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Ostkreis Lebensgefährlicher Sprint über die Gleise
Landkreis Ostkreis Lebensgefährlicher Sprint über die Gleise
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16:57 09.08.2020
Ein Bauzug, der Schwellen und Gleise verlegt, hält auf einer Brücke über die Herrenwaldstraße in Stadtallendorf. Foto: Michael Rinde
Ein Bauzug, der Schwellen und Gleise verlegt, hält auf einer Brücke über die Herrenwaldstraße in Stadtallendorf. Quelle: Michael Rinde
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Stadtallendorf

Es wirkt mehr wie ein Kreischen als ein Hupen, das Signal der automatischen Warnanlage, das immer wieder zu hören ist. Vorige Woche fragten im sozialen Netzwerk Facebook mehrere Nutzer nach dem Ursprung des Signals. Wie in der OP angekündigt, laufen aktuell Gleiserneuerungsarbeiten auf der Main-Weser-Bahn.

Nachdem Ende Juli im Umfeld des Cölber Bahnhofs Gleise, Schwellen und Weichen ausgetauscht wurden, steht derzeit der Abschnitt zwischen Stadtallendorf und Kirchhain im Vordergrund.

Die Arbeiten sollen nach der ursprünglichen Mitteilung der Bahn auf diesem Abschnitt bis Mittwoch, 12. August, dauern. Danach steht der Streckenabschnitt zwischen Stadtallendorf und Neustadt an, und zwar in der Zeit vom 14. bis 26. August. Die Arbeiten laufen nachts und an Wochenenden. Um die Arbeiter vor herannahenden Zügen zu warnen, gibt es bei Bedarf die erwähnten „Alarmsignale“, und zwar Tag und Nacht.

Die Gleisarbeiten sind Teil des bundesweiten Bahnkonzepts „Starke Schiene“. Einzelheiten dazu, um wie viele Meter Gleis und wie viele Schwellen und Weichen es sich bei den erwähnten Abschnitten handelt, teilte die Bahn auch auf Nachfrage der OP nicht mit.

Debatte auf Facebook

Zentimeterweise bewegen sich die großen Bauzüge eines Spezialunternehmens über die Gleisanlagen. Das war insbesondere am Wochenende gut zu beobachten, als der Bauzug direkt im Stadtallendorfer Stadtgebiet unterwegs war. Leider nutzte der ein oder andere die vermeintlich gute Gelegenheit, um vor oder in unmittelbarer Nähe des Bauzuges die Gleise zu Fuß zu überqueren. Das berichtete eine Anwohnerin der Herrenwaldstraße, Hinweise darauf fanden sich auch in Einträgen im sozialen Netzwerk Facebook. Einige Posts dazu sind allerdings bereits wieder gelöscht.

Das Rennen über die Gleise ist auch bei Gleisbauarbeiten natürlich weiterhin lebensgefährlich, ebenfalls nachts, wenn vor allem Güterzüge unterwegs sind. „Der junge Mann war kaum über die Gleise, da kam auch schon ein Zug“, berichtet erwähnte Zeugin. Warum sich Leute dem Risiko aussetzen, vom Zug überrollt zu werden, bleibt deren Geheimnis. In Stadtallendorf sind beide Unterführungen geöffnet.

Bundespolizei: Tempo nicht unterschätzen

Die Bundespolizei reagiert auf die Beobachtungen und hat verstärkte Präsenz während der Bauarbeiten angekündigt. Das Laufen über Gleise ist Minimum eine Ordnungswidrigkeit. Das kostet den Betreffenden dann wenigstens 25 Euro. Schnell kann aus einem solchen lebensgefährlichen Sprint über die Schwellen aber auch eine Straftat werden, wie Klaus Arend, Sprecher der Bundespolizei in Kassel, der OP erläutert.

Das passiert etwa dann, wenn ein Zug eine Schnellbremsung vornehmen muss, um die Kollision mit einem solchen „Gleisgänger“ zu verhindern, erläutert Arend. Stürzen Fahrgäste bei der Notbremsung beispielsweise, so stünde auch eine Körperverletzung im Raum. Samt möglicher zivilrechtlicher Schadenersatzansprüche. Arend warnt auch davor, die Geschwindigkeit herannahender Güterzüge zu unterschätzen. „Ein hundert Stundenkilometer schneller Güterzug hat je nachdem einen Bremsweg von etwa einem Kilometer“, so der Sprecher der Bundespolizei gegenüber der OP.

Von Michael Rinde