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Ostkreis In 5 000 Arbeitsstunden zum Schmuckstück
Landkreis Ostkreis In 5 000 Arbeitsstunden zum Schmuckstück
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12:00 05.05.2022
Am Anfang des Projektes stand die Entkernung des Veranstaltungssaals.
Am Anfang des Projektes stand die Entkernung des Veranstaltungssaals. Quelle: Privatfoto
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Langenstein

Die Dorfgemeinschaft von Langenstein hat in den vergangenen Jahren eindrucksvoll gezeigt, was erreicht werden kann, wenn man zusammenhält: An dem in den 1960er Jahren gebauten und letztmals Ende der 1980er Jahre renovierten Dorfgemeinschaftshaus hatte der Zahn der Zeit genagt. Die Bürgerinnen und Bürger waren sich dessen bereits im Jahr 2014 bewusst, als sie den „Dorfverein“ gründeten, dessen Zweck „die Erhaltung und Förderung der Dorfgemeinschaft und des Dorfbildes“ ist. Zunächst kümmerten sich die inzwischen 152 Mitglieder um die Friedhofspflege und kleinere Projekte, doch schon damals wussten sie bereits von einem Modell der Stadt, wie sich Cheforganisator Herbert Hohl erinnert: Eine energetische Sanierung gibt es nur, wenn die Menschen im Ort die Trägerschaft über das Gebäude übernehmen – und genau da kommt der Dorfverein um Vorsitzenden Udo Lauer ins Spiel, der sich künftig um das in neuem Glanze erstrahlende Gebäude kümmert.

Das Sanierungsprojekt startete im August 2017

Das Sanierungsprojekt an sich begann im August 2017 mit der Bildung von drei Projektgruppen. Alisa Jung, damals noch Architekturstudentin, arbeitete einen ersten Entwurf für die Umgestaltung aus – und die Langensteinerinnen und Langensteiner verabschiedeten sich von ihrem etwas düsteren Veranstaltungssaal mit einer zünftigen Abrissparty. Dann ging’s an den Umbau, an dessen Anfang der Rückbau des Innenbereichs stand. Unter Vollschutz entfernten Helferinnen und Helfer die Glaswolle, doch eigentlich entkernten sie das gesamte Obergeschoss. „Die einen rissen noch ab, da bauten die anderen schon Mauern“, sagt Hohl. Der Mittwochabend war dabei ein fester Termin.

Die Mitglieder des Vereins erledigten nahezu alle Arbeiten und griffen nur im Notfall auf Firmen zurück: So erledigten sie sämtliche Rohbauarbeiten, das meiste des Trockenausbaus, zogen die Brandschutzdecke ein, verlegten Kabel und legten Fliesen, strichen die Räume und gestalteten das Außengelände um – nur die Rampe übernahm ein Unternehmen.

Doch wie ist das möglich in einem Dorf mit rund 1 000 Einwohnern? „Es leben viele Handwerker im Ort: vom Schreiner über den Trockenbauer bis zum Maurer und Elektriker. Es gibt kaum etwas, das wir nicht abbilden können“, freut sich Hohl und stellt heraus: „Es haben sich eigentlich alle Gruppen und Altersgruppen beteiligt. Die Tapezierarbeiten hat beispielsweise überwiegend die Faschingsgarde erledigt.“ Insgesamt brachten sich 74 Ehrenamtlerinnen und Ehrenamtler in das Projekt ein und leisteten dabei mehr als 5 000 Arbeitsstunden – und nicht einmal zwei Corona-bedingte Baustopps taten dem Großprojekt einen Abbruch.

Veranstaltungssaal ist das Schmuckstück

Und wie sehr sich das Engagement gelohnt hat, sieht jeder, der das Gebäude durch den neuen Eingang betritt: Im etwas vergrößerten Vorraum gibt es nun neben Badezimmern für Frauen und Männern (die mit von Grundschul- und Kita-Kindern gestalteten Kacheln verziert sind) auch eine behindertengerechte Toilette. Das Prunkstück ist aber der nunmehr moderne und helle und mit einer großzügigen Theke ausgestattete Veranstaltungssaal, in dem an Tischen bis zu 140 Menschen oder bei Konzertbestuhlung bis zu 200 Gäste Platz finden können. Die neue Technik (und die Küche) hat der Dorfverein mit rund 24 000 Euro bezahlt – und dabei auch nicht gespart: So gibt es Feinheiten wie ein ausgeklügeltes Beleuchtungssystem oder besondere Einstellungen wie jene, die dafür sorgt, dass die Lautstärke der Anlage um 22 Uhr automatisch nach unten geregelt wird.

Buchbar ist das Gebäude beziehungsweise das, so Hohl, neue „Schmuckstück“ online unter der Homepage www.dorfverein-langenstein.de. Im Untergeschoss, in dem sich das Büro des Ortsvorstehers, die Bibliothek und ein Raum für die Vereine befinden, wurden derweil bisher nur Kleinigkeiten verändert. Dieser Bereich lässt sich aber problemlos vom oberen Teil abtrennen, so dass sich niemand in die Quere kommt.

Von Florian Lerchbacher