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Ostkreis Landwirte erhalten viel Zuspruch
Landkreis Ostkreis Landwirte erhalten viel Zuspruch
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19:58 29.11.2019
Oberhalb von Erksdorf in der Nähe der Windkraftanlagen fand am Dienstagabend das für den Landkreis Marburg-Biedenkopf zentrale Mahnfeuer der Landwirte statt.  Quelle: Tobias Hirsch
Erksdorf

„Es geht im Kern ­darum, dass wir mit den politischen Entscheidungsträgern ins Gespräch kommen“, sagte Kreislandwirt Frank Staubitz bei der zentralen Veranstaltung bei Erksdorf. Dass Landwirtschaftsministerin Julia Klöckner nun einen Agrargipfel mit Bundeskanzlerin Angela Merkel angekündigt hat, sei schon ein Schritt in die richtige Richtung. Nichtsdestotrotz, appellierte Staubitz an die Landwirte, jetzt nicht protestmüde zu werden, zumal für den 10. Dezember nach Bonn und Berlin nun eine weitere Groß-Demo in Wiesbaden geplant ist.

Landwirt Ingo Henkel, der die Organisation des Mahnfeuers in Erksdorf übernommen hatte, machte zudem deutlich, dass sich die Landwirte keineswegs aus ihrer Verantwortung nehmen wollen, und gerne auch darüber reden wollen, was sie noch tun können. Es müsse aber gewährleistet sein, dass insbesondere Kleinbetriebe, also Familien geführte Betriebe nicht unter der Last der Vorgaben zusammenbrechen.

„Wir entziehen uns doch nicht unsere eigene Existenzgrundlage“, führte er weiter aus. Besonders Landwirte, die ihren Hof innerhalb der Familie weitergeben wollen und können, wollen sich natürlich auch nachhaltig und zukunftsorientiert aufstellen.

Technik brachte viele Veränderungen

Henkel und Staubitz stellten heraus, dass Landwirte sehr wohl umdenken, deshalb sei es wichtig, jetzt nicht mit Entscheidungen konfrontiert zu werden, die bei vielen jedoch die Wirtschaftlichkeit infrage stellt. Da spiele es sogar keine Rolle,­ ob auf den Höfen konventionell oder nach Bio-Standard gearbeitet werde. Sabrina Emmerich, Junglandwirtin aus Burgholz machte deutlich, wie sehr sie ihren Beruf liebt und dass heutiges Arbeiten auf dem Feld und im Stall ein ganz anderes sei als vor Jahrzehnten.

Ihr Großvater Peter Emmerich hat diese Entwicklung mitgemacht. Er sagt, dass das Düngen oder Gülle ausbringen von vor 20 oder 30 Jahren mit dem heutigen technischen Möglichkeiten gar nicht zu vergleichen sei. Kein Landwirt streue nach Gefühl, alles werde genau geplant und erfolge nur in Mengen, die erlaubt und notwendig seien.

Staubitz kämpft dafür, dass die Landwirte in der öffentlichen Wahrnehmung neu einsortiert werden als Menschen, die die Versorgungssicherheit mit regionalen Produkten sichern und dabei auch ihren Anteil für den Erhalt des den Naturraums inklusive Insekten-, Arten- und Gewässerschutz beitragen. Dabei habe man vor Ort schon Erfolge erzielt, jetzt müsse die Politik folgen.

200 Menschen am Mahnfeuer

„Wenn ein Imker sich bei den Landwirten mit einem Glas Honig bedankt, dann zeigt das, wie nachhaltig und verantwortungsbewusst Landwirte in der heutigen Zeit handeln“, so Staubitz. Es habe nie mehr Blühflächen gegeben als heute. Was den Viehbestand angehe, habe der Landkreis auch schon ganz andere Zeiten gesehen. 1920 habe es noch 1,7 Großvieheinheiten pro Hektar gegeben, jetzt seien es nur noch 0,5.

Über den Abend verteilt kamen sicher an die 200 Menschen zum Mahnfeuer, darunter auch viele Nichtlandwirte, die einfach ihre Solidarität zum Ausdruck bringen wollen. In Erksdorf war natürlich auch Ortsvorsteher Udo Krebs vor Ort. „Ich finde das gut“, urteilte er über die Aktion des Mahnfeuers. Erksdorf sei ein landwirtschaftlich geprägter Ort. Dabei habe man den Wandel in der Landwirtschaft gut verfolgen können. Er sehe auch die Anstrengungen, die Landwirte unternehmen, um sich als Teil und Gestalter einer veränderten Zukunft aufzustellen.

Andere Mahnfeuer gab es unter anderem in Niederweimar, Neustadt und Hachborn. In Niederweimar, so berichtet Andreas Müller, seien um die 100 Menschen zum Feuer gekommen, auch viele Nichtlandwirte. Auch dort wurde deutlich gemacht, dass die Landwirte das Gespräch mit der Politik suchen, um einen für alle Belange tragbaren Konsens zu finden.

von Götz Schaub