Menü
Oberhessische Presse | Ihre Zeitung aus Oberhessen
Anmelden
Ostkreis Maislabyrinth lädt zum Verlaufen ein
Landkreis Ostkreis Maislabyrinth lädt zum Verlaufen ein
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
10:00 22.08.2020
Da lang oder da lang? Welcher Weg ist der Richtige im Maislabyrinth in Mardorf? Neele (2) und Janne (7) diskutieren noch.
Da lang oder da lang? Welcher Weg ist der Richtige im Maislabyrinth in Mardorf? Neele (2) und Janne (7) diskutieren noch. Quelle: Tobias Hirsch
Anzeige
Mardorf

3,50 Meter misst der Mais an manchen Stellen – das ist gut dreimal so hoch wie Neele groß ist. Über der Zweijährigen strahlt die Sonne vom blauen Himmel, unter ihr liegt festgetretene Erde auf gut ein Meter Breite, neben ihr erstreckt sich grünes Pflanzendickicht. Mit ihrem Bruder Janne und den Großeltern besucht Neele das Maislabyrinth in Mardorf. Ein großes Abenteuer für das kleine Mädchen.

„Hier geht’s lang“, ruft die Zweijährige an der ersten Kreuzung und biegt links ab. „Da lang“, bestimmt der siebenjährige Bruder am nächsten Abzweig und zeigt nach rechts. Immer tiefer geht es in das 1,5 Hektar große Maisfeld hinein. Mal rechts herum, mal links herum und dann auf einmal im Kreis. Die Orientierung ist schnell verloren. Sah man anfangs noch die Amöneburg in der Ferne und die Bäume neben dem Feld, hat man nach wenigen Metern nichts als Maispflanzen um sich herum.

Die Pflanzen gesät und das Labyrinth angelegt haben Kathrin und Alexander Rhiel aus Mardorf. Das Ehepaar bewirtschaftet 55 Hektar Land im Amöneburger Becken, baut Raps, Gerste, Weizen, Zuckerrüben und eben Mais an. „Da entstand vor etwa zehn Jahren die Idee, in einem Maisfeld ein Labyrinth anzulegen“, berichtet Alexander Rhiel. Aus der Idee wurde mittlerweile ein fester Bestandteil im landwirtschaftlichen Jahresplan der Rhiels. Bereits zum neunten Mal haben sie Anfang August das Maislabyrinth eröffnet. Bis zur Ernte Ende September/Anfang Oktober können Besucher dort auf Schnitzeljagd gehen.

Rallye durch den Mais

Denn das Labyrinth ist nicht nur ein Irrgarten. Am Eingang gibt es Karten, auf denen neben Name und Adresse auch sechs Zahlen eingetragen werden können. Diese Zahlen finden die Besucher an sechs Stationen im Labyrinth. Wer alle eingetragen hat, wirft seine Karte am Ausgang in einen Briefkasten. Am Ende der Saison werden fünf Gewinner gezogen, die einen Preis bekommen.

Neele hat die Station 6 gefunden. Die Zahl muss nun auf der Karte notiert werden. Quelle: Tobias Hirsch

„Eigentlich hatten wir immer Stempel an den Stationen, aber wegen Corona läuft es dieses Jahr ein bisschen anders ab“, erklärt Alexander Rhiel. Nach Absprachen mit dem Gesundheitsamt und der Stadt Amöneburg durfte das Maislabyrinth öffnen, wenn die Corona-Regeln eingehalten werden. Deshalb muss jeder Besucher eine Karte ausfüllen. Dafür liegen Einwegbleistifte bereit. Die Karte dient nicht nur für die Rallye durchs Labyrinth, sondern darüber hinaus auch als Nachweis wer an welchem Tag im Labyrinth war, um Infektionsketten nachvollziehen zu können. Die Abstandsregeln könnten problemlos eingehalten werden, sagt Rhiel: „Es verläuft sich hier ganz gut.“

Jährlich zwischen 500 und 700 Besucher

Verlaufen ist das Stichwort. Auch Janne und Neele haben sich im Mais verlaufen. Die Zweijährige und ihr Bruder stehen an einer Kreuzung und wissen nicht, welchen Weg sie nehmen sollen. Rechts? Links? Oder doch geradeaus? „Waren wir da nicht schon“, fragt der Siebenjährige. Die Großeltern raten dazu, es mal links herum zu versuchen. Sackgasse. Also doch geradeaus.

Zwischen 500 und 700 Besuchern zählen Rhiels in ihrem Labyrinth jedes Jahr. Die Rückmeldungen seien durchweg positiv. „Es ist viel Arbeit, aber es macht auch viel Spaß“, sagt der 44-jährige Nebenerwerbs-Landwirt. Bereits im Frühjahr bei der Aussaat überlegt er, wie die Wege verlaufen sollen. Wenn die Pflanzen dann etwa zehn Zentimeter groß sind, geht er mit der Harke durch und entfernt alles, was auf den zukünftigen Wegen wächst. Danach heißt es warten bis der Mais hoch genug ist. Vor der Öffnung für die Besucher müssen die Wege noch mal frei geschnitten und die Stationen aufgebaut werden.

Das Maislabyrinth von Familie Rhiel liegt in einem Feld unterhalb der Amöneburg. Quelle: Tobias Hirsch

Die Wege und Irrwege erstrecken sich auf einer Gesamtlänge von rund 1,5 Kilometern. Nach gut einer Stunde haben Janne und Neele fast jeden Weg gefunden. Nur die Station 3 nicht. Die fehlt noch auf der Rallye-Karte. Weil die Luft raus ist, wird kurzerhand mit einer anderen Besucher-Gruppe getauscht. Dort fehlt nämlich die Zahl der Station 2. „Fertig“, ruft Neele stolz. Und Janne verkündet: „Ich kenn den Weg zum Ausgang. Da waren wir ja schon viermal!“

Hintergrund

Das Maislabyrinth wird von Kathrin und Alexander Rhiel aus dem Amöneburger Stadtteil Mardorf betrieben.

Zu finden ist es für die Besucher ganz leicht – aus Richtung Amöneburg kommend auf der linken Seite einige Hundert Meter vor dem Ortseingang Mardorf.

Das Labyrinth ist bis zur Maisernte täglich geöffnet.

Der Eintritt läuft auf Vertrauensbasis und kann am Eingang in eine entsprechende Kasse geworfen werden.

von Katharina Kaufmann-Hirsch

21.08.2020
21.08.2020
19.08.2020