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Ostkreis Sanierung, Neubau oder Kleinigkeit?
Landkreis Ostkreis Sanierung, Neubau oder Kleinigkeit?
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12:00 15.06.2022
Am Zustand des Gebäudes der Kita Mardorf scheiden sich in der Kommunalpolitik die Geister.
Am Zustand des Gebäudes der Kita Mardorf scheiden sich in der Kommunalpolitik die Geister. Quelle: Foto: Florian Lerchbacher
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Mardorf

Die Amöneburger Kommunalpolitik hat im Gebäude der Kita Mardorf ein neues Streitobjekt. Die Fraktionen haben dafür gemeinsam einen mehrere Punkte umfassenden Antrag entwickelt – für den Bürgermeister Michael Plettenberg nach einem Austausch mit einem Sachverständigen wenig Verständnis hat.

Auslöser war eine Ortsbegehung, die aus Anlass geplanter Umbauarbeiten stattgefunden hatte, wie CDU-Fraktionsvorsitzender Jan-Gernot Wichert berichtete. Dabei seien den Stadtverordneten erhebliche Feuchtigkeitsschäden im Keller sowie im Sanitärbereich im Erdgeschoss aufgefallen. Zudem fehle der Außenfassade eine vernünftige Dämmung und die Fenster seien in die Jahre gekommen, ergänzte er. Im Antrag der Fraktionen ist auch von Schimmel die Rede.

Es habe sich die Frage ergeben, wie mit dem Haus umgegangen werden solle, so Wichert: „Ergebnis war ein Prüfantrag, dessen Ziel es ist, zukunftssicher entscheiden zu können.“ Die Fraktionen beauftragen den Magistrat daher, eine „Gesamtbestandsaufnahme“ zu machen und notwendige Investitionen für die kommenden Jahre zu kalkulieren und sich dabei unter anderem mit der Dämmung, der Haustechnik und der Trockenlegung zu befassen.

Feuchtigkeitsschäden befürchtet

Zudem sollen die Kosten für einen eventuellen Neubau berechnet werden. Markus Dörr (CDU) resümierte, es möge kalkuliert werden, was eine Kita „Stand 2020“ koste – derzeit sei das Gebäude eher „Stand 1970/1980“. Christoph Grimmel (SPD) erinnerte daran, dass in den vergangenen Jahren viel Geld in das Haus investiert worden sei.

Das sei gut und richtig gewesen, Befürchtung sei aber, dass durch die Feuchtigkeitsschäden hohe Kosten auf die Stadt zukommen.

Auch Bürgermeister Plettenberg hat Befürchtungen: Es sei nicht gut, Personal und Familien zu verunsichern. Er berichtete von einer Begehung mit einem Gutachter, der im Keller und im Flur des 1964 eingeweihten Gebäudes jeweils eine Stelle entdeckt habe, „die Schimmel sein könnte“. Daher solle eine Raumluftuntersuchung erfolgen. Ansonsten gebe es keine Verdachtsfälle.

Im Erdgeschoss seien an zwei Fenstern Stellen entdeckt worden, die aber „nichts Besonderes“ seien und höchstens „Schönheitsreparaturen“ notwendig machten: „Der Gutachter sagte mehrmals das Wort ,Kleinigkeit’. Es besteht keine Gefährdung für Kinder und Personal.“ Die Feuchtigkeit im Keller sei altersbedingt und er halte höchstens eine grundlegende Sanierung für notwendig – aber keinen Neubau, der seinen Recherchen zufolge vier bis fünf Millionen Euro kosten würde.

Vergleichszahlen gefordert

Ein Wert, den die Stadtverordneten anzweifelten. Der Rathauschef erklärte noch, das Bauamt könne ohne externe Unterstützung keine Kalkulation notwendiger Investitionskosten erstellen, denn Sanierungsplanungen in Spezialgebäuden wie Kitas erforderten Fachkenntnisse – dafür „genehmigten“ die Stadtverordneten letztendlich finanzielle Mittel in Höhe von 10 000 Euro. Zudem schlug er vor, für einen Neubau Vergleichszahlen zu nutzen – dem stimmten die Parlamentarier zu.

Größter Streitpunkt war neben der Frage, wie schlimm die Feuchtigkeitsschäden sind oder sein könnten, jedoch das Thema „aktuelle Baumaßnahmen“.

„Akute Instandsetzung“ sowie bereits beauftragte Projekte dürfen umgesetzt werden. Über alles andere sollen die Mitglieder des Haupt- und Finanzausschusses entscheiden. Hintergrund ist, dass die Stadt eigentlich unter anderem den Krippen- beziehungsweise Schlafraum um das Leiterinnenbüro und den Besprechungsraum erweitern und mit einem zusätzlichen Ausgang versehen wollte. Zudem wollte sie das Dachgeschoss ausbauen und dort die unten wegfallenden Räume einrichten.

Ein Projekt, das rund 100 000 Euro kosten sollte – und Auslöser der Begehung durch die Stadtverordneten war. „Wir sollten hier kein weiteres Geld versenken“ sowie „kein gutes Geld bei schlechtes Geld werfen“ waren die Formulierungen, die Markus Dörr wählte, um das Bauprojekt vorerst zu verhindern.

Von Florian Lerchbacher