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Ostkreis 5.000 Kilometer bis an die Algarve
Landkreis Ostkreis 5.000 Kilometer bis an die Algarve
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14:55 16.11.2019
Felix Janson (links) und Lukas Geil. Quelle: privat
Bracht

Knapp 5.000 Kilometer in 9 Wochen: Das ist die Bilanz der beiden Hobby-Radfahrer­ Lukas Geil und Felix Janson. ­Gemeinsam brachen die beiden Freunde Ende Juli auf, um mit ihren Bikes von Mittelhessen bis an die portugiesische Küste zu fahren. Nach ihrer Rückkehr sind die angehenden Grundschullehrer an einigen Erfahrungen reicher – und einige ­Kilogramm leichter.

Neun Kilos hat er in der Zeit verloren, sagt Lukas Geil, der aus Bracht kommt, dort Fußball spielt und in Gießen Grundschullehramt studiert hat. Dort lernte er auch seinen Kumpel Felix kennen. Gemeinsam mit einem weiteren Kommilitonen fuhren die beiden schon im vergangenen Jahr vom Bodensee zum Königssee. Als sich ihr Studium dem Ende entgegenneigte entschieden sich beide, eine weitere Radtour gemeinsam zu machen. Dass sie aber eine so weite Strecke zurücklegen würden, hätten die beiden Freunde vorher nicht gedacht.

Unser Video vor dem Start der Tour:

Eigentlich peilten sie etwa 3.000 Kilometer an, sagt Felix­ Janson, der aus dem Wetzlarer Stadtteil Naunheim kommt. Ihr Ziel, die Algarve im Süden Portugals, stand von Beginn an fest. Nicht aber die Route. Und so entschieden sie sich spontan, entlang der spanischen Küste zu fahren, anstatt mitten durchs Land (siehe Grafik). Einerseits, weil die Fahrradwege in Spanien schlechter waren als gedacht, und andererseits, „weil wir schlecht geplant haben“, gibt Felix zu

Die schlechte Planung im Vorfeld machte sich vor allem bei Lukas bemerkbar. Während sich Felix extra für die Tour ein ­gebrauchtes Tourenrad zulegte,­ dachte Lukas, dass sein altes Trekkingrad für die Reise reicht. „Zu Hause hat es ja auch immer geklappt“, sagt der Brachter. Das Resultat: Etwa acht Schläuche und acht Speichen verschliss er während der Fahrt, zudem mussten drei Mäntel dran glauben. Felix kam mit zwei neuen Schläuchen aus, musste aber sein Tretlager während der Tour reparieren lassen.

Allen Widrigkeiten zum Trotz haben Lukas und Felix Ende­ September ihr Ziel erreicht. Im Schnitt fuhren sie 80 Kilometer pro Tag. An manchen ­Tagen aber auch deutlich weiter – dann, wenn sie ihr Ehrgeiz packte. „Wir haben das als sportliche Herausforderung gesehen“, sagt Felix. An einem Tag beispielsweise strampelten die beiden 125 Kilometer lang, absolvierten dabei rund 2.200 ­Höhemeter. „Teilweise war das schon Quälerei“, sagt Lukas. Bei besonders anstrengenden Anstiegen sang er während der Fahrt. „Zur Ablenkung“, erklärt er. Dabei ist Lukas von beiden die „Bergziege“, Felix eher der Abfahrer.

Während ihrer Tour haben die beiden 24-Jährigen einiges erlebt. Und manches Mal auch Glück gehabt. An der Schweizer Grenze zum Beispiel. In Deutschland hob Lukas noch einmal Geld ab. Rund 850 Euro hatte er in seinem Geldbeutel, den er auf eine Tasche an seinem Gepäckträger legte und dort vergaß. Erst gut zehn Kilometer später fiel ihm auf, dass er seine Brieftasche unterwegs verloren hatte. „Wir sind die Strecke drei oder vier Mal abgefahren, aber haben nichts ­gefunden“, sagt Lukas.

Wenn die angehenden Grundschullehrer keine Unterkunft fanden, campten sie in der Wildnis. Quelle: privat

Glücklicherweise fand eine ehrliche Finderin seinen Geldbeutel und rief eine Handynummer auf einem Zettel an, der in dem Portemonnaie steckte. Die Nummer gehörte Lukas‘ Vater, der wiederum seinen Filius informierte.

Ein anderes Mal war Felix im Glück: Als die beiden die Party-Hochburg Lloret De Mar an der spanischen Costa Brava erreicht hatten, gingen sie direkt an den Strand. Dort ließ Felix sein Handy im Sand liegen, was ihm erst in der Unterkunft auffiel. Als die beiden zum Strand zurückkehrten lag das Smartphone unberührt im Sand.

„Duschen“ mit der 1,5-Liter-Flasche

Nur rund 1.000 Euro hat jeder von ihnen für den neunwöchigen Trip ausgegeben. Zum einen, weil sie sehr sparsam lebten. „Was wir gegessen haben, war teilweise schon erschreckend“, sagt Felix. Zum anderen, weil ihnen viele nette Menschen unterwegs halfen, ihnen Essen gaben oder sie bei sich schlafen ließen. Lukas empfiehlt in diesem Zusammenhang die Internetseite „warmshowers.org“, bei der Radfahrer sich untereinander Unterstützung anbieten.

Zur Not campten die beiden bald-Referendare in der Wildnis oder kauften sich im Supermarkt 1,5-Liter-Wasserflaschen, um sich damit zu „duschen“. „Man gewöhnt sich daran“, sagt Felix. Und zwar so sehr, dass beide schon bald wieder mit ­ihren „Bikes“ durch Europa­ ­radeln wollen.

von Tobias Kunz