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Ostkreis Experten werfen Blick auf die Ohmtalbahn
Landkreis Ostkreis Experten werfen Blick auf die Ohmtalbahn
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11:51 31.01.2020
Ein Güterzug fährt auf dem verbliebenen Stück Ohmtalbahn. Quelle: Matthias Mayer/Archivfoto
Kirchhain

Am Mittwoch (29. Januar) saßen sie an einem Tisch: Vertreter des Landkreises Marburg-Biedenkopf, des Vogelsbergkreises und der Städte und Gemeinden Kirchhain, Homberg (Ohm), Amöneburg, Stadtallendorf und Gemünden, allesamt Anliegerkommunen der einstigen Ohmtalbahn. Zentrales Thema war die Frage, ob eine Reaktivierung der Ohmtalbahn ein Wunschtraum bleibt oder es eine realistische Chance dafür gibt. Die Beteiligten haben dieses Thema in Homberg offenbar deutlich weiter gedacht. Herausgekommen sind eine gemeinsame Erklärung mit Zielen und die Bildung einer „Steuerungsgruppe“, um sie auch zu erreichen.

Zunächst zu einer möglichen Wiederbelebung der Ohmtalbahn, ein Projekt, das im vergangenen Herbst in Kirchhain seinen Ausgangspunkt hatte: Es wird eine Vorstudie geben, die die Machbarkeit prüft, wohlwissend, dass es eine Fülle von größeren Hürden gäbe, um dieses Ziel zu erreichen. Teile der Strecke sind nicht nur demontiert, sondern auch formal entwidmet. „Natürlich gibt es Hürden und Herausforderungen, aber es wäre fahrlässig, es jetzt nicht näher zu untersuchen“, sagt der heimische Erste Kreisbeigeordnete Marian Zachow. Bis es Ergebnisse gäbe, dürfte mindestens ein Jahr vergehen. Analog zu der Vorstudie bei der Salzbödetalbahn. Die Kosten der Studie werden sich die beiden Landkreise teilen, wobei Zachow von Kosten zwischen 20.000 und 25.000 Euro spricht.

Ausweitung von Buslinien geplant

Klar ist allen Beteiligten in ihrer Erklärung, dass nur eine komplette Wiederbelebung zwischen Kirchhain und Nieder-Gemünden Sinn machte. Die Vorstudie muss auch die Homberger Radweg-Pläne und die Interessen von Unternehmen an der Trasse berücksichtigen. Die Stadt Homberg hat Teile der Bahntrasse gekauft, um dort einen Radweg zu schaffen. Hombergs Bürgermeisterin hatte im Vorfeld bereits die Bedeutung dieser Pläne für ihre Kommune unterstrichen.

Aber die sieben Beteiligten haben weit mehr im Sinn. Sie wollen die öffentlichen Nahverkehrsverbindungen zwischen den beiden Landkreisen in jedem Falle verbessern. Da kommt die Ausweitung vorhandener Busverbindungen ins Spiel. Die Rede ist in der Erklärung von der Linie 80 Marburg-Homberg-Burg- und Nieder Gemünden oder der Linie 82 Kirchhain-Homberg-Burg- und Nieder-Gemünden als Beispiele. Eine weitere Option wäre die Verlängerung des Stadtbus-Verkehrs von Stadtallendorf und Schweinsberg in Richtung Homberg (Ohm).

Bürgermeister verbreiten Optimismus

Das ließe sich voraussichtlich deutlich schneller schaffen als eine Bahn-Reaktivierung, erklärt auch Marian Zachow. „Aber vielleicht wäre das auch eine Vorstufe für die Ohmtalbahn-Reaktivierung“, sagt er.

Die heimischen drei Bürgermeister aus Kirchhain, Stadtallendorf und Amöneburg sind unisono zufrieden mit dem Ergebnis:

Olaf Hausmann, Kirchhain: Die Erklärung und die geplanten Schritte seien ein sehr gutes Ergebnis. Es sei die Frage zu klären, was man beim öffentlichen Personennahverkehr kurzfristig gemeinsam tun könne. In dem Zusammenhang berichtet Hausmann von einer geplanten Schnellbusverbindung zwischen Homberg, Niederklein, Kirchhain und Marburg ab dem Sommerfahrplan. „Mit einer Fahrzeit von 40 Minuten wäre das sehr attraktiv“, so Hausmann. Bei der Ohmtalbahn sei klar, dass dies ein langfristiges Projekt sei. „Aber wenn wir langfristig Schiene wollen, müssen wir das prüfen“.

Christian Somogyi, Stadtallendorf: „Es ist klar, dass eine kurzfristige Reaktivierung der Ohmtalbahn nicht möglich sein wird“, so Somogyi. Aber beim ÖPNV in Richtung Homberg und umgekehrt müsse angesichts der vielen Berufstätigen eine Verbesserung her.

Michael Plettenberg, Amöneburg: Für Amöneburg gebe es angesichts der vorhandenen bedeutungsvollen Güterverkehrsverbindung keinen Grund, den jetzigen Weg nicht zu unterstützen. Die Überlegungen seien aus der Gegenwart heraus gesehen „durchaus charmant“, so Plettenberg. Die vereinbarte Vorstudie werde nun Fakten ermitteln und damit auch Grundlagen für die weitere Diskussion liefern. Als ein aktuelles Manko sieht er es, dass das Interesse der Bürger noch nicht so erkennbar sei wie bei anderen Reaktivierungsprojekten wie bei der Lumdatalbahn.

von Michael Rinde

Ohmtalbahn

Im vergangenen Herbst begann der Kampf um die Reaktivierung der einstigen Ohmtalbahn für den Personenverkehr. Seit 1980 ist die Strecke außer Betrieb. Nur zwischen Kirchhain und dem Basalt-Werk in Nieder-Ofleiden verkehren seitdem noch Güterzüge. In diesem Streckenabschnitt hatte die Bahn zuletzt auch in die Modernisierung von Bahnanlagen investiert, um sie betriebssicher zu halten. Die gesamte Ohmtalbahn ist 20,1 Kilometer lang. Sie führte ursprünglich von Kirchhain bis Burg und Nieder-Gemünden. 1999 demontierte die Bahn Gleise ab Ober-Ofleiden.