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Ostkreis Reste einer alten Wüstung gefunden
Landkreis Ostkreis Reste einer alten Wüstung gefunden
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15:00 09.04.2022
Fachleute sicherten die Funde auf der Baustelle für ein Regenrückhaltebecken der A 49 bei Lehrbach.
Fachleute sicherten die Funde auf der Baustelle für ein Regenrückhaltebecken der A 49 bei Lehrbach. Quelle: Landesamt für Denkmalpflege/Außenstelle Marburg
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Lehrbach

Die Fundstellen sind bereits wieder mit Erde überdeckt. Im Februar und März fanden sich bei Untersuchungen eines ehrenamtlichen Mitarbeiters des Landesamtes für Denkmalpflege gleich mehrere archäologische Fundstätten – und zwar inmitten des Baufeldes für ein Regenrückhaltebecken für die A 49. Über diese bisher unbekannten Bodendenkmäler informierten die Aktionsgemeinschaft Schutz des Ohmtals und die Schutzgemeinschaft Gleental die Öffentlichkeit in einer Pressemitteilung.

Die Funde liegen rund 200 Meter östlich des Schmitthofes, wie das Landesamt auf OP-Anfrage mitteilt. Und sie haben ganz offenbar historische Bedeutung, wie Dr. Beate Leinthaler berichtet. Sie ist bei „HessenArchäologie“ als Teil des Landesamtes für Denkmalpflege für die Öffentlichkeitsarbeit zuständig. Gefunden und dokumentiert wurden Funde aus spätkarolingischer Zeit, also aus den Anfängen des Mittelalters. Die Funde, die bei den Arbeiten von Archäologen gemacht wurden, belegten Eisenverhüttung und Eisenverarbeitung, so das Landesamt. In einer vorläufigen Datierung gehen die Archäologen davon aus, dass sie aus dem 9. bis 10. Jahrhundert stammen dürften.

Überreste der Wüstung Reisdorf entdeckt

Die archäologischen Arbeiten haben wohl unter Zeitdruck gestanden, so berichtet Leinthaler in ihrer Antwort auf eine Anfrage dieser Zeitung. Denn für die Erkundungen und Grabungen ruhten die Baustellenarbeiten in diesem Teil. „Die Beeinträchtigung war räumlich auf wenige Quadratmeter beschränkt und die Bearbeitung der angetroffenen Funde ist abgeschlossen“, berichtet Daniela Wittig von der A-49-Autobahngesellschaft gegenüber der OP. Dem ist auch so, wie das Landesamt bestätigt. Inzwischen sei das Gebiet wieder freigegeben und mit Erdmaterial überdeckt.

Die Archäologen des Landesamtes gehen nach diesen Funden davon aus, die östlichen Ausläufer der mittelalterlichen Wüstung Reisdorf entdeckt zu haben. Jene Wüstung sei eigentlich für das Schmitthofareal überliefert, berichtet Dr. Beate Leinthaler. Deren Anfänge lägen offenbar in der schon erwähnten spätkarolingischen Zeit.

Geomagnetische Untersuchungen

Es gäbe aber unter Umständen noch mehr zu finden beziehungsweise offenzulegen. Darauf weisen auch die Verfasser der Pressemitteilung hin. Ein ehrenamtlicher Mitarbeiter des Landesamtes hielt beispielsweise eine geomagnetische Untersuchung für erforderlich, um die Ausmaße der gesamten historischen Strukturen unter dem Erdreich abschätzen zu können. Bei einer solchen Prospektion werden magnetische Auffälligkeiten gesucht. Das geschieht, ohne in das Erdreich einzudringen und damit mögliche Funde zu zerstören, meist mit besonderen Sonden.

Das Landesamt hält weitere Funde immerhin für denkbar. „Möglicherweise befinden sich östlich anschließend an dieses Baufeld noch weitere Befunde“, schreibt Beate Leinthaler der OP. Dieser Bereich werde zurzeit noch nicht überbaut, da dort eine Stromleitung quere. Leinthaler geht auch auf mögliche weitere Untersuchungen ein. Eine geomagnetische Untersuchung wäre dort von zweifelhaftem Wert, denn Stromleitungen beeinträchtigten geomagnetische Messungen in hohem Ausmaß, so das Landesamt für Denkmalpflege.

Nicht die ersten Funde bei Lehrbach

Es sind nicht die ersten archäologischen Untersuchungen und Funde direkt hinter der Kreisgrenze bei Lehrbach. So fanden sich die Überreste der mittelalterlichen Wüstung Baldersdorf, einer Töpferstätte. Dokumentiert wurden bei den Ausgrabungen seinerzeit mindestens 15 frühere Töpferöfen. Baldersdorf ist nach früheren Angaben allerdings jünger als das erwähnte Reisdorf und die Töpfereien. Sie stammen aus dem 12. bis 14. Jahrhundert.

Von Michael Rinde