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Ostkreis Ein Dorfladen (fast) wie ein Weihnachtsmarkt
Landkreis Ostkreis Ein Dorfladen (fast) wie ein Weihnachtsmarkt
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19:00 24.10.2021
Kristin Schick eröffnet am 27. November einen etwas anderen Dorfladen.
Kristin Schick eröffnet am 27. November einen etwas anderen Dorfladen. Quelle: Foto: Florian Lerchbacher
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Mardorf

Aus einem Hobby entwickelte Kristin Schick eine Geschäftsidee, die in Städten bereits umgesetzt wird, in kleinen Ortschaften aber immer noch ein Novum ist: Sie will Ende November in der Ledergasse einen „kreativen Dorfladen“ eröffnen, in dem sie Produkte anbietet von Menschen aus der Region – die zuvor bei der Mardorferin ein Regalbrett, einen Kleiderständer oder vielleicht auch nur ein kleines Kistchen anmieten, um ihre Waren präsentieren zu können.

Den Wunsch nach einem Laden habe sie schon lange, erinnert sich Schick und berichtet, für Freunde beispielsweise Birkenlaternen hergestellt zu haben. Immer mehr Menschen bekamen das mit, die Nachfrage stieg – und eines Tages habe sie sich gedacht, dass sie ein Geschäft gründen könnte, in dem sie selbstgemachte Produkte verkaufen könnte. Nicht nur von ihr, sondern auch von anderen Kunsthandwerkern aus der Region. Es gebe schließlich viele kreative Menschen in der Umgebung, die zum Beispiel auf Weihnachtsmärkten ihre Waren anbieten – und die dadurch, dass Corona Veranstaltungen dieser Art in den vergangenen anderthalb Jahren nahezu unmöglich machte, nach neuen Wegen suchten, um sich zu vermarkten.

„Da sind so viele tolle Sachen dabei“, schwärmt Schick, die ihre Pläne in sozialen Medien teilte und bereits zahlreiche Interessenten gewann: von Kerzen aus Bienenwachs über Säfte, Liköre, Seifen oder Grußkarten bis hin zu Kinderbekleidung: „Und das alles aus der näheren Umgebung – zum Beispiel aus Anzefahr, Mardorf oder Roßdorf.“ Und selbst aus Marburg kommen Produkte: Die Mardorferin wird für die Bettina-von-Arnim-Schule Holzbretter verkaufen, die in der Werkstatt der inklusiven Einrichtung hergestellt werden.

Der Dorfladen soll auch ein Treffpunkt sein

Schick hofft, dass ihr Konzept auf dem Dorf aufgeht. Vorteile seien beispielsweise, dass ihr kreativer Dorfladen zentral und in der Nähe der Hauptverkehrsstraße liege, über ausreichend Parkplätze verfüge, gut erreichbar und außerdem barrierefrei sei. „Außerdem liegt er für viele auf dem Weg zur Schule oder in die Kita“, betont die Mutter von drei Kindern, die noch einen weiteren Plan hat: Sie möchte auch Schulmaterialien anbieten, denn die seien auf dem Dorf nicht zu bekommen – würden aber eben oft und meist auch möglichst spontan und schnell benötigt.

Zunächst möchte die Mardorferin ihren Laden nebenberuflich montags, mittwochs und freitags zwischen 14 und 18 Uhr öffnen. Sie könne sich aber gut vorstellen, die Zeiten zu erweitern, wenn das Angebot gut angenommen werde. Zudem plant sie, eine Last-Minute-Box einzurichten: Kunden sollen die Möglichkeit bekommen, sie in Not- beziehungsweise besonderen Fällen telefonisch außerhalb der Öffnungszeiten zu kontaktieren, wenn sie beispielsweise noch ein Geschenk benötigen. Sie können dann entweder einen konkreten Wunsch äußern oder sich inspirieren oder schlicht helfen lassen. Das ausgewählte Produkt kommt dann in eine Box mit speziellen Zugangsdaten, sodass die Kunden sich die Waren abholen können, wann immer sie diese benötigen.

Ihr Dorfladen soll schließlich nicht nur ein Geschäft sein, sondern auch ein Ort, an dem die Bürger zusammenkommen. Daher gibt es auch die Idee, Kaffee und andere Getränke anzubieten und eine Bank oder andere Sitzgelegenheiten aufzustellen – doch das ist noch Zukunftsmusik. Bereits vor dem zukünftigen Laden hat Schick derweil einen Schrank eingerichtet, der als Bücher(tausch)börse fungiert.

Aussteller können Regalbretter mieten

Kunsthandwerker beziehungsweise Lebensmittelhersteller können Regalbretter oder andere Ausstellungsflächen mieten, die je nach Größe und Position unterschiedlich viel kosten. Schick nimmt nur die Miete, aber keine Provision. Ihr Mann Marcus Steller entwickelt derzeit eine spezielle App, über die die Aussteller sehen können, welche ihrer Produkte bereits verkauft sind und wo Nachschub vonnöten ist. Die Mindestmietzeit soll ein Monat sein. Einen Flohmarkt soll es nicht geben, wohl aber die Möglichkeit, beispielsweise „das gut erhaltene Erbe der Großmutter“ zu verkaufen beziehungsweise verkaufen zu lassen.

Eigentlich wollte Kristin Schick ihren „kreativen Dorfladen“ im Januar 2022 eröffnen. Aufgrund des guten Feedbacks und zahlreicher Nachfragen rund ums anstehende Weihnachtsgeschäft hat sie diesen Plan inzwischen geändert und peilt den 27. November für die Einweihung an.

Weitere Informationen gibt es unter www.schickristin.de

Von Florian Lerchbacher