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Ostkreis Alte Becken sind gründlich gesäubert
Landkreis Ostkreis Alte Becken sind gründlich gesäubert
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16:58 27.06.2020
In der Saalestraße wurde seit Februar eine Rüstungsaltlast aus Zeiten der Sprengstoffherstellung beseitigt.  Quelle: HIM GmbH
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Stadtallendorf

Wieder eine Rüstungsaltlast in Stadtallendorf weniger. In wenigen Tagen soll die Baustelle auf einem Grundstück in der Saalestraße zurückgebaut sein. Der Boden ist bereits wieder so hergerichtet, dass er zu gegebener Zeit neubepflanzt werden könnte.

Wie in der Vergangenheit ist die HIM GmbH Sanierungsträger für das Land Hessen. „Wir werden alles wieder so herrichten, wie es gewesen ist“, sagt Projektleiter Zrinko Rezic beim Ortstermin. Wobei die komplette Rekultivierung Sache des Grundstückseigentümers ist.

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Unliebsame Überraschungen blieben aus

Dem Land ist es gelungen, trotz der Corona-Pandemie und aller Einschränkungen, den Zeitplan einzuhalten. Es ist sogar beinahe eine Punktlandung gelungen. Das gilt für den zeitlichen Ablauf wie auch für den Kostenrahmen von rund 1,2 Millionen Euro. Die bei derartigen Sanierungen immer möglichen unliebsamen Überraschungen sind bei der Baustelle Saalestraße ausgeblieben.

Bei dieser Baustelle hatten es die Sanierer der HIM und das beauftragte Bauunternehmen, die Strabag, mit Teilen einer früheren Hochkonzentrationsanlage zu tun, sie diente der Säurekonzentration. Sie war wiederum für die Sprengstoffproduktion nötig.

Ein Teil der Flächen war schon vor 20 Jahren saniert worden. Jetzt hat das Land den Rest in Übereinkunft mit den Grundstückseigentümern abgearbeitet. Die früheren Eigentümer hatten eine Sanierung seinerzeit nicht gewünscht.

Frühere Becken und Altgebäude mussten gereinigt, belasteter Boden abgetragen und ausgetauscht werden. Es ging dabei immer um „polyzyklisch-aromatische Kohlenwasserstoffe“, im Allgemeinen als Teer bezeichnet. Die Bilanz am Ende dieser Sanierung: Rund 6 000 Tonnen unterschiedlich stark belasteter Boden mussten entsorgt werden.

Dieses Mal keine großen Mengen Teerschlamm

Besonders stark belastete Erde musste verbrannt werden. „Wir haben einigen Bauschutt und Boden aus den früheren Becken geholt“, so Rezic. Allerdings fanden sich dieses Mal keine großen Mengen Teerschlamm wie bei der ersten Sanierung im Jahr 2001.

Die HIM geht davon aus, dass sie in den nächsten Jahren immer wieder Baustellen in Stadtallendorf abarbeiten muss. „Das sind einzelne Objekte, die aus unterschiedlichen Gründen noch nicht saniert wurden oder hinzugekommen sind“, sagt Rezic.

Dazu zählen auch Gebäude, bei denen in den vergangenen Jahren in der Raumluft hohe Konzentrationen des Stoffes MNT nachgewiesen wurde. MNT ist ein giftiges Vorprodukt des Sprengstoffes TNT.

Voraussichtlich ab November will die HIM ein solches Gebäude sanieren. Sanieren heißt in dem Fall wiederum abreißen. Denn die Belastungen stammen von einer Altlast unter dem Keller. Auf dem Grundstück befand sich ein früheres „Toluol-Lager“. Das betroffene Gebäude befindet sich in der Elbestraße.

Gelände muss mit einem Zelt umschlossen werden

Wieder muss das belastete Gelände mit einem Zelt umschlossen werden, da MNT giftige Gase entwickelt. Sie verursachen den berüchtigten starken Marzipangeruch. Das Grundstück bleibt im Besitz der Eigentümer, für das Haus zahlt das Land eine Entschädigung.

Von Michael Rinde

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