Menü
Oberhessische Presse | Ihre Zeitung aus Oberhessen
Anmelden
Ostkreis Dreck und Lärm nervt Anlieger
Landkreis Ostkreis Dreck und Lärm nervt Anlieger
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
14:00 31.08.2021
Ein leerer Lastzug fährt durch die Lehmkaute, um weiteren Erdaushub zu holen.
Ein leerer Lastzug fährt durch die Lehmkaute, um weiteren Erdaushub zu holen. Quelle: Michael Rinde
Anzeige
Neustadt

Viele seien im Moment „einfach obersauer“. So beschreibt es ein Bewohner der Straße Lehmkaute, die L 3071, die durch Neustadt verläuft. Über die Lehmkaute und die Marburger Straße verlaufen seit einigen Monaten die Erdaushubtransporte der A49-Baustellen. Täglich sind das mehr als 200 Lastzüge. Besonders bei Regenwetter gibt es ein Problem. Egal ob beladen oder leer, die Baustellenfahrzeuge sind nie ohne Dreck an Reifen und Auflieger unterwegs. Außerdem verursachen sie natürlich entsprechenden Lärm, wenn sie durch Schlaglöcher fahren. „Das macht je nachdem ordentliche Schläge“, sagt der Anwohner.

Überraschend kamen die Erdtransporte natürlich nicht. Im Planfeststellungsbeschluss für den A49-Abschnitt ist diese Route bereits festgelegt. Doch Ausmaß und die Folgen für Bewohner der beiden genannten Straßen werden den Betroffenen natürlich erst jetzt, in einem zudem verregneten Sommer, bewusst. Betroffene berichten von verdreckten Bürgersteigen, Dreck auf den Fenstern und Staub auf den Fassaden.

Auch die Stadt Neustadt ist alarmiert. Im Rathaus sind in den vergangenen Tagen und Wochen immer mehr massive Beschwerden von Anwohnern der Lehmkaute eingegangen, wie Bürgermeister Thomas Groll der OP berichtet. Noch in seinem Urlaub hatte er Kontakt mit den Bauunternehmen aufgenommen. Zwar sieht Groll, dass das Unternehmen sich darum bemüht, die Fahrbahnen sauber zu halten.

Doch sagt er auch grundsätzlich: „Die Menschen in der Lehmkaute und an der Marburger Straße können nichts dafür, dass sie an der Route für die Erdarbeiten leben, wir müssen sehen, wo wir ihnen noch helfen können.“ Beispielsweise will Groll in Gesprächen nach Möglichkeiten suchen, ob die Gehwege auch einmal in der Woche mitgereinigt werden könnten. Auch das Thema Fassaden will er weiterverfolgen. Er hoffe sehr, dass der Verkehr bald über die Trasse läuft und nicht mehr durch Neustadt erfolgen müsse, wird Groll deutlich.

Lkw teils zu schnell

Er wisse auch, dass viele Menschen durch die Entwicklungen in Niederwald ermutigt worden seien, sich zu äußern, sagt ein weiterer Bewohner der Lehmkaute der OP. In Niederwald hatten sich durch die tägliche Lkw-Belastung Probleme auf der Kreisstraße und rund um das frühere Abbaufeld entwickelt. Dort hatten sich alle Verantwortlichen an einen Tisch gesetzt und Lösungen gesucht. Bis der Lkw-Verkehr über die Trasse laufen könnte, dauert es noch etwas. Nach Angaben der A-49-Autobahngesellschaft voraussichtlich noch bis zum nächsten Frühjahr.

Die Kehrmaschine sei in ständigem Einsatz, um die Fahrbahn sauber und verkehrssicher zu halten, heißt es von der Autobahngesellschaft. Verantwortlich sind dafür die Firmen der Bauarbeitsgemeinschaft. Gleichzeitig wirbt die Autobahngesellschaft darum, ihr eine gewisse Reaktionszeit einzuräumen, wenn es zu Schmutz auf der Fahrbahn kommt, etwa bei Regen.

Bei zwei Besuchen der OP an der Lehmkaute fiel außerdem auf, dass sich mehrere unbeladene Lastzüge sehr beeilten, schnell wieder zu ihren Baustellen zurückzukommen. Sie fuhren augenscheinlich deutlich schneller als die erlaubten 50 Stundenkilometer. Die Autobahngesellschaft betont, dass sie ihre Nachunternehmen eindringlich und ständig darauf hinweise, die Verkehrsvorschriften einzuhalten. „Demzufolge sollten die Lkw-Fahrer das in ihrem Fahrverhalten entsprechend befolgen“, erklärt eine Sprecherin der Autobahngesellschaft gegenüber der OP.

Noch nicht schlecht genug

Noch etwas treibt viele Neustädter um, der Straßenzustand in der Lehmkaute. Sie verstehen nicht, warum die Fahrbahn nicht gleich mitsaniert wurde, als Hessen Mobil die Landesstraße nach Speckswinkel erneuerte. Dieser Abschnitt fiel offenbar nicht unter die aktuelle Prioritätenliste bei den Landesstraßen, wie Hessen Mobil erläutert. Aber: „Sollte sich der Fahrbahnzustand des Streckenabschnitts in der nächsten Zeit schlechter entwickeln als angenommen, wird Hessen Mobil diesen erneut fachlich bewerten“, erklärt Sprecherin Sonja Lecher. Für solche Fälle gebe es finanzielle Puffer beim Land. Nach Ende der Lkw-Erdtransporte wird Hessen Mobil den Fahrbahnzustand in jedem Falle erneut untersuchen, auch in Speckswinkel.

Es hat auch eine Beweissicherung gegeben vor Beginn der Transporte, veranlasst von der Projektgesellschaft Deges. Sie übernimmt für den Bund Verantwortung für den A-49-Weiterbau, ist also „Vorhabenträger“. Sonja Lecher erläutert, dass es im Planfeststellungsbeschluss zur Autobahn auch eine klare Festlegung gibt, das Schäden auf Straßen und Wirtschaftswegen beseitigt werden müssen.

Von Michael Rinde