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Ostkreis Baugebiet mit Botschaften
Landkreis Ostkreis Baugebiet mit Botschaften
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13:08 23.09.2021
Aus Grünland wird Bauland – aber das Baugebiet ist, wie Bürgermeister Michael Plettenberg betont, ein „ökologisches“.
Aus Grünland wird Bauland – aber das Baugebiet ist, wie Bürgermeister Michael Plettenberg betont, ein „ökologisches“. Quelle: Foto: Florian Lerchbacher
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Mardorf

Nach einigen Diskussionen gaben Amöneburgs Stadtverordnete grünes Licht für den Bebauungsplan für das Neubaugebiet „Bei der Schindkaute“ in Mardorf – mit 15 Ja-Stimmen, vier Enthaltungen und einer Nein-Stimme. Im Mittelpunkt standen dabei verschiedene Botschaften, die den Kommunalpolitikern am Herzen lagen.

Die Firma Geißler Infra soll dort ein „bedarfsorientiertes Wohngebiet, vorrangig zur Deckung des Eigenbedarfs“ erschließen und vermarkten. 23 Bauplätze mit einer durchschnittlichen Größe von 640 Quadratmetern sollen entstehen. Bürgermeister Michael Plettenberg berichtete während der Versammlung unter anderem noch einmal, dass die Stadt sich intensiv mit dem Ortsbeirat ausgetauscht habe, es bereits rund 25 Interessenten gebe, die Verkehrserschließung ein schwieriges Thema gewesen sei, aber nun geklärt ist und der Anschluss ans Nahwärmenetz geprüft wurde, für die Nahwärmeinitiative im Dorf aufgrund der voraussichtlich sehr energieeffizienten entstehenden Gebäude aber nicht rentierlich sei und daher nicht umgesetzt werden könne.

Aber erstmalig werde dort eine Solarpflicht eingeführt. Zudem erinnerte er daran, dass ein Carsharing-Projekt initiiert wird. Seine Botschaft: „Das ist ein gutes und ökologisches Baugebiet.“

Jan-Gernot Wichert, Fraktionsvorsitzender der CDU, freute sich, dass noch Fehler im „Durchführungsvertrag“ notariell berichtigt wurden. Die Christdemokraten regten noch an, Glasfaserkabel in die Häuser verlegen zu lassen. Die Botschaft seiner Fraktion: Der Magistrat soll auf die Umsetzung achten – was durch einen Ergänzungsantrag unterstrichen wird.

Der CDU-Stadtverordnete Markus Dörr ärgerte sich über die Fehler im ursprünglich vorgelegten Vertrag. Seine Botschaft lautete durch seine auch nach der Korrektur ablehnende Haltung, dass diese nicht zu verzeihen sind: „Ich bin vom Hauptamt enttäuscht.“

Die Grünen um Angelika Forst stellten heraus, dass ein Neubaugebiet Flächenversiegelung bedeute und die Gesellschaft so nicht weitermachen könne – auch wenn ihr bewusst sei, dass die Nachfrage in Mardorf nach Bauplätzen groß sei. Ihre Botschaft für die Zukunft: „Wir müssen neue Wege gehen.“ Wie diese aussehen sollen, wisse sie aber auch noch nicht.

Die SPD um Christoph Grimmel betonte, dass das Baugebiet nicht mit dem Versuch konkurriere, Baulücken zu schließen. Außerdem sagten die Politiker den vornehmlich jungen Interessenten schon lange, dass sie geduldig sein sollten und Baugebiete ausgewiesen würden. Seine Botschaft: „Politik muss verlässlich sein.“

Die FWG segnete den Antrag ebenfalls ab. Dieter Schick stellte heraus, dass niemand leichtfertig über Flächenversiegelung entscheide und auch viele Parlamentarier sich um die Natur sorgten. Natürlich werde Ackerland versiegelt und bebaut, das dann „verloren ist“ – und so könne es nicht weitergehen. Aber es gebe derzeit Notwendigkeiten, denen Rechnung zu tragen sei. Seine Botschaft: „Wir müssen den Menschen erklären, warum wir in Zukunft anders vorgehen sollten.“

In Roßdorf sind Planungen noch nicht so weit

Anschließend widmeten sich die Stadtverordneten noch der Aufstellung eines vorhabenbezogenen Bebauungsplanes für das Gebiet „Am Grenzgraben“ in Roßdorf. Dort sind die Planungen also noch lange nicht so fortgeschritten wie in Mardorf. Es gibt um die 30 Interessenten. Die Stadtverordneten ließen dem Antrag hinzufügen, dass ein Baulücken- und Leerstandskataster erstellt und beachtet werden und die Stadt sich deutlich aktiver um Baulücken und das Vermitteln von Leerständen kümmern soll. Ein Hintergrund ist, dass in der Dorfentwicklung deutlich die Innen- vor der Außenentwicklung festgehalten ist. Das Neubaugebiet stehe allerdings dazu in keiner Konkurrenz, betonten Stadtverordnete und Stadt unisono.

Auf Antrag der CDU ließen die Stadtverordneten außerdem noch festhalten, dass Nachhaltigkeitsaspekte beachtet werden sollten. Außerdem kommt es erst dann zum Entwurfsbeschluss, wenn ein Leerstandskataster vorliegt.

Von Florian Lerchbacher

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