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Ostkreis Eine Machbarkeitsstudie soll die Bahn überzeugen
Landkreis Ostkreis Eine Machbarkeitsstudie soll die Bahn überzeugen
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18:00 06.04.2022
Umrahmt von Ortsvorstehern und Magistratsmitgliedern unterschrieben Volker Haupt (RMV, von links), Vizelandrat Marian Zachow und Bürgermeister Olaf Hausmann den Kooperationsvertrag. Natürlich am möglichen neuen Haltepunkt-Standort.
Umrahmt von Ortsvorstehern und Magistratsmitgliedern unterschrieben Volker Haupt (RMV, von links), Vizelandrat Marian Zachow und Bürgermeister Olaf Hausmann den Kooperationsvertrag. Natürlich am möglichen neuen Haltepunkt-Standort. Quelle: Michael Rinde
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Anzefahr

Es ist ein klares Zeichen in Richtung der Bahn, dass es nicht nur die Gremien der Stadt Kirchhain ernst meinen mit einer Verlegung des Haltepunktes in Anzefahr. Hinter dieser Festlegung stehen neben dem Anzefahrer Ortsbeirat auch die aus Sindersfeld, Schönbach, Niederwald und Stausebach. Und auch der Rhein-Main-Verkehrsverbund (RMV) hat sich ebenso wie der Landkreis festgelegt. Eine reine Sanierung des Bahnhalts am alten Standort erscheint allen Beteiligten unsinnig. „Es wäre eine Verschwendung von Steuergeldern“, spitzt es Efrosini Kaioglidou vom Ortsbeirat Anzefahr und Stadtverordnete zu. Analog formuliert es Bürgermeister Olaf Hausmann: „Der jetzige Standort hat einfach keine Zukunft.“ Die Bahn selbst habe aber den Wunsch, an bisheriger Stelle zu bleiben, auch mit Blick auf die Fördergelder. Diese Gelder müssten aber bis Ende 2024 verbaut sein und sind nur für Sanierungen gedacht, nicht für Verlegungen, so sinnvoll sie auch sein sollten.

Den Kirchhainer Gremien ist bewusst, dass sie ein Risiko eingehen. Denn jetzt gäbe es die Gelder für eine Sanierung am alten Standort – wie es in der Zukunft aussieht, weiß noch keiner. Rund 5 Millionen Euro, so die früheren Kalkulationen, kostete eine reine Sanierung, eine Verlegung käme die Bahn wohl ungefähr genauso teuer. Ein neuer Standort ist längst gefunden. Er liegt am Mühlweg nahe der Brücke über die Main-Weser-Bahn. Dort gäbe es das, was dem bisherigen Standort komplett fehlt: Platz für Parkflächen, Möglichkeiten für eine Radweganbindung und auch für eine einfache Verknüpfung mit dem Busverkehr, etwa mit der Linie 75. Natürlich müsse bei einer Verlegung an dieser Stelle Grund und Boden gekauft werden, sei es von der Bahn oder vielleicht auch von der Stadt mit entsprechender Förderung.

Studie kostet rund 30.000 Euro

Um zu belegen, welches Plus dieser neue Standort dem Unternehmen Deutsche Bahn wie auch dessen Kunden brächte, gibt es jetzt eine Machbarkeitsstudie. Sie soll das Potenzial des neuen Standortes herausarbeiten, sprich vorausberechnen, wie viele zusätzliche Fahrgäste ein solcher Ortswechsel bringen könnte. Nicht nur Anzefahr wäre dabei einbezogen, sondern auch die angrenzenden Stadtteile. 99 Prozent aller Kommunen, so schätzt es Nahverkehrsdezernent Marian Zachow, hätten sich mit einer Sanierung am alten Standort zufriedengegeben. „Kirchhain war da klüger“, lobt er die Ohmstadt. Deshalb unterstützt er ebenso wie der RMV die Machbarkeitsstudie. Sie soll nun zügig erstellt werden, wie Volker Haupt für den Verkehrsverbund erläutert. Derzeit schreibe der RMV bereits Fachbüros an. Rund 30.000 Euro kostet die Studie. Der RMV übernimmt die Hälfte der Kosten, die andere Hälfte teilen sich der Landkreis und die Stadt Kirchhain. „Das hier ist eine vielleicht einmalige Chance“, meint Haupt. Zachow hält es für denkbar, dass Anzefahr am anderen Standort Mühlweg in der Zukunft vielleicht eine „Musterstation“ werden könnte.

Auch aus den Reihen der Ortsvorsteher kommt durchweg Lob für die Verlegungspläne. Sie sehen darin allesamt Chancen, dass Bürger aus ihren Orten die Bahn viel intensiver und vor allem einfacher nutzen könnten. Auch deshalb war es ihnen wichtig, bei der Unterschrift unter den Kooperationsvertrag in Sachen Studie mit vor Ort zu sein und „Flagge zu zeigen“.

Im zweiten Halbjahr soll die Machbarkeitsstudie vorliegen. Dann wird sich zeigen, ob die Einschätzungen der Verlegungs-Befürworter richtig sind. Derzeit gehört Anzefahr zu den wohl am schwächsten genutzten Haltepunkten an der Main-Weser-Bahn. Doch in Kirchhain ist man überzeugt, dass sich das nachhaltig ändern lässt. Aber nur mit einer Verlegung.

Von Michael Rinde

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