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Ostkreis Käßmann schreibt über Freundschaft
Landkreis Ostkreis Käßmann schreibt über Freundschaft
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17:29 03.02.2020
Zahlreiche Besucher der Lesung ließen sich im Anschluss ihr Buch von Margot Käßmann signieren. Quelle: Klaus Böttcher
Stadtallendorf

Lag es daran, dass Margot Käßmann eine gebürtige Stadtallendorferin ist, oder daran, dass sie eine in Deutschland beliebte Pfarrerin und Buchautorin ist? Oder interessieren sich einfach viele Menschen für Freundschaften?

Egal aus welchem Grund: Es waren so viele Zuhörer in die Kirche gekommen, dass die Organisatoren noch Stühle herbeiholen mussten, damit alle einen Sitzplatz bekamen. Veranstalter war das Familienzentrum „ConAct“ und der dahinter stehende Verein Jumpers.

Die stets freundlich strahlende Leiterin der Einrichtung in der ehemaligen Herrenwaldkirche, Marielene Höflich, stellte die Begegnungsstätte für Kinder, Jugendliche und Familien kurz vor und überließ dann Margot Käßmann das Podium im Altarraum der Kirche.

Stadtallendorf kommt im Buch vor

Zum Einstieg in die Lesung widmete sie sich dem alten Lied: „Ein Freund, eine guter Freund, das ist das Beste, was es gibt auf der Welt.“ Sie sang es nicht, aber erklärte: Was einst schon Heinz Rühmann sang, habe noch immer Gültigkeit.

Die ehemalige Ratsvorsitzende der evangelischen Kirche in Deutschland betonte: „Freundschaft ist eines der ganz großen Lebensthemen. Wer wirklich gute Freunde hat, weiß dies zu schätzen. Sie geben uns Kraft, sind ein kostbarer Schatz.“

Eine Stunde lang stand die über 60 Jahre alte Pfarrerin und Mutter von vier Töchtern am Stehtisch mit dem Buch in der Hand. Sie las einige Stellen aus ihrem Buch vor, aber dann plauderte sie in lockerer Art sehr interessant über Freundschaften – auch aus ihrem Leben. Dabei sparte sie auch ihre Heimat nicht aus: Stadtallendorf komme auch im Buch vor.

Freundin Alma kennt sie seit 34 Jahren

Käßmann stellte Fragen, die sie selbst beantwortete: „Was ist eigentlich Freundschaft? Wie entstehen Freundschaften? Wann werden Bekannte zu Freunden oder zu guten Freunden?“

Ein gutes Beispiel für langjährige Freundschaft lieferte sie aus ihrem Leben. Ihre Freundin Alma habe sie als junge Pfarrerin kennengelernt. In der 34 Jahre währenden Freundschaft habe sie deren Kinder getauft und den Mann beerdigt.

Es ließen sich aber auch auf anderen Wegen Freundschaften schließen: Beim Joggen am Maschsee sei es ihr so ergangen. Beim Laufen könne man sich prächtig unterhalten, beteuerte sie – auch wenn das auf Kosten der Leistung gehe: Ihre Jogging-Freundin habe eines Tages gesagt, dass sie noch viel schneller sein könnte, wenn sie nicht so viel erzählen würde.

Lehrreiche Kindergeschichten

Locker und teils humorvoll begeisterte Margot Käßmann ihre Zuhörer: Sie benannte Vorbilder für Freundschaften aus der Historie, der Literatur oder dem Film. Selbst biblische Vorbilder zählte sie auf, wie Elisabeth und Maria, David und Jonathan oder Jesus selbst.

Kindergeschichten, in denen es um Freundschaft gehe, könnten auch für Erwachsene lehrreich sein, erklärte die erfahrene Seelsorgerin und nannte als Beispiel „Oh wie schön ist Panama“ mit Bär und Tiger.

Vertrauen, Verlässlichkeit, das gemeinsame Erleben und die Zeit, die man miteinander verbringe, bezeichnet Käßmann als Voraussetzungen für das Gelingen einer Freundschaft. Im Buch schreibt sie auch vom Geben und Nehmen, vom Beglückenden, dem Faszinierenden und dem Bereichernden guter Freundschaften.

Buchvorrat schnell ausverkauft

Sie geht aber auch auf das Betrauern verlorener Freundschaften ein. Die kostbare Zeit schöner Erlebnisse und die Angst um die Freundin oder den Freund, wenn Krisen oder Krankheiten kommen beschreit sie in dem Buch ebenso wie das Erkennen falscher Freunde. „Manchmal entstehen Freundschaften spontan, aber manchmal weiß ich auch nach drei Minuten, wir werden keine Freunde“, sagte sie.

Die Veranstaltung wurde musikalisch umrahmt von Philip Schütz, dem Leiter der evangelischen Sing- und Musikschule Stadtallendorf, am Klavier. Als er am Ende das Lied „Von guten Mächten wunderbar geborgen“ spielte, sangen sehr viele Besucher mit.

Viel Gedränge gab es anschließend an einem Stand, an dem die Besucher Käßmanns Buch kaufen und es von ihr signieren lassen konnte. Allerdings gingen etliche Gäste leer aus, weil die Buchvorräte sehr schnell zu Ende gingen – was die Autorin selbst sehr bedauerte.

von Klaus Böttcher