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Ostkreis Lesen für den guten Zweck
Landkreis Ostkreis Lesen für den guten Zweck
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10:58 25.04.2021
Voller Begeisterung nahmen die Schüler der G6a am Lesemarathon teil.
Voller Begeisterung nahmen die Schüler der G6a am Lesemarathon teil. Quelle: Collage: Privatfotos
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Kirchhain

Der Läufer, der sich vor rund 2.000 Jahren auf den Weg von Marathon nach Athen machte, wäre wahrscheinlich froh, dieser Tage eine sechste Klasse der Kirchhainer Alfred-Wegener-Schule zu besuchen. Er war der Legende nach damals die rund 40 Kilometer gelaufen, um den Sieg der Athener zu verkünden – und brach danach tot zusammen.

Aber: Das war sozusagen die Geburtsstunde des Marathons im klassischen Sinne. Weitaus bequemer hatten es da die Schüler der 6a und der 6c, die sogar gleich zwei Marathons für den guten Zweck absolvierten – allerdings Lesemarathons, die ihre Lehrerinnen initiiert hatten.

Jede gelesene Seite steht für einen Meter

„Die Lesekompetenz ist extrem wichtig“, betont Maria Grimm, Klassenlehrerin der G6a. Ohne das geschriebene Wort gehe so gut wie nichts mehr: Entsprechend sei ein selbstbestimmtes Leben ohne die Fähigkeit zu lesen eigentlich nicht mehr möglich, erklärt sie. Ein Problem sei aber auch, dass Menschen zwar des Lesens mächtig, aber nicht in der Lage seien, die Informationen aus den Texten aufzunehmen.

Und so liege es sowohl Lehrenden als auch Eltern am Herzen, Schüler genau an dieser Stelle zu fördern und zum Lesen zu animieren. Sie und Barbara Sonnenberger (6c, beide Deutsch- und Klassenlehrer) animierten die Jungen und Mädchen daher, einen „Lesemarathon“ zu absolvieren. Jede gelesene Seite repräsentiert einen Meter – und die Schülerinnen und Schüler mussten sich Sponsoren suchen, die pro 100 gelesene Seiten einen bestimmten Betrag spenden.

Voller Begeisterung nahmen die Schüler der G6a am Lesemarathon teil. Quelle: Collage: Privatfotos

Sie habe beobachtet, dass sich die Kinder ohnehin gegenseitig Bücher vorstellen würden, entsprechend habe sich das Projekt angeboten, erklärt Grimm und freut sich, mit dem Angebot sowohl für eine extrinsische als auch eine intrinsische Motivation gesorgt zu haben. Durch die Spenden und das gemeinschaftliche Ziel würden die Kinder zusätzlich animiert: „Der Wert der Handlung liegt in den Folgen“, erläutert die Pädagogin – gleichzeitig gebe es bei dem Projekt einen inneren Anreiz, wenn die Kinder Gefallen am Lesen fänden.

Die Schüler scheuen auch die dicksten Bücher nicht

Eine Schwierigkeit zu Beginn sei gewesen, unter Corona-Bedingungen, also unter eingeschränkten Kontaktmöglichkeiten, Sponsoren zu finden. Die Wahl sei entsprechend vornehmlich auf Familienmitglieder, Verwandte, Freunde oder Nachbarn und nur manchmal auf Firmen gefallen. Danach ging’s dann ans Lesen. Besonders beliebt waren zumindest in der 6a die Bücher der Harry-Potter-Reihe, „Die kleine Hexe“, Gregs Tagebücher und – zumindest bei Mädchen – Bücher, die sich rund um Pferde drehen. Ein Mädchen habe sogar „Der Herr der Ringe“ gelesen, berichtet Grimm und freut sich, dass die Kinder nicht einmal die dicksten Bücher gescheut hätten.

Acht Wochen hatten die Schülerinnen und Schüler der G6a Zeit zu lesen, in der G6c waren es sogar noch zwei Wochen mehr. Insgesamt kamen sie auf 92 Kilometer – schafften also zusammen 92.000 Seiten und erlasen damit etwas mehr als 2.000 Euro, die sie spenden. Sie betonen, dass gerade in Zeiten einer weltweiten Pandemie hilfsbedürftige Menschen und wohltätige Initiativen nicht vergessen werden dürfen.

Waisenhaus und Tierheim bekommen Spenden

Die 6a spendet an das Miro-Waisenhaus in Kenia und das internationale Hilfswerk „das kunterbunte Kinderzelt“ – beides Vorschläge, die von den Kindern selber kamen, wie Grimm herausstellt. Die G6c spendet an das Tierheim in Cappel und den Verein Hilfsweise, der sich um Waisenkinder in Äthiopien kümmert. „Die Kinder haben gemerkt, dass man gemeinsam etwas erreichen kann – auch wenn man sich derzeit nicht treffen darf“, stellt Grimm heraus und kündigt an, dass es auch in Zukunft weitere Lesemarathons geben soll.

Von Florian Lerchbacher

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