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Ostkreis Liebeserklärung an den ewigen A-Ligisten
Landkreis Ostkreis Liebeserklärung an den ewigen A-Ligisten
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12:58 19.12.2020
Marius Mengel trägt den SV Mardorf am und im Herzen und hat den Verein am und im Kopf – kein Wunder, dass er ein Buch über ihn schrieb. Quelle: Florian Lerchbacher
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Mardorf

„Wir sind ein Dorfverein. Nicht mehr und nicht weniger“, sagt Marius Mengel über den SV Mardorf. Allerdings: Dank des 39-Jährigen ist der ewige A-Ligist (seit 1979 kicken die Mardorfer ununterbrochen in dieser Liga) ein Dorfverein, über den es ab dem 17. Januar 2021 – dem Jahr, in dem der SVM 100 Jahre alt wird – ein fast 400 Seiten schweres Buch. Keine Chronik im klassischen Stil, sondern ein Buch, das auf ein Jahrhundert Vereinsgeschichte zurückblickt – mit Zeitzeugenberichten, Einwürfen und vielem mehr. Er wolle über die Besonderheiten des Mardorfer Fußballs berichten, erklärt der 39-Jährige: die lustigen und traurigen, die absurden und die liebenswerten. „Von Geschichten, die sich auf dem grünen Rasen genauso wie abseits von diesem abspielten“, heißt es in dem Vorwort von „Rund um Ball und Wehrturm“ – wobei alleine schon der Titel einen Vorgeschmack darauf gibt, in welche Richtung der Inhalt geht: Er ist angelehnt an „Rund um Wall und Wehrturm“, ein Buch aus den 1960er-Jahren, das die Geschichte Mardorfs behandelt und in nahezu jedem Haushalt im Dorf zu finden war oder sogar ist.

Fünf Jahre dauerte es, bis Mengel sein Buch fertig hatte. Eine Zeitspanne, mit der er durchaus gerechnet hatte, wie er betont, schließlich lasse sich ein solches Werk nicht schnell in einem Jahr runterschreiben. Insbesondere nicht angesichts der intensiven Recherche, die der Berufsschullehrer betrieb: Er stöberte nicht nur in Archiven, sondern führte auch zahlreiche Gespräche, in denen sich Vereinsmitglieder von Spielern und Trainern über Betreuer bis hin zu Zuschauern zurückerinnerten. „Schöne Fußballerlebnisse sind subjektive Empfindungen, die von Person zu Person anders wahrgenommen werden“, lautet seine Theorie – die er in die Praxis umsetzte. Manchmal sei dabei durchaus auch ein gehöriger Schuss lokalen Pathos’ eingeflossen, gibt er zu – aber warum auch nicht, schließlich schreibt ein Mardorfer für Mardorfer über Mardorfer. Wichtige Meilensteine der Vereinsgeschichte stellten immer auch ein Stück Dorf- und Zeitgeschichte dar, die durch ein Buch am Leben erhalten und weitergeben werden müsse, betont er: „Man muss die Erinnerung wachhalten, denn wir Menschen der schnelllebigen, rast- und ruhelosen SMS- und Internet-Generation vergessen schnell.“ Beispielsweise sei es einst an Sonntagen schwierig gewesen, nachmittags Fußball zu spielen – wenn zeitlich Gottesdienste in dem katholischen Dorf abgehalten wurden: Dann sei Kreativität gefragt gewesen, berichtet Mengel schmunzelnd. Entsprechend dreht sich ein Kapitel um das Thema „Fußball und Gott“.

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„Wie wahrheitsgetreu diese Erzählungen in der Retrospektive sind, kann man nicht immer hundertprozentig wissen, denn die Menschen neigen häufig zu Übertreibungen, wenn sie mit Inbrunst über den Fußball als schönste Nebensache der Welt reden und beeindruckende Siege noch glorreicher ausschmücken als es nötig wäre“, betont Mengel und gibt zu, dass das Buch eine Art Liebesbeweis an den Verein sei: „Als Lokalpatriot und leidenschaftlicher Fußballer hatte ich mich schnell in den Mardorfer Fußball verknallt. Sicher wird man es schon auf den ersten Seiten bemerken.“ Für Mengel ist der Mardorfer Fußball mehr als nur Sport, sondern eine Leidenschaft und eben auch Sozial- und Dorfgeschichte. „Irgendwo zwischen stilisierten Leben und gelebter Stilisierung bemüht sich das Buch um einen nostalgisch verklärten Blick aus der bunten Welt der 100 Jahre SV Mardorf“, lautet entsprechend sein Fazit am Ende seines Vorworts.

Er beschreibt den Mardorfer Fußball im Gespräch mit dieser Zeitung als bodenständig, etwas körperbetont und „nicht ganz so filigran“ – eben als grundehrlich. Und so seien auch die Gespräche mit seinen Mitbürgern gewesen, die er während der Recherche führte. Besonders sei auch die Unterhaltung mit einer Frau gewesen, die darüber berichtete, was es für sie bedeutete, dass Anfang der 1970er-Jahre auch das vermeintlich schwache Geschlecht beim SV endlich gegen den Ball treten durfte. Zwar hielt sich die Frauenfußballgruppe nur wenige Jahre – aber daraus entwuchs die heutige „Damengymnastik-Abteilung“.

Sozusagen offizieller Erscheinungstermin ist der 17. Januar 2021. Ein Tag, an dem Marius Mengel „Zwischen Ball und Wehrturm“ den Mardorfern mit einer Lesung präsentieren wollte – ob diese Veranstaltung tatsächlich wie geplant oder eben in kleinerem Rahmen stattfinden oder gar ausfallen muss, ist von der weiteren Entwicklung der Corona-Pandemie abhängig. Doch gute Nachrichten für alle, die noch auf der Suche nach einem Weihnachtsgeschenk sind: Beim Autor – seines Zeichens Leiter der Fußballabteilung – oder über die sozialen Medien sind Gutscheine für das Buch erwerbbar. Kostenpunkt: 19,21 Euro – ein Preis, den Mengel in Anlehnung an das Gründungsjahr des Vereins gewählt hat.

Marius Mengel ist erreichbar unter Telefon 0 64 29 / 82 59 94, E-Mail marius.mengel@gmx.de.

Ein Bericht über 100 Jahre SV Mardorf und die Planungen für das Jubiläumsjahr folgt.

Von Florian Lerchbacher