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Ostkreis Die „MT“ meldet sich zurück
Landkreis Ostkreis Die „MT“ meldet sich zurück
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12:00 11.03.2022
Ullrich Eitel, Geschäftsführer der Marburger Tapetenfabrik, steht vor einer wieder laufenden Produktionsmaschine.
Ullrich Eitel, Geschäftsführer der Marburger Tapetenfabrik, steht vor einer wieder laufenden Produktionsmaschine. Quelle: Michael Rinde
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Kirchhain

Die Produktion in der Marburger Tapetenfabrik (MT) läuft nach dem verheerenden Großfeuer Anfang Dezember vergangenen Jahres wieder an – zunächst allerdings noch im Probebetrieb. Das betrifft vor allem die Abluftreinigung, die sogenannte thermische Nachverbrennung. Alle Abgase aus der Produktion durchlaufen diese Nachverbrennung, die die Schadstoffe aus der Luft herausholt. Während des Probebetriebes erfolgen andauernde Schadstoff- und Luftstrommessungen, die Feineinstellung sozusagen, bei der auch die Konstanz der Anlage geprüft wird. „Am Ende ist die Luft, die dort herauskommt, sauberer als in einem Besprechungsraum“, wählt Ullrich Eitel einen Vergleich. Er ist geschäftsführender Gesellschafter der MT.

Gut zwei Monate lang ruhte die Produktion der Kirchhainer „MT“ nach dem riesigen Brandschaden. Die Mitarbeiter in der Produktion wurden über die Versicherung bezahlt. Dank des gut gefüllten Hochregallagers sei das Unternehmen aber im Dezember und Januar weiter voll lieferfähig geblieben, sagt Ullrich Eitel. Aktuell seien die Auftragsbücher gut gefüllt, was aber vor allem den Rückständen aus dem Produktionsstillstand geschuldet sei. Um diesen Rückstand zügig aufzuholen, arbeitet die Belegschaft in der Produktion aktuell sogar im Vier-Schicht-Betrieb, was auch der Tatsache geschuldet ist, dass derzeit in Teilen ein Probebetrieb erforderlich ist. Der dauert noch bis August voraussichtlich. „Das gibt uns Zeit, alle Auflagen sicher abzuarbeiten“, erklärt Eitel im Gespräch mit der OP.

Wässrige Lösungen statt Kunststoffe

Explosion und Großbrand hatten die Rohrleitungssysteme für die Abluft – die thermische Nachverbrennung – an jenem 2. Dezember besonders schwer getroffen. Viele Leitungen seien einfach geborsten, erläutert Diplom-Ingenieur Eitel.

Nach mehr als zwei Monaten der Planungen und des Wiederaufbaues verbreitet er aber ausdrücklich Zuversicht. „Wir kommen wieder zu voller Blüte“, betont er mit Blick auf das Unternehmen. Denn natürlich habe die MT diese Katastrophe auch genutzt, um sich teilweise neu aufzustellen. Beispiel Nachhaltigkeit: Der Aufbau der Tapeten aus Kirchhainer Produktion ändert sich, Kunststoffe werden ersetzt durch wässrige Lösungen, das erhöhe die Umweltfreundlichkeit bei gleicher Qualität, erklärt der Geschäftsführer. Produktionsabläufe sind modernisiert worden und werden auch noch sicherer, sagt Eitel. Auch am Brandschutz hat das Kirchhainer Familienunternehmen zusammen mit Experten weiter gearbeitet und Lehren aus den Ereignissen am 2. Dezember gezogen – in Absprache mit den Fachbehörden.

Doch vor dem Neustart gab es den Kraftakt. Allein 30 Schlosser von Fachfirmen arbeiteten wochenlang im Unternehmen, um die Rohrsysteme und die Produktionsanlagen zu erneuern, zu warten, umzubauen. Produktionseinheiten wie Waschanlagen mussten neu geplant und errichtet werden. Eine ganz große Herausforderung war dabei auch die sachgerechte Reinigung von Maschinen und Gebäuden nach diesem verheerenden Feuer. „Allein die Reinigung hat einen siebenstelligen Betrag gekostet“, erklärt Eitel. Mehr als 100 Arbeitskräfte seien bis Ende Februar im Einsatz gewesen, einige seien heute noch im Unternehmen, um Restarbeiten zu erledigen.

Ein dunkler Schatten zur Unzeit

Bei aller Freude über das Wiederanlaufen der Produktion gibt es aber einen dunklen Schatten zur Unzeit. Die Kirchhainer MT hat in der Vergangenheit 27 Prozent ihres Umsatzes mit Russland, der Ukraine und Weißrussland eingefahren.

Seit Anfang dieser Woche ruht dieses Geschäft nun komplett, wie Ullrich Eitel erläutert. Gleichwohl bezieht der Unternehmer ganz klar Position: „Mir ist es am wichtigsten, dass der Frieden in dieses Land zurückkehrt.“ Angesichts der Gesamtsituation beim Osteuropa-Geschäft mit den genannten Ländern macht sich Eitel aber auch nichts vor: Die Rückkehr zu normalen Verhältnissen werde dauern.

Großbrand in der "MT"

Am Abend des 2. Dezembers erschütterte eine Explosion oder Verpuffung Kirchhain, ausgehend von der Marburger Tapetenfabrik (MT). Rund 250 Feuerwehrleute aus dem gesamten Kreisgebiet verhinderten im Kampf gegen den ausgebrochenen Großbrand in der Nacht zum 3. Dezember noch Schlimmeres.

Die Brandursachenermittlung sei noch nicht abgeschlossen, erklärt Ullrich Eitel, der geschäftsführende Gesellschafter der MT, im Gespräch mit dieser Zeitung. Klar sei, dass es sich nicht um vorsätzliche Brandstiftung oder ein menschliches Fehlverhalten gehandelt habe, sondern um einen technischen Vorfall. Bei dem Unglück erlitten drei Mitarbeiter des Unternehmens Rauchgasvergiftungen. 

Hier sehen Sie das Video vom Großbrand:

Von Michael Rinde