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Ostkreis Lars Schäfer gibt sein Amt im Vorstand ab
Landkreis Ostkreis Lars Schäfer gibt sein Amt im Vorstand ab
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20:00 18.07.2022
Lars Schäfer (Mitte) gibt den Staffelstab weiter an Matthias Zeidler und Annette Teuber. 
Lars Schäfer (Mitte) gibt den Staffelstab weiter an Matthias Zeidler und Annette Teuber.  Quelle: Florian Lerchbacher
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Kirchhain

32 Jahre lang war Lars Schäfer Vorstandsmitglied des Kreisfeuerwehrverbandes, die vergangenen 16 Jahre fungierte er dabei als Vorsitzender. Am Sonntag (17. Juli) stellte er sich nicht mehr zur Wahl – ebenso wie sein Stellvertreter Maik Klein (der nicht an der Veranstaltung teilnehmen konnte). „Es ist Zeit für einen Generationswechsel, für Menschen, die ihren eigenen Weg gehen“, betonte Schäfer und animierte die Feuerwehrkameradinnen und -kameraden aus dem Landkreis, auch den neuen Vorstand so unterstützen, wie es in seiner Zeit der Fall gewesen sei. Die Nachfolge des Führungsduos treten Matthias Zeidler (Marburg) und Annette Teuber (Niederwalgern) an – doch die Fußstapfen sind tief. „Ihr habt Euch sehr verdient gemacht um den Verband“, sagte beispielsweise Kreisbeigeordneter Marian Zachow in Vertretung des erkrankten Landrates und stellte heraus, dass Schäfer und Klein schon Feuerwehrarbeit gemacht hätten, „als hinter Amöneburg noch die Dinosaurier herumliefen“. Ähnlich lobende Worte fand Dirk Bamberger, Feuerwehrmann und Landtagsabgeordneter in Personalunion: Im Innenministerium sei kein Kreisbrandinspektor als so sozialorientiert und hartnäckig bekannt, wie Schäfer es ist. „Auch wir hatten es nie einfach miteinander. Aber: Wir haben immer nach vorne gestritten – für unsere Feuerwehren. Denn am Ende zählt das Ergebnis.“

Eine launige Laudatio hielt Carsten Lauer, Kreisbrandinspektor des Hochtaunuskreises und alter Freund Schäfers. Er blickte kurz auf die Feuerwehrkarriere der beiden Männer zurück, bezeichnete sie mit Verweis auf die Chemie als „Doppelbindung“ und betonte beim Stadtallendorfer Klein, dass dieser schon in der Jugend zu den Brandschützern gestoßen sei und es später kaum abwarten konnte, möglichst schnell alle Lehrgänge zu absolvieren. Er lobte seine „bewusst zurückhaltende Schaffenskraft“, durch die er der perfekte Begleiter Schäfers gewesen sei: „Maik Klein ist ein ganz Großer in der Feuerwehr.“

Über seinen „Zwillingsbruder“ Schäfer berichtete Lauer, dass dieser in Ockershausen bei der Feuerwehr angefangen habe, schnell stellvertretender Zugführer, Kreisjugendwart und Sozialwart geworden sei und schon als junger Mann die Wehrführung in Marburg-Mitte übernommen habe. Nicht zu vergessen, dass Schäfer zudem stellvertretender Kreisbrandinspektor und später Kreisbrandinspektor wurde. Lauer nannte Schäfer einen „zielgerichteten Terrier“, der humor- und aufopferungsvoll sei. „Das Wirken von Lars Schäfer und Maik Klein im Kreisfeuerwehrverband in den vergangenen drei Jahrzehnten war Championsleague.“

Wahlen und Ehrungen

Wahlen

Vorsitzender des Kreisfeuerwehrverbandes: Matthias Zeidler (Marburg), Stellvertreterin: Annette Teuber (Niederwalgern); Kassierer: Uwe Segendorf (Stadtallendorf); Pressewartin: Katrin Lang (Wiesenbach); Sozialwartin: Karina Gottschalk (Münchhausen); Beisitzer: Stefan Rotter (Angelburg), Niklas Zill (Kirchhain), Sabine Otto (Cölbe); Schriftführerin: Claudia Rink (Bad Endbach); Kassenprüfer: Martin Hedderich (Biedenkopf); Abteilungsleiter Senioren: Udo Wittekindt (Rauschenberg), Stellvertreter: Heinz Blum (Schweinsberg); Kassierer Seniorenabteilung: Jan Niklas Gade; Schriftführerin: Tanja Großbernd (Betziesdorf); Beisitzer Uwe Bielert (Neustadt).

Ehrungen

Ehrenzeichen des Kreisfeuerwehrverbandes in Bronze: Udo Kühbauch, Erich Lindner, Markus Wißmann, Annette Teuber, Volker Gerhardt, Kai Michael Koch, Carmen Werner, Florian Möbus, Kai Seidel, Jörg Hallenberger, Steffen Kütt, Philipp Büttner, Volker Vincon, Ulrich Weber.

In Silber: Torsten Mende, Harald Schulz, Stephan Schmidt, Wolfgang Martin, Karl-Ulrich Landmesser, Reiner Horak, Marcel Büttner, Cornelia Fackert, Matthias Zeidler, Heiko Paul, Reinhold Bonacker, Markus Herrmann, Patrick Pfeifer, Frank Heck.

In Gold: Ralf Prior, Jörg Fackert, Stefan Rutz.

Ehrenkreuz der Deutschen Feuerwehr in Silber: Christian Reifert.

Florianmedaille der Hessischen Feuerwehr: Heiko Paul.

Dem schlossen sich die Feuerwehrleute im Festzelt an. Sie zeichneten Schäfer nicht nur mit dem Ehrenkreuz des Deutschen Feuerwehrverbandes in Gold aus, sondern ernannten ihn – nach ihrem Dank für Lebensgefährtin Christine Schwalb für jahrelange Entbehrungen – auch noch zum Ehrenvorsitzenden ihres Verbandes und spendeten Standing Ovations und tosenden Applaus. „Du bist eine Größe für uns“, sagte Schäfers Nachfolger Matthias Zeidler und wurde ebenso wie rund 200 weitere Festzeltgäste Zeuge eines Novums: Schäfer war nicht nur sichtlich gerührt, sondern auch sprachlos.

Schäfer: Ehrenamt braucht Wertschätzung

Ein letztes Mal vor seinem Ausscheiden als Vorsitzender des Kreisfeuerwehrverbandes trug Lars Schäfer den Jahresbericht vor – und sparte, wie gewohnt, nicht an Kritik. So ärgerte er sich beispielsweise, dass die Feuerwehren als „freiwillige Fegewehren“ bei der Entfernung von Ölspuren „missbraucht“ würden, weil Straßenbaulastträger es nicht hinbekämen, eine funktionierende Rufbereitschaft zu organisieren.
Vor allem in Richtung des Landes sparte er nicht an Kritik. Er monierte, dass die Feuerwehren als „kritische Infrastruktur“ gelten – in der Impfreihenfolge in Sachen Corona aber an Position drei eingestuft wurden: „Anerkennung sieht anders aus!“ Ganz anders sei es aber zugegangen, als Lockerungen anstanden: „Plötzlich nahm uns die Politik des Landes wieder als überkritische Infrastruktur wahr. Und als rund um uns Vereine und Initiativen bereits wieder Angebote machen durften, waren wir verpflichtet, den Dienstbetrieb weiter einzuschränken und bloß nicht zu lockern.“
Im weiteren Verlauf sagte Schäfer: „Ehrenamt ist motiviert, wenn man Ehrenamt zuhört, wenn man Ehrenamt ernst nimmt und wertschätzt.“ Es sei essentiell, die Basis zu hören und sich mit ihr auseinanderzusetzen: „Ein Tipp an alle Katastrophenminister dieser Welt: Behandelt uns ehrenamtliche Feuerwehrkräfte einfach so, wie Ihr auch behandelt werden wollt.“
In Richtung der Kommunen betonte Schäfer, dass die Brandschützerinnen und Brandschützer mit den notwendigen Mitteln ausgestattet werden müssen. Er rechnete vor, dass die Ehrenamtler im Jahr 2021 im Landkreis 2 499 Einsätze fuhren, dabei 33 910 Stunden im Einsatz waren – und den Städten und Gemeinden somit bei einem angenommenen Stundenlohn von 50 Euro fast 1,7 Millionen Euro sparten.
Doch der scheidende Vorsitzende sparte auch nicht am Lob: Vor allem denjenigen, die sich um den Nachwuchs der Feuerwehren kümmern, sprach er seine Bewunderung aus und stellte die Bedeutung ihrer Arbeit heraus.
Auf seine Rede folgte unter anderem noch die Entlastung des Vorstandes. Außerdem stimmten die Feuerwehrleute dafür, dass der Kreisfeuerwehrtag 2024 in Amönau stattfinden soll. Der Stadtteil von Wetter setzte sich dabei gegen Buchenau durch. Ein Ausrichter für den Kreisfeuerwehrtag 2023 wird noch gesucht.
Gabriele Schäfer-Langohr, Prokuristin der VR Bank Hessen-Land, überreichte im Verlauf des Kreisfeuerwehrverbandstages einen Spendenscheck in Höhe von 2 000 Euro. Mit dem Geld solle die Nachwuchsarbeit der Feuerwehren gefördert werden.

Von Florian Lerchbacher