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Ostkreis Kinder im Dorf schätzen neue Treffs
Landkreis Ostkreis Kinder im Dorf schätzen neue Treffs
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14:00 20.06.2022
Kinder aus Schweinsberg und aus der Ukraine geflüchtete Kinder spielen gemeinsam vor dem Bürgerhaus, wo sich auch der frühere Jugendraum befindet.
Kinder aus Schweinsberg und aus der Ukraine geflüchtete Kinder spielen gemeinsam vor dem Bürgerhaus, wo sich auch der frühere Jugendraum befindet. Quelle: Stadtjugendpflege Stadtallendorf
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Stadtallendorf

Einige ukrainische Flüchtlingsfamilien mit Kindern und Jugendlichen haben ihr Quartier in Schweinsberg gefunden. Das animierte die Stadtallendorfer Stadtjugendpflege noch einmal zusätzlich, dort ihre Angebote hochzufahren. „Nach Corona sind wir nach wie vor dabei, die Jugendarbeit in den Stadtteilen wieder auszubauen“, sagt Stadtallendorfs Stadtjugendpfleger Sebastian Habura im Gespräch mit der OP. So entstand ein donnerstäglicher Jugendtreff im früheren Jugendraum.

Junge Kriegsflüchtlinge haben wenig Interesse

Seit Mai gibt es diese Termine, bei denen zum Beispiel gespielt, gewandert oder gebastelt wird. Oder bei denen gemeinsam Sport getrieben wird. Allerdings ist das Interesse bei jungen ukrainischen Kriegsflüchtlingen offenbar begrenzt. Kamen zum ersten Termin im Mai zehn Kinder und Jugendliche aus der Ukraine und weitere zehn aus Schweinsberg, so hat sich das inzwischen verändert. In Schweinsberg hat sich das Angebot herumgesprochen, immer mehr Kinder und Jugendliche aus dem Ort nähmen teil, berichtet Sebastian Richter von der Jugendpflege. Noch immer gesellen sich einzelne ukrainische Kinder hinzu.

Woran liegt es, dass das Interesse bei den Flüchtlingskindern nachgelassen hat? Stadtjugendpfleger Habura kann darüber derzeit nur spekulieren. In der Ukraine gäbe es keine klassische Jugendarbeit, für die Kinder und die Jugendlichen seien solche Angebote neu. Außerdem käme hinzu, dass die jungen Flüchtlinge häufig schnell sehr ausgelastet seien.

Sie besuchten morgens eine Schule vor Ort und ließen sich nachmittags digital von ihrer Heimatschule unterrichten zum Beispiel. „Es ist derzeit völlig anders als beispielsweise bei der Flüchtlingskrise 2016/2017, bei der uns Flüchtlinge aus Syrien und Afghanistan beinahe überrannt haben“, so der Diplom-Sozialpädagoge. Kontakt zu Jugendlichen aus dem von Russland überfallenen Land bekommt die Jugendpflege aber auch beim Boxcamp im Südstadtkiosk. Dass dort ukrainische Jugendliche von teilweise russischstämmigen Trainern begleitet werden, sei bisher überhaupt kein Problem gewesen, erläutert Habura. Für den noch jungen Schweinsberger Jugendtreff gibt es Lob. „Die Arbeit der Jugendpflege kommt gut an. Sie stärkt das Miteinander der Jugendlichen in Schweinsberg und das Wir-Gefühl“, so der Eindruck von Ortsvorsteher Reinhard Estor. Der Stadtjugendpfleger gibt dieses Lob zurück: „Schweinsberg läuft aus unserer Sicht super“, so Habura über das Interesse.

Jugendtreffs

Folgende Kinder- und Jugendtreffs finden aktuell statt: Schweinsberg: donnerstags von 16 bis 18.30 Uhr für Kinder von 8 bis 12 Jahren; mittwochs von 18.30 bis 20.30 Uhr Billard-AG (ab 8 Jahre). Beides im früheren Jugendraum; Erksdorf: montags 15 bis 16.30 Uhr Jugendtreff für Kinder von 8 bis 12 Jahren im Jugendraum; Hatzbach: dienstags von 15 bis 16.30 Uhr für Kinder von 8 bis 12 Jahren, für Jugendliche ab 13 Jahren von 17 bis 19 Uhr. Die Angebote finden nicht in den Ferien statt. 

Um den ukrainischen Kindern und Jugendlichen die Angebote nahezubringen, verteilte die Jugendpflege über die Verwaltung bereits vor Wochen ein Ganzjahresprogramm in deutscher und ukrainischer Sprache.

Auch in anderen Stadtteilen gibt es das Angebot inzwischen, etwa in Hatzbach und Erksdorf. „Wir haben dort begonnen, wo das Interesse vorher besonders groß war“, erklärt der Stadtjugendpfleger. Aus Niederklein, dem größten Stadtteil, gibt es aber inzwischen auch Rückmeldungen von Vereinen und Interesse an Jugendtreffs. Dort bewegt sich also auch etwas. Außerdem läuft ein Kunstprojekt. Ute Grigoleit von der Stadtjugendpflege ist regelmäßig auf Stadtallendorfer Spielplätzen unterwegs, alle 14 Tage auf einem Spielplatz in den Stadtteilen. Das kommt ebenfalls gut an bei Jugendlichen vor Ort.

Zurückhaltung bei festen Jugendclubs in Stadtteilen

Wäre es nicht sinnvoll, zumindest perspektivisch wieder auf feste Jugendklubs in allen Stadtteilen zu setzen? Sebastian Habura ist zurückhaltend. „Wir wollen die Selbstverantwortung der Kinder und Jugendlichen langsam wieder hochfahren, deshalb ist das jetzt noch kein Thema für uns“, antwortet er. Ausnahme ist Erksdorf, wo ein eigener Verein mit festen Ansprechpartnern dahintersteht. „Wir möchten die Kontrolle behalten und wissen, wem wir Schlüssel zu den Räumen geben“, antwortet er.

Von Michael Rinde