Wiederbelebung oder Reaktivierung der Ohmtalbahn gibt es grundsätzliche Rückendeckung aus dem hessischen Verkehrsministerium – und zwar von Minister Tarek Al-Wazir (B90/Die Grünen) selbst. Auf Anfrage der OP erklärte Al-Wazir unter anderem: „Die Perspektiven für die Reaktivierung stillgelegter Bahnstrecken verbessern sich gerade erheblich, weil der Bund jetzt hohe Fördermittel von bis zu 90 Prozent gewährt und auch bei der Kosten-Nutzen-Berechnung neue Maßstäbe anlegt.“

Deshalb rate er den beiden Kreisen, als nächsten Schritt zusammen mit dem Rhein-Main-Verkehrsverbund (RMV) möglichst bald eine vertiefende Machbarkeitsuntersuchung in Auftrag zu geben. Das hessische Verkehrsministerium erläuterte im Gespräch mit der OP, dass bei künftigen Prüfungen für eine Reaktivierung auch der Faktor, was ein Projekt für den ländlichen Raum leisten kann, berücksichtigt wird. Dies könnte der Ohmtalbahn in der Zukunft nutzen.

Es ist eine bis zu 90-prozentige Förderung solcher Vorhaben durch den Bund möglich, eine Befristung gibt es beim Verkehrsinfrastruktur-Finanzierungsgesetz nicht.

Wie diese Zeitung vergangene Woche berichtete, kommt eine Vorstudie zum Ergebnis, dass es gute Chancen für eine Reaktivierung der Strecke zwischen Burg-Niedergemünden und Kirchhain gibt, wenn man eine attraktivere Vogelsbergbahn dabei berücksichtigt und den Zugverkehr „durchbindet“.

Das bedeutet eine durchgängige Verbindung der Ohmtalbahn bis zum Oberzentrum Marburg ohne Umstieg in Kirchhain. Die Bürgermeister von Amöneburg, Kirchhain und Stadtallendorf begrüßen die Ergebnisse ausdrücklich. Auf die Unterstützung der Städte, Gemeinden und der beiden Landkreise dürfte es in den nächsten Wochen auch entscheidend ankommen, um die nächsten Schritte gehen zu können.

Rund 26,1 Millionen Euro, so die erste Einschätzung des Gutachterbüros, könnte eine Reaktivierung der Ohmtalbahn kosten – allerdings käme noch die Brückeninstandsetzung im stillgelegten Teil der Trasse hinzu. Minister Al-Wazir verweist auf eine positive Voraussetzung: Ein günstiger Umstand sei, dass der Regionalplan Mittelhessen für weite Teile der stillgelegten Strecke eine Trassensicherung vorsähe, sodass die Reaktivierung dort Vorrang vor anderen Nutzungen genösse.

Gute Signale aus dem Vogelsbergkreis

Im Vogelsbergkreis hat sich der Bauausschuss des Kreistages mit den Ergebnissen der Vorstudie beschäftigt und unterstützt demnach einstimmig vertiefende Untersuchungen. Im Nachbarkreis liegen wohl auch die größten Herausforderungen. So plant die Stadt Homberg (Ohm) einen Radweg auf der stillgelegten Trasse und dem historischen Eisenbahnviadukt. Außerdem ist ein kleiner Trassenabschnitt von 75 Metern an das Unternehmen Kamax verkauft worden.

Manfred Görig, der Landrat des Vogelsbergkreises, erklärte am Montag (29. November) in einer Pressemitteilung des Kreises Marburg-Biedenkopf, dass man bei einem positiven Votum der Gremien an den RMV und das Land herantreten werde, um die Ohmtalbahn auf die Liste der Reaktivierungsvorhaben in Hessen nehmen zu lassen. Es folgte eine vertiefende Machbarkeitsstudie. Das wäre dann schon Mitte nächsten Jahres denkbar. Eine Position, die auch der heimische Vizelandrat Marian Zachow teilt. Auch er hält den Auftrag für die vertiefende Machbarkeitsstudie Mitte 2022 für möglich. „Aber auch da gilt der Grundsatz, dass Gründlichkeit vor Schnelligkeit geht“, sagt Zachow gegenüber der OP. Es sei sinnvoll, jetzt entsprechende Gespräche miteinander zu führen. Er selbst habe auch Kontakt mit dem Verkehrsministerium und der „Taskforce Reaktivierung“ bei der Deutschen Bahn aufgenommen.

Als Paradebeispiel für eine erfolgreiche Reaktivierung gelten unter anderem die Kurhessenbahn, also die Strecke Korbach-Frankenberg, oder die Schönbuchbahn im Raum Böblingen. Dort lagen die Fahrgastzahlen zwischenzeitlich sogar um das Vierfache über den optimistischsten Prognosen.

Von Michael Rinde

29.11.2021
26.11.2021