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Ostkreis Mann schlägt Freundin mit Vibrator nieder
Landkreis Ostkreis Mann schlägt Freundin mit Vibrator nieder
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11:30 12.08.2019
Symbolbild: Ein Vibrator soll die Tatwaffe gewesen sein. Quelle: Britta Pedersen
Kirchhain

Die Staatsanwaltschaft warf in Person der Oberamtsanwältin dem Mann gefährliche Körperverletzung vor. Am 7. Oktober vergangenen Jahres soll er im Ostkreis um 6 Uhr in der Wohnung seiner schlafenden Freundin auf den Kopf geschlagen haben. Die zog sich dabei ein Hämatom zu. Ungewöhnlich ist die „Waffe“, die der Angeklagte nach dem Ergebnis der Beweisaufnahme benutzte: ein Vibrator.

Wie das Opfer im Zeugenstand berichtet, sei das Sexspielzeug aus Hartplastik gefertigt. Beim Schlag auf ihren Kopf sei das Teil auseinandergebrochen, sagte die Zeugin. Ihr Freund habe die Teile wieder zusammengesetzt, aber das Gerät sei nicht mehr funktionsfähig gewesen.

Bei Entziehungstherapie kennengelernt

Der Angeklagte bestritt die Tat. Er sei in dieser Nacht überhaupt nicht in der Wohnung gewesen. Sie war wohl wieder im Delirium und hat die Polizei gerufen, sagte der Angeklagte und unterstellte seiner Freundin, ­eine Schwäche für Polizeiuniformen zu haben. Sie habe ihn schon häufig belogen und angezeigt. Am anderen Tag sei er aus allen Wolken gefallen, als zwei Polizisten bei ihm aufgetaucht seien. Seine Freundin brauche dringend Hilfe, sei alkoholkrank und lebe in einem falschen Umfeld. Gleichwohl liebe er sie. Im nüchternen Zustand sei sie die beste Frau der Welt, sagte der Mann, der seine Alkoholsucht zuletzt vier Wochen lang in der Vitos-Klinik bekämpft habe.

Fast wortgleich würdigte das Opfer seinen Partner, der nüchtern ein liebevoller Mensch sei. Dessen Problem sei nicht nur der Alkohol, sondern auch das Pervitin, auf das er sehr aggressiv reagiere. Die Zeugin mutmaßte, dass der plötzliche Angriff auf sie unter dem Einfluss dieses Präparats erfolgt sei. Die Frau war sichtbar bemüht, mit ihren Aussagen ihrem Partner nicht zu schaden. Kennengelernt hatte sich das Paar unpassender Weise während einer Entziehungstherapie 2013.

Telefonisch bedroht

Die Strafrichterin und Amtsgerichtsdirektorin Andrea Hülshorst konfrontierte den noch nicht geständigen Angeklagten mit einer weiteren Anklageschrift. Danach soll der Angeklagte seine Freundin telefonisch bedroht haben: „Ich bring dich um. Ich ziehe dich an den Haaren aus der Wohnung. Ich schlag dich tot und prügele dich windelweich – den X. gleich dazu.“ Er könne sich nicht daran erinnern, diese Drohungen ausgesprochen zu haben, sagte der Angeklagte. Erst als die Richterin erklärte, dass die Aufzeichnung des Anrufbeantworters aktenkundig seien, knickte er ein.

Er habe alles gehabt und durch die Alkoholsucht alles verloren. Seit 2010 habe er immer wieder Entgiftungen gemacht. 2015 sei er sogar in die Obdachlosigkeit abgesunken, bekannte der Angeklagte. Warum er immer wieder Geldstrafen im Gefängnis abgesessen habe, wollte das ­Gericht wissen.

„Ich habe die Dinge einfach laufen lassen, erklärte und rang sich zum Schluss doch noch zu einem ­Geständnis durch: Es kann schon sein, dass es passiert ist.“

Sechs Monate Freiheitsstrafe

Tina Grün sah den Anklagevorwurf als bestätigt an. Der Vibrator sei ein gefährliches Werkzeug. Deshalb sei der Angeklagte wegen gefährlicher Körperverletzung zu verurteilen. Da Haftstrafen bei dem Delinquenten nicht fruchteten, warb die Oberamtsanwältin für eine achtmonatige Freiheitsstrafe, auf drei Jahre auszusetzen zur Bewährung. Bewährungsauflagen: Bewährungshelfer, 60 gemeinnützige Arbeitsstunden und fünf Sitzungen bei der Drogenberatungsstelle.

Andrea Hülshorst folgte im Urteil den Gedanken der Staatsanwaltschaft, ging aber mit dem Strafmaß zwei Monate unter den Antrag der Anklage. Sie gehe von einem minderschweren Fall aus. Der Vibrator sei ein gefährliches Werkzeug, sei aber nicht zwingend für solche Verletzungen geeignet. Außerdem habe der Angeklagte unter Alkoholeinfluss gestanden. Sie verurteilte den Angeklagten zu einer sechsmonatigen Freiheitsstrafe, auf drei Jahre zur Bewährung. Er wird einem Bewährungshelfer unterstellt, muss 60 gemeinnützige Arbeitsstunden ableisten und binnen sechs Monaten eine Entzugstherapie antreten. Das Urteil erlangte sofort Rechtskraft.

von Matthias Mayer