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Ostkreis Klares Signal an die Waldbesetzer
Landkreis Ostkreis Klares Signal an die Waldbesetzer
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21:31 24.09.2020
Waldbesetzerinnen stehen auf dem neueren der beiden Baumhäuser im Herrenwald. Quelle: Foto: Michael Rinde
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Stadtallendorf

Ein wichtiger formaler Akt auf dem Weg zu einer möglichen Räumung der Baumhäuser auf der A-49-Trasse im Dannenröder Wald und im Stadtallendorfer Herrenwald ist vollzogen. Der Vogelsbergkreis und der Kreis Marburg-Biedenkopf haben Allgemeinverfügungen erlassen. Darin setzen sie den Besetzern, die sie pauschal ansprechen, klare Fristen, die Baumhäuser zu verlassen und zurückzubauen. Für den Herrenwald gilt ab sofort ein Verbot, weitere Baumhäuser und Plattformen zu errichten, im Dannenröder Wald ab morgen. Fünf Tage haben die Waldbesetzer formal Zeit, ihre Baumhäuser zurückzubauen, so heißt es in der 15-seitigen Verfügung aus dem Vogelsbergkreis. Die Verfügung enthält einige Details zum Geschehen im Dannenröder Wald: Darin ist von etwa 25 Baumhäusern, teils sehr massiver Art, die Rede. Auf einigen gibt es kleine Solaranlagen. Der Vogelsbergkreis spricht von etwa 40 „baulichen Anlagen“ und einer zeitweise dreistelligen Zahl von Bewohnern.

„Wir bleiben, der Wald bleibt besetzt“, hieß es gestern von einem Waldbesetzer im Herrenwald in einem kurzen Gespräch mit dieser Zeitung als Reaktion. Genauso fällt die Antwort aus Dannenrod aus. „Wir machen, was wir tun, wir bleiben im Wald und verteidigen ihn“, sagte ein Aktivist am Pressetelefon zu den Allgemeinverfügungen. Ob einzelne Besetzer den formalen Weg gehen und Widerspruch gegen die Verfügungen einlegen werden, wisse er derzeit noch nicht, das seien persönliche Entscheidungen.

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Im Herrenwald sind seit Beginn der Besetzungsaktion zwei große Baumhäuser nur wenige Meter voneinander entfernt entstanden. Die Baumhäuser befinden sich in etwa acht Meter Höhe. In gleicher Höhe sind auch Versorgungsplattformen angebracht. Drei waren auf den ersten Blick zu sehen. Während des Besuchs der OP im Herrenwald-Camp war zufällig auch die Polizei in der Nähe, mehrere Einsatzfahrzeuge parkten auf dem Parkplatz am Waldesrand. „Ein üblicher Aufklärungseinsatz“, sagte eine Sprecherin des A-49-Presseteams der hessischen Polizei dazu auf Nachfrage.

Wie geht es jetzt weiter? Wann werden die Landkreise unter Umständen ihre baurechtlichen Verfügungen von der Polizei durchsetzen lassen? Die Verfügungen selbst sagen dazu folgendes: In der des heimischen Kreises ist die sofortige Vollziehung angekündigt, was nicht bedeutet, dass sofort eine Räumung erfolgt. Darauf gab es gestern auch keinerlei Hinweise. Der Vogelsbergkreis erklärt in seiner Verfügung, dass ab Samstag, 26. September, eine „Zwangsräumung“ möglich ist. Von der Pressestelle des Vogelsbergkreises gab es auf Anfrage keine weiteren Aussagen, auch nicht zu der Frage, warum der Kreis erst jetzt auf dieses Mittel der Verfügung zurückgreift. Schließlich entstanden die ersten Baumhäuser vor mehr als zwölf Monaten. Anders die Pressestelle des heimischen Landkreises, die gleich auf Nachfragen reagierte. Da die einzelnen Personen, die die Baumhäuser errichtet hätten, nicht zu ermitteln seien, habe man die Allgemeinverfügung gewählt, sagt Sascha Hörmann, stellvertretender Sprecher der Kreisverwaltung. Wann der Landkreis Marburg-Biedenkopf letztlich zum Mittel der Räumung mit Hilfe der Polizei greifen könnte, lässt Hörmann auch offen. Zunächst sei der Ablauf der vorgesehenen Fristen abzuwarten. Am Freitag hätten die Waldbesetzer demnach sowohl im Herrenwald als auch im Dannenröder Forst nach den Verfügungen noch Zeit, ihre persönliche Habe zu entfernen. Im Herrenwald blieben weitere fünf Tage, um die Baumhäuser zurückzubauen.

Von Michael Rinde

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