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Ostkreis Kies-Tagebau soll verfüllt werden
Landkreis Ostkreis Kies-Tagebau soll verfüllt werden
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09:47 02.12.2020
Ein Kies-Tagebau bei Niederwald, zwischen der Ortslage und der Bundesstraße 62, soll mit Erde verfüllt werden, die beim Bau der A 49 anfällt. Dafür wären pro Tag etwa 182 Lkw-Fahrten notwendig. Quelle: Tobias Hirsch
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Niederwald

Der stillgelegte Kies-Tagebau bei Niederwald soll verfüllt werden – mit Erde, die einige Kilometer entfernt beim Bau der A 49 anfällt. Das klingt nach einer Lösung, die allen Beteiligten nutzt, denn es herrscht Einigkeit, dass der Tagebau verfüllt werden soll. Dennoch löst die Vereinbarung zwischen dem Straßenbau-Unternehmen Strabag und der Firma Holcim, der Eigentümerin des Tagebaus, in der Stadt Kirchhain auch Sorgen aus. Vor allem die geplante Zahl der Lkw-Fahrten führte am Montagabend im Wirtschafts-, Umwelt- und Verkehrsausschuss zu Diskussionen.

„Ab dieser Woche soll damit begonnen werden“, sagte Bürgermeister Olaf Hausmann (SPD), als er im Ausschuss die Eckpunkte der Vereinbarung vorstellte. Der Tagesordnungspunkt war lediglich eine Kenntnisnahme, der Ausschuss hatte also nicht darüber zu entscheiden. Die Bau-Arbeitsgemeinschaft A 49 beabsichtigt demnach, pro Tag etwa 2 000 Kubikmeter Boden von der geplanten Autobahn-Trasse abzutransportieren, über die B 62 anzuliefern und zu verfüllen. Das Material soll in dem zuletzt ausgehobenen Baggersee eingebaut werden. Er liegt an der Bundesstraße und der Abfahrt Niederwald, rechts der Kreisstraße, gegenüber dem Surfsee. „Das kommt auch den Niederwälder Bürgerinnen und Bürgern zugute, die gefordert hatten, dass der Baggersee wieder verfüllt wird“, sagte Hausmann.

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Grüne: Alle drei Minuten ein Lastwagen

Die Bau-Arbeitsgemeinschaft will für den Transport 25 bis 26 Sattelfahrzeuge einsetzen, die für Hin- und Rückfahrt etwa eineinhalb Stunden benötigen. „Dies entspricht einer bereits früher vorhandenen Verkehrsbelastung in diesem Bereich“, heißt es im Schreiben der Arbeitsgemeinschaft, das den Ausschuss-Mitgliedern vorlag. Wenn jedes Fahrzeug pro Tag siebenmal unterwegs ist, würde jeden Tag 182-mal ein Lkw am Tagebau ankommen, geht aus einer handschriftlichen Ergänzung auf der Vorlage hervor.

Eben diese Zahl löste in der Sitzung Unmut aus. „Mir als Niederwälder haben sich die Schuhe ausgezogen, als ich das gelesen habe“, sagte Ulrich Balzer (Grüne). Nach seiner Berechnung würde alle drei Minuten ein Lkw ankommen. Es stimme nicht, dass früher, als dort Kies abgebaut wurde, genauso viele Lastwagen gefahren wären. „Ich sehe eine große Problematik auf das Dorf zukommen“, warnte er und sprach von einer „Katastrophe“.

Wenn die Stadt die Möglichkeit habe, möge sie darauf hinwirken, dass der Lkw-Takt und damit die Belastung für die Bürger verringert werde. Sogar an Samstagen und Sonntagen seien Fahrten möglich. Reinhard Heck (Linke) stimmte Balzer zu und wies darauf hin, dass durch die Straßensperrung bei Kleinseelheim derzeit ohnehin mehr Fahrzeuge durch Niederwald führen.

Björn Debus (SPD) widersprach den Kritikern: „Die einmalige Chance durch die A-49-Baumaßnahmen muss ergriffen werden. Je schneller wir das Loch zu haben, desto besser.“ Alle drei Minuten ein Lkw erscheine zwar auf den ersten Blick viel, sei aber an anderen Stellen im Landkreis üblich, etwa an der Niederkleiner Straße in Stadtallendorf.

Balzer betonte daraufhin, er habe nichts gegen die Verfüllung, sondern nur gegen das geplante Lkw-Aufkommen. Der Baggersee sei schließlich im Lauf von zehn Jahren ausgehoben worden. Die Verfüllung eines Streifens von 20 bis 30 Metern am Rand des Tagebaus soll von Dezember 2020 bis Ende 2022 erfolgen.

Bürgermeister Hausmann: Stadt nimmt Hinweise auf

Reiner Nau (Grüne) wies zudem darauf hin, dass das Gebiet eine Wasserschutzzone sei. „Da ist allerhöchste Vorsicht geboten“, sagte er. Es müsse sichergestellt werden, dass kein belasteter Boden eingebracht werde aus dem Bereich, wo Reste der Sprengstoffproduktion aus der Kriegszeit seien. Laut Konzept ist der Bodeneinbau mit dem Bergbauamt beim Regierungspräsidium abgestimmt. „Man muss auf die Behörde vertrauen“, meinte Sven Kempf (SPD). Nau widersprach: „Ich möchte die Unterlagen sehen, ich habe kein blindes Vertrauen in Behörden.“

Bürgermeister Hausmann versprach, die Stadt nehme Naus Hinweis zu Protokoll und werde klären, dass der Boden nicht aus einem belasteten Gebiet stamme. Die Stadt werde auch klären, ob Lkw-Fahrten am Wochenende vorgesehen seien, davon gehe er aber nicht aus. „Klar ist: Wenn wir die Fläche verfüllt haben wollen, werden wir dort Lkw haben“, sagte Hausmann. „Es war der Wunsch der Niederwälder, dass wieder verfüllt wird.“ Am Tagebau wird die Bau-Arbeitsgemeinschaft eine Zufahrt asphaltieren, auf der Kreisstraße soll an dieser Stelle laut ihrem Vorschlag Tempo 60 gelten. Hausmann sagte, er gehe davon aus, dass auf der Kreisstraße durch die Anlieferung nur wenig Dreck entstehe – und falls doch, sollte Strabag die Straße reinigen.

Von Stefan Dietrich