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Ostkreis Die größte Sorge gilt dem „Bobbes“
Landkreis Ostkreis Die größte Sorge gilt dem „Bobbes“
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11:55 27.07.2019
Der Brachter Lukas Geil (rechts) und sein Kumpel Felix Janson aus Wetzlar haben ihre Räder fast fertig bepackt. Nur die Helme fehlten den beiden beim Foto-Termin noch. Aber bei ihrer Tour durch Europa werden die angehenden Grundschullehrer natürlich welche aufsetzen. Quelle: Nadine Weigel
Bracht

Der Countdown läuft. In wenigen Stunden werden sie aufbrechen in ihr Rad-Abenteuer. Die Drahtesel sind gepackt. Ein letztes Mal checken Lukas Geil und Felix Janson ihre Ausrüstung: Neben Kochgeschirr, Zelt, Fahrradreparaturset ist den beiden 24-Jährigen aber eine kleine unscheinbare Tube am wichtigsten: die Gesäßcreme. Denn die zwei Kumpels haben nicht etwa Angst vor der Alpenüberquerung oder dem eventuell daraus resultierendem Muskelkater. Nein, die größte Sorge gilt dem „Bobbes“. „Ich glaube, dass uns unser Hinterteil ganz schön wehtun wird“, sagt Lukas Geil lachend.

Über die Pyrenäen

Der hochge­wachsene Brachter und sein Freund Felix aus Wetzlar sind beide durchtrainiert: Lukas spielt seit Jahren im Mittelfeld beim FV Bracht und ist Schiedsrichter. Felix hat schon fast alles gemacht: Handball, Fußball, Schwimmen und Sportkegeln zum Beispiel. Nur eines zählt nicht zu den regelmäßigen Aktivitäten der beiden: Fahrradfahren. Zumindest längere Strecken haben sie noch nicht im Sattel gesessen.

Aber lang wird ihre Radtour  auf jeden Fall werden. Um die 3.000 Kilometer wollen die beiden Freunde zurücklegen. Lukas startet am heutigen Samstag in Bracht und fährt erst einmal zu Felix nach Wetzlar. Am Sonntag fahren beide dort los – erst die Lahn entlang, dann weiter den Rhein entlang bis in die Schweiz. Dort wollen sie die Alpen überqueren und weiter nach Frankreich. Von Montpellier in Südfrankreich soll sie ihr Weg über einen Teil der Pyrenäen führen bis ins spanische Barcelona. Endziel ist Porto in Portugal.

Zwei Monate Zeit haben die angehenden Grundschullehrer nach ihrem Studium für dieses Abenteuer eingeplant, haben aber keinen Zeitdruck. Sollte die Reise eine Woche länger dauern, ist das für die beiden auch
kein Problem.

26.000 Höhenmeter stehen bevor

„Wir wollen so 70 bis 100 Kilometer am Tag schaffen, aber machen uns da keinen Stress. Wenn es uns irgendwo gut gefällt, bleiben wir auch gerne mal länger an einem Ort“, sagt Lukas, der neben seinem Studium als freier Journalist in der OP-Sportredaktion gearbeitet hat.

Schlafen wollen sie vorwiegend im Zelt, haben sich aber auch auf einer Couchsurfing-Website für Radfahrer angemeldet. Sie hoffen auf diese Weise vielleicht bei netten Menschen eine Übernachtungsmöglichkeit zu finden.
„Das wird sich schon regeln“, meint Felix, der das Abenteuer ganz entspannt angehen lässt. „Ich freue mich am meisten darauf, mal an nix denken zu müssen außer daran, wo wir an diesem Tag hinfahren werden“, lacht der 24-Jährige. 

Lukas freut sich am meisten auf die unbekannten Landschaften. Angst haben sie keine. Nicht vor Hitze oder Regen, nicht vor Gegenwind oder den 26.000 Höhenmetern, die sie voraussichtlich meistern müssen. Einziges Manko für Lukas: Er wird wohl seine Freundin Alicia ziemlich vermissen, wenn er sich das Zelt mit seinem Kumpel teilt.

von Nadine Weigel